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UMTS-Auktionsgebote bei beinahe 100 Mrd. DM

Die UMTS-Mobilfunkauktion hat sich am Donnerstag der Marke von 100 Mrd. DM genähert und damit die zuletzt bereits angehobenen Schätzungen der Analysten übertroffen. Nach einer Änderung der Regularien verlangsamte sich aber das Tempo der Versteigerungen.

Reuters MAINZ. Die Aktienkurse der beteiligten Unternehmen setzten an den Börsen ihre Talfahrt fort, da die Investoren angesichts der hohen Kosten mit niedrigeren Unternehmensgewinnen rechneten. Angesichts der unerwartet hohen Lizenzgebühren wird sich EON von dem Engagement beim UMTS-Bieter Viag Interkom trennen und seinen 45-Prozent-Anteil an British Telecom für rund 6,6 Mrd. Euro veräußern.

Die Gebotssumme für die zwölf Frequenzblöcke, die vier bis sechs neuen Frequenzen entsprechen, belief sich am 14. Versteigerungstag nach 169 Bieterrunden auf 98,318 Mrd. DM (50,187 Millliarden Euro). Eine Mobilfunklizenz mit großer Frequenzausstattung, wie sie die beiden Marktführer T-Mobil und D2-Mannesmann anstreben, kostete am Donnerstag mehr als 24 Mrd. DM, eine kleine Lizenz deutlich über 16 Mrd. DM. Auf dieser Basis bieten die sechs Unternehmen umgerechnet 603 Euro pro Einwohner, was das in Großbritannien bei der Auktion erzielte Ergebnis von rund 600 Euro pro Einwohner übertrifft. Damit ist zugleich die obere Grenze der Analysteneinschätzungen erreicht, die in einer Reuters-Umfrage ihre Prognosen für das deutsche Auktionsergebnis erst jüngst auf durchschnittlich rund 50 Mrd. Euro (97 Mrd. DM) erhöht hatten. Die Zahlungswilligkeit der Bietergruppen sei wurde von den Analysten zumeist unterschätzt.

Kurse geben nach

An den Börsen gaben die Aktienkurse der meisten Bieter wegen der steigenden Kosten für den Erwerb der UMTS-Lizenzen kräftig nach. Deutsche Telekom büßten im Mittagshandel drei Prozent, KPN 5,7 %, France Telecom 3,9 %, Telefonica 1,9 %, Mobilcom 5,9 % und Sonera knapp drei Prozent ein.

Analysten hatten Kursverluste vorhergesagt, sobald die zumeist bis zu 80 Mrd. DM reichenden Schätzungen für die Auktionseinnahmen erreicht wurden. Auch bei einem Ausstieg der Bieter aus der Auktion wurde ein Kursrückgang prognostiziert. Den meisten Bietern droht einem Magazinbericht zufolge wegen der Lizenzkosten zudem eine Herabstufung durch die Rating-Agentur Standard & Poor's.

Die Aktien von Britisch Telecom verloren 3,2 % und EON gaben knapp vier Prozent nach. EON hatte am Morgen für Investoren teils enttäuschende Halbjahreszahlen vorgelegt, zugleich aber auch die voraussichtliche Trennung von den Telekom-Aktivitäten bei Viag Interkom in Aussicht gestellt. Von Analysten wurde die vereinbarte Option für eine Wechsel des 45-prozentigen EON-Pakets an BT begrüßt, da der Kaufpreis für EON sehr gut sei und der Energieversorger an den UMTS-Lizenzkosten langfristig nicht beteiligt werde. Die Kosten der UMTS-Lizenz für Viag Interkom sollen beim endgültigen Kaufpreis berücksichtigt werden. BT wird bei Ausübung dr Option 90 % an den kleinsten deutschen Mobilfunkunternehmen halten, das vereinzelt als Ausstiegskandidat bei der UMTS-Versteigerung gehandelt wurde.

Marktführer verhindern Ende der Auktion

Seit dem Ausstieg des ersten Bieterteams am vergangenen Freitag dreht sich die Auktion darum, ob die zwölf Frequenzblöcke unter den sechs Bietern aufgeteilt werden oder ob bei anziehenden Geboten weitere Unternehmen aus dem Wettbewerb aussteigen. Ein Ende der Auktion verhindern seit dem Ausstieg des Konsortiums Debitel/Swisscom bei Geboten von rund 62 Mrd. DM vor allem die beiden deutschen Mobilfunk- Marktführer D2-Mannesmann und T-Mobil, deren Bietverhalten maximal fünf erfolgreiche Bieter zulässt.

Als überraschend werteten Analysten zumeist das Bieterverhalten des Konsortiums 3G von Telefonica und Sonera. Die Unternehmen hätten in Deutschland weder eine Netzinfrastruktur noch eine Kundenbasis. Ein Analyst sagte, 3G biete nur noch aus strategischer Sicht. Telefonica wolle mit dem Erwerb einer UMTS-Lizenz die eigene durch einen der Bieterkonkurrenten erschweren. Auch der Finanzrahmen des Neueinsteigers Mobilcom/France gilt mittlerweile als ausgeschöpft.

Das Bundesfinanzministerium wies einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zurückgewiesen, wonach ein Teil der Erlöse aus der Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen für die Post - und Bahn-Unterstützungskassen reserviert sei. Ein Ministeriumssprecher sagte Reuters, die UMTS-Erlöse würden wie geplant "voll und ganz für die Schuldentilgung" des Bundes verwendet.

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