Archiv
UMTS-Bieter könnten Anleihemarkt überschwemmen

Der Erwerb von deutschen Mobilfunklizenzen der dritten Generation (UMTS) wird für die Telekommunikationskonzerne wahrscheinlich teurer als von ihnen erhofft. Während Finanzminister Hans Eichel (SPD) - im Vergleich zu Analysten relativ bescheiden - ursprünglich von 20 Mrd. DM Einnahmen ausging, stiegen die Gebote bis Dienstag auf mehr als 80 Mrd. DM, ohne dass ein Ende abzusehen war.

Reuters FRANKFURT. Egal, wie der Preis ausfällt: Erfolgreiche Bieter müssen zehn Tage nach dem Ende der Auktion die fällige Summe begleichen. Zur Finanzierung der Lizenzen planen zumindest einige der Bieter die Begebung von Anleihen in Milliardenhöhe. Experten fürchten, dass die Anleihemärkte die vielen großen Neuemissionen nicht verkraften, und dass es daher zu einem Kursverfall kommt.

Erste Emissionen sind bereits angekündigt, über weitere wird spekuliert. "Wir erwarten von September bis Dezember einen signifikanten Anstieg bei der Emission von Telekommunikations-Anleihen", sagte Gary Jenkins, Chef der Kredit-Analyse bei Barclays Capital. "Das lässt natürlich Schlüsse auf die Preisentwicklung zu." Ein Überangebot von Anleihen drückt die Kurse am Markt. Um für Anleger dennoch attraktiv zu sein, müssen die Unternehmen ihre Papiere mit hohen Zinsen ausstatten, was ihre Finanzierung zusätzlich verteuert.

Gerade am europäischen Markt für Unternehmensanleihen, der im Gegensatz zu dem in den USA noch nicht voll entwickelt ist, gilt die Aufnahmefähigkeit für neue Papiere als begrenzt. Um diesen Markt nicht mit einem Überangebot neuer Papiere zu überschwemmen und damit Kurseinbußen und Renditeaufschläge zu riskieren, wird davon ausgegangen, dass viele Emittenten ihre Papiere in $ begeben und an den ungleich aufnahmefähigeren US-Markt gehen werden. Aber auch dort kann ein zu großes Angebot zu Kursrückgängen führen. Bereits in der vergangene Woche hatten die Kurse von Telekommunikationsanleihen in Erwartung der Neuemissionen nachgegeben.

"Wir gehen davon aus, dass der Tiefpunkt bei den Kursen noch nicht erreicht ist", hieß es am Montag aus Marktkreisen angesichts der anstehenden Neuemissionen. "Was wir im Augenblick sehen, sind wohl noch keine Kaufkurse."

Telfonica plant eine Anleihe-Emission im Volumen von fünf Mrd. Euro

Bekannt ist derzeit, dass die spanische Telefonica für den 4. September eine Anleihe-Emission im Volumen von fünf Mrd. Euro plant. Die Papiere sollen mit Laufzeiten zwischen fünf und 30 Jahren ausgestattet werden. Telefonica bildet zusammen mit der finnischen Sonera das Konsortium 3G, das um die deutschen Lizenzen mitbietet. Von Beginn an als Ausstiegskandidat aus dem Bietungsverfahren gehandelt, hat das Konsortium aber bislang kein Zeichen von Schwäche gezeigt. Erst am Wochenende bekräftigte ein Sprecher des spanischen Konzerns: "Wir haben einen längeren Atem und mehr finanzielle Mittel als andere."

Als weiterer Bond-Emittent steht British Telecom in den Startlöchern: Der Konzern hat in den USA die Genehmigung für die Begebung von Anleihen im Volumen bis zu zehn Mrd. $ beantragt. Unklar ist zurzeit aber noch, ob dieses Potenzial auch umgehend ausgeschöpft werden soll. Am Markt war zuletzt davon die Rede, dass zunächst Papiere im Volumen von lediglich fünf bis sechs Mrd. $ begeben werden sollen. British Telecom ist einer der Anteilseigner von Viag Interkom und damit ebenfalls an der deutschen UMTS-Auktion beteiligt.

An den Finanzmärkten gehen die Experten zudem davon aus, dass die France Telecom zusammen mit ihrem deutschen Partner Mobilcom eine deutsche UMTS-Lizenz ersteigern wird und der französische Konzern dann ebenfalls mit einem Bond an den Markt gehen wird, um das Vorhaben zu finanzieren. Die Anleihe dürfte zwar erst nach den Papieren der Konkurrenten auf den Markt kommen, dafür aber in Euro begeben werden, hieß es in Finanzkreisen. Die Nachricht, dass das Papier auf Euro lauten solle, belastete Ende vergangener Woche bereits den europäischen Markt für Unternehmensanleihen.

Auch wenn dieser Markt schnell wächst, gehen Analysten davon aus, dass Neuemissionen in den Größenordnungen, wie sie jetzt bei den Telekommunikationskonzernen anstehen, insgesamt zu groß sind. Darüber hinaus hat der europäische Markt das Problem, dass Telekommunikationsanleihen ohnehin die Masse der ausstehenden Papiere ausmachen. Fallen ihre Kurse auf Grund eines Überangebotes, kann dies den ganzen Markt mit nach unten ziehen.



Größte Unternehmensanleihe aller Zeiten durch die Deutsche Telekom

Bereits vor dem Beginn der deutschen UMTS-Auktion hatte sich die ebenfalls mitbietende Deutsche Telekom mit der bislang größten Unternehmensanleihe aller Zeiten an die Spitze des Emissionszuges gesetzt. Von dem Gesamtvolumen von umgerechnet 13,5 Mrd. $ wurden rund zwei Drittel in den USA begeben. Die Anleihe wurde nach Angaben von Händlern positiv am Markt aufgenommen. Generell gilt der Telekom-Sektor aber als "Achterbahn-Segment". Im Laufe des Jahres schwankten die Kurse massiv. Einige Analysten sprachen - im Vergleich zu anderen Bondmarkt-Segmenten - sogar von dem sich am schlechtesten entwicklenden Anlagesegment des Jahres 2000.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%