UMTS-Euphorie entfachte im Frühjahr
Telekommunikations-Branche von UMTS getrieben

Wie keine andere Technik zuvor hat die dritte Handy-Generation im Jahr 2000 die Mobilfunkkonzerne inspiriert und Kursfantasien geweckt.

dpa-afx DÜSSELDORF. Markenzeichen der Telekom-Branche im Jahr 2000 sind vier Großbuchstaben: UMTS, der Mobilfunkstandard der Zukunft. Wie keine andere Technik zuvor hat die dritte Handy-Generation, auch Universal Mobile Telecommunications System genannt, die Mobilfunkkonzerne inspiriert und Kursfantasien geweckt. Spätestens seit der spektakulären deutschen UMTS-Versteigerung, die dem Bund fast 100 Mrd. DM Erlöse einspielte, gilt UMTS als die Zauberformel für das neue Informationszeitalter.

Superschnelle Datenübertragung, elektronischer Handel (M-Commerce) und Multimedia über Handy - das ist der Stoff, aus dem UMTS-Träume sind. Unternehmen arbeiten fieberhaft am Aufbau der Netze und an Anwendungen. Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts EMNID ist bei Handybesitzern und Internetnutzern bereits jetzt das Interesse groß, mobil Informationsdienste aus dem Internet zu ziehen. Besonders gefragt: Das Überspielen von Verkehrsinformationen wie Staumel dungen auf das Handy.

Neben Deutschland wurden in den vergangenen zwölf Monaten in acht weiteren europäischen Ländern die begehrten Konzessionen vergeben (Spanien, Großbritannien, Niederlande, Österreich, Italien, Schweiz, Polen, Schweden). Gesamtkosten: rund 200 Mrd.. DM. Weitere UMTS-Lizenzen stehen im kommenden Jahr zur Vergabe an - darunter Frankreich, eines der letzten großen und attraktiven UMTS-Märkte Europas. In spätestens zwei, drei Jahren wollen die Betreiber mit Diensten an den Markt treten.

Richtig entfacht wurde die UMTS-Euphorie, als im Frühjahr 2000 in Großbritannien erstmals Lizenzen unter den Hammer kamen. Zuvor hatte Spanien die Rechte in einem so genannten Schönheitswettbewerb vergeben. Das britische Auktionsergebnis überstieg alle Vorhersagen: Für umgerechnet 70 Mrd.. DM ersteigerten fünf Bieter UMTS-Lizenzen, darunter auch die Telekom-Tochter One2One.



Viele Sieger

Angesichts des zu erwartenden gigantischen Geschäfts traten die Lizenzkosten zunächst völlig in den Hintergrund. Das zeigte sich besonders in Deutschland, wo im August drei Wochen lang um die UMTS-Lizenzen gefeilscht wurde. Aus dem Poker gingen D1 (Telekom), D2 (Vodafone), E-Plus (KPN/Hutchison), VIAG Interkom (British Telecom) sowie Mobilcom (France Télécom) und zur Überraschung vieler auch das spanisch/finnische Konsortium G3 (Telefónica/Sonera) als Sieger hervor. Kosten für eine Lizenz: rund 16,5 Mrd. DM.

Die Katerstimmung folgte: In der Branche machten sich Zweifel breit, ob sich die enormen Kosten für Lizenzen und Netzaufbau jemals wieder einspielen lassen. Außer den Regierungen würde vom UMTS-Wahnsinn kaum einer profitieren, hieß es. An der Börse fielen die Aktienkurse von Telekommunikationsfirmen, zuvor ohnehin schon durch den Einbruch bei Internet- und Technologiewerten gebeutelt, weiter in den Keller.

Bei einem Marktanteil von einem Drittel, meinen Experten, könnten die Kosten in zehn Jahren refinanziert sein. Neueinsteiger ohne Kundenbasis dürfte es aber schwer haben, überhaupt Tritt zu fassen. Das war auch der Grund, warum sich die Telekom in Italien und Frankreich an der UMTS-Ausschreibung erst gar nicht beteiligte.



Nur wenige der Konzerne werden überleben

Dass UMTS in den nächsten Jahren zu weiteren Konsolidierungen in der Branche führen wird, davon sind die Beobachter überzeugt. Dabei zeichnet sich ab, dass nur wenige Konzern das Monopoly überleben werden. An vorderste Stelle steht die britische Vodafone-Gruppe, die sich durch die Übernahme von Mannesmann am Jahresanfang unangefochten an die Spitze gesetzt hat. Auf den allen wichtigen UMTS-Märkten ist Vodafone mit Lizenzen vertreten.

Als gut positioniert gilt ferner France Télécom, während die Deutsche Telekom lediglich einen hinteren Platz einnimmt. Inzwischen blickt auch ein asiatischer Riese nach Europa und USA: Die japanische NTT DoCoMo , die im kommenden Jahr als erster Mobilfunkkonzern der Welt mit UMTS-Diensten startet, kaufte sich bei der niederländischen KPN und vor erst vor wenigen Wochen bei AT&T Wireless,

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