UMTS-Geschäft wird eingefroren
Mobilcom ist nicht über den Berg

Mobilcom plant einen massiven Stellenabbau. Das Geschäft mit der UMTS-Technik wird auf Eis gelegt. Damit bleibt das Schuldenproblem aber noch ungelöst. Und davon hängt das Überleben des Unternehmens ab.

slo DÜSSELDORF. Die finanziell angeschlagene Mobilcom AG will mit harten Einschnitten beim Personal die Sanierung auf den Weg bringen. Rund 1850 der 4200 Vollzeitstellen sollen gestrichen und das Geschäft mit der neuen Mobilfunktechnik UMTS vorübergehend eingestellt werden, kündigte Mobilcom-Chef Thorsten Grenz am Freitag an.

Doch damit ist das Unternehmen nach Ansicht von Analysten noch lange nicht über den Berg. Denn das setze voraus, dass Mobilcom sich mit dem Großaktionär France Télécom über die Übernahme seiner Schulden einige. Nur dann bestehe eine kleine Chance, dass Mobilcom überleben könne, heißt es bei SES Research.

France Télécom hat vor zwei Wochen seinen Rückzug von Mobilcom angekündigt und damit die finanziellen Probleme des Büdelsdorfer Unternehmens verschärft. Der französische Konzern finanzierte bis dahin das verlustreiche Tagesgeschäft und die Zinszahlungen der Deutschen. France Télécom wollte ursprünglich über Mobilcom in den deutschen UMTS-Markt einsteigen, hatte sich dabei aber übernommen und mit Mobilcom-Gründer und Großaktionär Gerhard Schmid zerstritten. Vor der Bundestagswahl hat eine Finanzhilfe der Bundesregierung Mobilcom vor der Insolvenz bewahrt.

Der Stellenabbau fällt massiver aus als befürchtet. Die Gewerkschaft IG Metall geht davon aus, dass jetzt bis zu 2100 der insgesamt 5000 Mobilcom-Mitarbeiter - Teilzeitkräfte inklusive - ihren Job verlieren. Davon entfallen auf die Standorte Hallbergmoos und Karlstein in Bayern nach Gewerkschaftsangaben zusammen 700 Arbeitsplätze, auf das Callcenter in Kiel 400. Diese Standorte sollen geschlossen werden. Im UMTS-Geschäft sollen 1000 Stellen wegfallen.

Endgültige Zahlen sind erst nach den Sozialplan-Verhandlungen zwischen Vorstand und Betriebsrat zu erwarten. Insgesamt will der Telekomanbieter durch den Umbau 130 Mill. Euro jährlich sparen und im Kerngeschäft Mobilfunk-Dienstleistungen - dem Verkauf von Verträgen der Mobilfunknetzbetreiber - im ersten Halbjahr 2003 wieder profitabel werden.

Unklar bleibt die Zukunft der Internet- und der Festnetzsparte. Die Mobilcom-Tochter Freenet will den Bereich übernehmen. Bisher ist das Geschäft aber noch nicht zu Stande gekommen. Laut Mobilcom-Chef Grenz reicht die Liquidität des Unternehmens zurzeit nicht aus, um das 100 Mill. Euro teure Sanierungsprogramm umzusetzen: Man sei auch weit davon entfernt, die von der Bundesregierung vermittelte weitere Finanzhilfe über 350 Mill. Euro "in trockenen Tüchern zu haben", sagte Grenz.

Bisher hat Mobilcom eine Finanzspritze von 50 Mill. Euro von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhalten, für die der Bund bürgt. Die Bundesregierung will, dass die KfW weitere 270 Mill. Euro als Kredit zur Verfügung stellt, die schleswig-holsteinische Landesbank soll 80 Mill. Euro auszahlen. Die Banken verlangen dafür allerdings Sicherheiten. Heide Simonis, schleswig-holsteinische Ministerpräsidentin, bekräftigte die Bereitschaft des Landes, Mobilcom mit Bürgschaften zu unterstützen, wenn der Sanierungsplan überzeuge.

Von seinen bisherigen Gläubigerbanken hat Mobilcom erneut eine Atempause bekommen. Die Geldinstitute haben Kredite über 4,7 Mrd. Euro um einen Monat verlängert. Das verschafft Mobilcom bis Ende Oktober Luft. Aufsichtsrat Dieter Vogel, der im Auftrag der Bundesregierung in Frankreich einen Kompromiss zum Schuldenerlass aushandeln soll, bekommt damit mehr Zeit für die Verhandlungen. Ursprünglich hatte France Télécom sich mit den Banken darauf geeinigt, die 4,7 Mrd. Euro in eigene Wandelanleihen umzuwandeln. Vorerst bleibt aber Mobilcom der Schuldner.

Das Unternehmen will trotz des Stopps beim Netzaufbau an der UMTS-Lizenz festhalten. Damit will sich Mobilcom die Möglichkeit offen halten, später wieder in UMTS investieren zu können, falls sich ein Partner findet. Bisher hat das Unternehmen bereits 3600 UMTS-Standorte. An der Börse stieg die Mobilcom-Aktie am Freitag im Tagesverlauf um 18 Prozent an, gab einen Teil der Kursgewinne aber wieder ab.

Quelle: Handelsblatt

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