"UMTS ist keine Lizenz zum Gelddrucken"
Mobilfunkfirma O2 erwirtschaftet erstmals Gewinne

Der kleinste deutsche Mobilfunk-Betreiber 02 hat vier Jahre nach dem Start erstmals operativ die Gewinnzone erreicht. Zwar stehen unter dem Strich weiterhin rote Zahlen. Da aber auch der Marktanteil weiter gesteigert wurde, sieht sich 02 für das UMTS-Zeitalter gut gerüstet.

HB/dpa MÜNCHEN. "O2 Germany hat alle Hausaufgaben erledigt", sagte Chef Rudolf Gröger am Dienstag in München. In zwei bis drei Jahren will die Tochter der britischen mmO2 zum Start der Massennutzung von UMTS den Konkurrenten E-Plus überrunden und nach Deutscher Telekom und Vodafone zum drittgrößten Anbieter in Deutschland aufsteigen.

O2 hatte 1998 noch unter dem Namen Viag Interkom mit dem Aufbau eines Mobilfunknetzes begonnen und seither hohe Verluste gemacht. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2002/03 (31. März) konnte O2 nun einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 1,7 Millionen Euro verbuchen. Im Vorjahreszeitraum betrug der Verlust 173 Millionen Euro. Das Minus vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank im abgelaufenen Halbjahr von 333 (212 Mio Pfund) auf 190 Millionen Euro. Der Umsatz verbesserte sich von 679,4 auf 764,3 Millionen Euro.

Noch hat O2 auch nach eigener Einschätzung nicht die kritische Größe für das UMTS-Zeitalter erreicht. Die Zahl der Handy-Kunden in Deutschland stieg binnen Jahresfrist um ein Viertel auf 4,29 Millionen. Dies sei noch nicht die Größe, bei der man entspannen könne, sagte Gröger. Der Marktanteil von derzeit 7,5 Prozent solle aber jedes Jahr um einen Prozentpunkt verbessert werden. Eine kritische Größe wollte Gröger nicht nennen. Dies hänge davon ab, wie die Kunden für neue Datendienste gewonnen werden könnten. Marktführer T-Mobile hat rund 23 Millionen Handy-Kunden in Deutschland.

Die gesamte Branche ächzt derzeit unter den Milliardenkosten von UMTS. Neuling Quam hat bereits aufgegeben, Mobilcom steckt tief in der Krise. "Wir sehen heute, dass in diesem Wettbewerb denen die Puste ausgeht, die nur Kondition für die ersten 100 Meter mitgebracht haben", sagte Gröger. 02 habe einen entscheidenden Startvorteil: Seit der Aufspaltung der einstigen Muttergesellschaft British Telecom in eine Festnetz- und eine Mobilfunkfirma muss O2 die Finanzierungslast aus der UMTS-Lizenz nicht mehr tragen. British Telecom hatte mm02 ohne die Milliardenlasten in die Unabhängigkeit entlassen.

Gröger räumte ein, dass UMTS viel Geduld erfordere. O2 werde voraussichtlich im September 2003 das Netz starten. Erst ein Jahr später werde der Massenmarkt langsam in Fahrt kommen. "UMTS ist keine Lizenz zum Gelddrucken, sondern eine langfristige Basistechnologie, die ihren Platz finden muss." Die Kosten für den Aufbau eines ordentlichen UMTS-Netzes schätzen Experten nach seinen Angaben auf drei bis vier Milliarden Euro. Die Preise für Netztechnik seien zuletzt aber tendenziell gesunken.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%