UMTS-Kooperation
Analyse: Der Trend geht zum Teilen

Der Eiertanz ist vorbei: Erst sprach Ron Sommer, Chef der Deutschen Telekom, von einem Alleingang seines Unternehmens beim Aufbau der neuen UMTS-Mobilfunknetze. Einige Tage später, bei der Telekom-Hauptversammlung, ruderte er bereits zurück. Eine Kooperation sei nicht ausgeschlossen, wenn sie Sinn mache.

HB DÜSSELDORF. Jetzt ist die Telekom-Mobilfunksparte T-Mobile unter den Ersten, die Nägel mit Köpfen machen und eine UMTS-Netzehe schließen. Der Partner heißt British Telecom (BT), der ehemalige Vorzeigekonzern, der inzwischen auf Grund seiner hohen Verschuldung vor der Zerschlagung steht.

Ausgerechnet die beiden Ex-Monopolisten preschen jetzt vor und zeigen der Konkurrenz, welche Möglichkeiten die Entscheidung des Telekom-Regulierers ihnen eröffnet: Das bedeutet eine Ersparnis von drei Milliarden Euro für die Telekom und zwei Milliarden Euro für BT. Die Regulierungsbehörde hat vor einer Woche die Lizenzauflagen relativ locker interpretiert und damit weit gehende Kooperationen der UMTS-Lizenznehmer in Deutschland erlaubt.

Netzehe bringt Vorteile

Von dem Plan, die UMTS-Netze in Deutschland und Großbritannien gemeinsam hochzuziehen, profitieren sowohl BT als auch die Telekom. Denn auch Sommer bringt diese zunächst ungeliebte Netzehe Vorteile, vor allem in Großbritannien. Innerhalb der T-Familie profitiert die britische Tochter One-2-One am stärksten von der Allianz. Zwei Drittel der erwarteten Ersparnis durch die UMTS-Kooperation fallen dort an.

Bisher gehen die hohen Verluste der Mobilfunksparte des Bonner Konzerns großenteils auf das Konto der Briten. Verluste kann und will sich die Telekom aber im strategisch wichtigen Mobilfunkgeschäft nicht mehr leisten. Die Übernahme von Voicestream in den USA wird die Telekom in den kommenden drei Jahren viel Geld kosten: Der flächendeckende Netzaufbau in den Vereinigten Staaten ist noch lange nicht abgeschlossen, neue Kunden zu gewinnen wird teuer. In solchen Zeiten muss auch die Telekom sparen und überlegen, wo sie ihr Geld investiert.

Für BT ist es umgekehrt: Der größere Nutzen entsteht in Deutschland. Die Münchener Tochter Viag Interkom kann sich beim Aufbau des UMTS-Netzes in Deutschland auf das Minimum beschränken, das die Lizenzauflagen fordern: Demnach muss das Unternehmen die Hälfte der Bevölkerung bis zum Jahr 2005 mit UMTS-Diensten versorgen. Um diese Auflagen zu erfüllen, reicht es fast aus, ein eigenes Netz nur in den Ballungszentren aufzubauen. Auf dem Land kann Interkom das Telekom-Netz nutzen oder Teile davon.

Skepsis gegenüber UMTS

Mit dieser Zusammenarbeit setzen Viag Interkom und T-Mobil die Kooperation fort, die sie heute ohnehin schon betreiben: Überall dort, wo die Münchener kein eigenes GSM-Mobilfunknetz haben, nutzen ihre Kunden die Telekom-Infrastruktur.

In einer Zeit, in der die Konzerne jede Mark zweimal umdrehen müssen, helfen diese Kooperationen allemal. Die Risiken der mobilen Internetära sind damit aber noch lange nicht ausgeräumt. Die Skepsis der Finanzmärkte gegenüber UMTS bleibt ebenso wie die hohen Ausgaben für die Lizenzen, unter denen die Konzerne noch lange ächzen werden. Der Druck auf die Mobilfunkanbieter wächst weiter durch die ständigen Hiobsbotschaften: Mitte Mai musste BT den Start seines UMTS-Pilotprojekts wegen Softwareproblemen verschieben. Auch der von Mobilcom für Mitte 2002 angepeilte UMTS-Start erscheint unrealistisch. Wann Endgeräte auf den Markt kommen, steht ohnehin in den Sternen. Das UMTS-Abenteuer geht also weiter. Und die Unternehmen müssen mehr tun, als die kleinen Hilfen beim Netzaufbau ergreifen, um das Vertrauen der Märkte wiederzugewinnen.

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