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UMTS lebt!

Zeigen nicht die aufgeschobenen Starttermine der noch überlebenden Anbieter, dass die Technik nicht reif ist? Und kommt nicht sogar aus Japan, dem Mekka der Mobilfunkszene, die Nachricht, dass i-mode-Anbieter NTT Docomo seine Umsatzerwartungen für den Mobilfunk der dritten Generation (3G) nach unten korrigieren muss?

Alles richtig, aber trotzdem ist der Schluss verfehlt. Zwar liegt UMTS in Europa gemessen an den geweckten Erwartungen hinter Plan, aber viele Erwartungen sind ohnehin eher Marketing-Wunschdenken gewesen als realistische Szenarien zur Markteinführung. Und in Japan verläuft zwar das 3G-Geschäft von NTT Docomo schleppend, aber die UMTS-ähnlichen Dienste von Konkurrent KDDI erfreuen sich großer Beliebtheit.

Weitgehend unbemerkt von der europäischen Öffentlichkeit konnte KDDI bis August bereits 2,1 Millionen Kunden für seine Mobilfunkdienste der dritten Generation gewinnen. Das sind immerhin fast 17 Prozent derjenigen KDDI-Kunden, die zwischen verschiedenen Diensten wählen können. Und das, obwohl die 3G-Dienste erst seit April zur Verfügung stehen. Damit aber nicht genug: Auch in Korea bietet sich ein ähnliches Bild starker Akzeptanz. Insgesamt nutzen in Asien schon eine zweistellige Millionenzahl von Kunden UMTS-ähnliche Dienste. Von einem prinzipiellen Scheitern des Mobilfunks der dritten Generation kann also keine Rede sein.

Warum also ist KDDI erfolgreich und NTT Docomo bislang nicht? Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der benutzten Technologie und in der Kompatibilität zwischen bisherigen 2G-Diensten und neuen 3G-Angeboten. KDDI und die koreanischen Netzbetreiber nutzen nicht den Standard W-CDMA, der die Basis des 3G-Dienstes von NTT Docomo und auch des europäischen UMTS ist, sondern den Konkurrenzstandard CDMA2000 1X. Dieser bietet zwar in der derzeitigen Version etwas geringere Übertragungsraten als UMTS (irgendwann) verspricht, ist dafür aber abwärtskompatibel. Das senkt die notwendigen Investitionen für die Netzbetreiber, macht Endgeräte einfacher und billiger und ermöglicht dem Kunden den problemlosen Übergang von alter zu neuer Technologie. Er kann die alten Dienste wie gewohnt nutzen und sich langsam mit den neuen Möglichkeiten vertraut machen.

Eine wichtige Lehre aus dem Erfolg von KDDI ist also: "compatibility is king". Wer den Mobilfunknutzern einen einfachen und nahtlosen Übergang zur neuen Technologie ermöglicht, hat Wettbewerbsvorteile. NTT Docomo konnte das in Japan nicht leisten, und auch den europäischen Netzbetreibern und Endgeräteherstellern wird die Kombination von GSM- und UMTS-Funktionalität noch einiges an Kopfzerbrechen bereiten. Beide Technologien in einem Gerät zu kombinieren, so dass Nutzer vom Übergang zwischen den Technologien nichts bemerken, ist keine triviale Aufgabe. Diese Aufgabe muss aber gelöst werden. Denn Beispiele aus der Vergangenheit, wie die Einführung der CD, der DVD oder auch von Apples neuem Betriebssystem MacOS X zeigen, dass entweder die neue Technologie um ein Vielfaches nützlicher als die alte sein muss, oder aber eine langsame Migration möglich sein muss, damit die neue Technologie akzeptiert wird.

So revolutionär ist UMTS aus Kundensicht (zumindest zu Beginn) aber nicht, auch wenn dies oftmals anders suggeriert wird. Damit bleibt für die UMTS-Anbieter nur die Strategie, ihre Kunden langsam und ohne größere Zumutungen an die Nutzung von UMTS heranzuführen. Eine schnelle Ablösung von GSM durch UMTS ist damit in Europa nicht zu erwarten. Wie der Erfolg von KDDI in Japan mit 3G-Diensten zeigt, existiert für die Möglichkeiten der neuen Technologie durchaus eine Nachfrage. Mit UMTS abzuschließen ist also zu früh, denn Totgesagte leben länger.

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