UMTS-Lizenzen und Voicestream-Übernahme erhöhen Schulden auf 130 Mrd. DM
Telekom bangt um Bonität - Aktienkurs auf Jahrestief

Die internationalen Rating-Agenturen haben die Deutsche Telekom ins Visier genommen. Das Unternehmen hofft jedoch, seinen guten Ruf als Schuldner bewahren zu können.

hz/nw FRANKFURT/M. Ron Sommer, Chef der Deutschen Telekom, muss um das Vertrauen auf den internationalen Kapitalmärkten kämpfen. Der Aktienkurs seines Unternehmens fiel gestern auf ein neues Jahrestief. Nach der Rating-Agentur Standard & Poor?s (S&P) wollen nun nach Informationen des Handelsblatts auch die Agenturen Moody?s und Fitch die Deutsche Telekom auf den Prüfstand stellen. S&P hatte einen Abstieg von AA- (hohe Bonität) auf BBB+ (mittlere Bonität) in Aussicht gestellt.

Ein solcher Schritt würde die Telekom 160 Mill. DM zusätzliche Zinsen pro Jahr kosten. Sie hatte ihren Anleiheinvestoren die Garantie gegeben, bei einer Abstufung unter A- den Kupon um 0,5 Prozentpunkte zu erhöhen. Moody?s und Fitch werden das Rating wahrscheinlich bis spätestens Mitte September senken. Analysten beider Agenturen haben jedoch eher ein A-Rating im Auge, wie sie erklärten. Telekom-Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick gab sich gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters zuversichtlich, das A-Rating halten zu können. Mit einer Abstufung müssen ebenfalls British Telecom, France Télécom, KPN und Telefónica rechnen.

Die Unternehmen können ihre Bonität allerdings verbessern, indem sie strategisch nicht notwendiges Vermögen verkaufen und mit den Erlösen ihre hohen Schulden abbauen. Die Telekom steht seit der jüngsten Mega-Anleihe mit insgesamt rund 130 Mrd. DM in der Kreide.

Die Telekom darf sich jedoch auf Einnahmen von gut 30 Mrd. DM aus Vermögensverkäufen freuen. So wird der Telekommunikationsriese den geplanten Verkauf seiner Anteile an den regionalen Kabel-Gesellschaften teilweise bereits in den nächsten Monaten über die Bühne bringen. Insgesamt wird mit Einnahmen von 12 bis 15 Mrd. DM aus dem TV-Kabel gerechnet. Zudem fließen den Bonnern aus dem Verkauf ihrer Anteile am italienischen Mobilfunkkonsortium Wind gut 5 Mrd. DM vermutlich steuerfrei im ersten Quartal 2001 zu. Der nächstes Jahr erwartete Verkauf der Anteile am US-Mobilfunkunternehmen Sprint dürfte weitere 16 bis 18 Mrd. DM in die Kassen spülen. Auch der nunmehr für nächstes Jahr angepeilte Börsengang der Mobilfunktochter T International-Mobile wird dem Mutterkonzern nach bisherigen Schätzungen zwischen 16 und 20 Mrd. DM bringen. Im Jahr 2002 darf sich die Telekom zudem von ihrem 2 %-Anteil an der France Télécom trennen, der derzeit rund 5 Mrd. DM wert ist.

Tiefe Löcher reißt dagegen der UMTS-Mobilfunk in die Kasse der Telekom. Die Ersteigerung der deutschen Lizenzen belastet die Telekom mit mehr als 16 Mrd. DM. Sollte sie in Frankreich und Österreich zum Zuge kommen, dürften weitere Milliarden fällig werden. Zudem kommt die Übernahme des US-Mobilfunkers Voicestream die Telekom teuer.

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