UMTS-Netz an E-Plus verkauft
Mobilcom beendet das UMTS-Abenteuer

Der Mobilfunkanbieter Mobilcom verkauft sein für 1,1 Mrd. ? errichtetes UMTS-Netz nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen für 20 Mill. ? an den Konkurrenten E-Plus.

Reuters HAMBURG. Dies habe das Kontrollgremium am Dienstag beschlossen, sagte ein Aufsichtsratsmitglied der Nachrichtenagentur Reuters. Gleichzeitig sei der indischen Hinduja-Gruppe die Möglichkeit eingeräumt worden, bis zum Ende der Woche ein Angebot für die UMTS-Lizenz abzugeben. "Die Inder könnten sich vielleicht vorstellen, bis Ende der Woche ein unverbindliches Angebot zu machen", ergänzte das Aufsichtsratsmitglied. In Branchenkreisen wurde diese Alternative als wenig wahrscheinlich erachtet.

Mobilcom teilte im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung mit, das Kontrollgremium habe einstimmig beschlossen, den Verkauf der UMTS-Netz bis Ende dieser Woche verbindlich abzuschließen. Damit will sich Mobilcom offenbar eine Tür offen halten, falls die indische Hinduja doch noch eine Offerte abgibt. Hinduja war am Vortag von Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid als möglicher Interessent für die UMTS-Aktivitäten ins Gespräch gebracht worden. Der Vice Chairman des indischen Unternehmens, Solomann Raj, hatte jedoch ein Interesse an Mobilcom verneint. Gleichzeitig hatte ein Fax einer Londoner Hinduja-Niederlassung in der Büdelsdorfer Unternehmenszentrale für Aufregung gesorgt, in der nach Unternehmensangaben Interesse an Mobilcom geäußert wurde.

Weder die niederländische KPN, der E-Plus mehrheitlich gehört, noch E-Plus selbst war zunächst zu einer Stellungnahme bereit.

Mobilcom nannte in der nach der Aufsichtsratssitzung verbreiteten Pressemitteilung nicht den Namen von E-Plus als Käufer des UMTS-Netzes. Allerdings war zuvor bekannt geworden, dass dem Kontrollgremium als einziges formelles Angebot das von E-Plus vorlag. Ein Mobilcom-Sprecher wies auf den Zeitdruck hin, unter dem der Verkauf der UMTS-Aktivitäten stehe, da France Telecom die Kosten für das Einfrieren des Funknetzes nur bis zum Jahresende trage. Der mit Vorrang angestrebte Verkauf von Netz und Lizenz als Paket sei nicht erfolgreich gewesen.

Zu der Aussicht, dass bis Ende der Woche mit einem anderen Unternehmen noch ein Vertrag zu Stande kommt, hieß es aus Branchenkreisen: "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass jemand in so kurzer Frist in der Lage ist, einen Vertrag zu schließen."

Wenn der UMTS-Verkauf Ende der Woche perfekt ist, kann Mobilcom nach fast drei Jahren einen Schlussstrich unter sein verlustreiches UMTS-Abenteuer ziehen, durch das der Konzern im Streit der beiden Großaktionäre France Telecom und Mobilcom-Gründer Schmid fast in die Insolvenz getrieben worden war. Im Gegenzug zu Schmids Rückzug aus dem Unternehmen und der Zusage des Unternehmens, das UMTS-Netz zu verkaufen, übernahm France Telecom Schulden der Büdelsdorfer in Höhe von rund sieben Mrd. ?. Mobilcom verkaufte daraufhin kürzlich seine Festnetzsparte an seine Internettochter Freenet und konzentriert sich seitdem auf den Wiederverkauf von Mobilfunkdiensten anderer Anbieter.

Weitgehend entschuldet will Mobilcom im ersten Halbjahr 2003 operativ die Gewinnschwelle erreichen und im Gesamtjahr erstmals seit Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben. Im vergangenen Jahr belief sich der Nettoverlust vor allem wegen hoher Abschreibungen in Folge des gestoppten UMTS-Aufbaus sowie Restrukturierungskosten auf 3,4 Mrd. ?.

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