UMTS steht kurz vor dem Start
Mobilfunk und Multimedia lassen die Telekom-Branche hoffen

Die Hoffnung auf den Durchbruch neuer Trends hat Tradition auf der weltgrößten Computermesse CeBIT. Besonders der schwer angeschlagenen Telekommunikationsbranche blieb in den vergangenen Jahren nichts anderes übrig, als auf die Zukunft und den Erfolg des neuen Mobilfunkstandards UMTS zu setzen.

HB/dpa HANNOVER. Enttäuschte Aktionäre mochten solchen Beteuerungen allerdings keinen Glauben mehr schenken. Tatsächlich gibt es für die Unternehmen in diesem Jahr aber allen Unkenrufen der Vergangenheit zum Trotz berechtigte Gründe, sich optimistisch zu zeigen.

Die Investitionen in die 50 Milliarden Euro teuren UMTS-Lizenzen und den mindestens ebenso teuren Netzaufbau sind inzwischen in den tiefroten Bilanzen der Telekom-Konzerne berücksichtigt. Der Markt hat sich 2002 bereinigt, wie es im Fachjargon heißt: Von ursprünglich sechs Lizenzinhabern sind in Deutschland nach dem Ausstieg von Quam und MobilCom noch vier übrig geblieben. Prepaid-Kunden aus der Zeit des ruinösen Preiswettkampfes, die inzwischen gar nicht mehr telefonieren, haben die Unternehmen aus ihren Karteien gestrichen. Das reine Mobilfunkgeschäft ist kerngesund, wächst und fährt zum Beispiel beim deutschen Marktführer T-Mobile, der seine Zahlen am Montag in Hannover vorstellte, satte Gewinne ein.

Und UMTS steht nun wirklich kurz vor dem Start: Von Herbst an soll der schnelle Standard für mindestens ein Viertel der Bevölkerung zur Verfügung stehen. Ist diese Abdeckung bis Ende des Jahres nicht erreicht, droht den Netzbetreibern nämlich der Lizenzentzug. Als großer Vorteil für die Mobilfunk-Anbieter erweist sich, dass Handys mit neuen Funktionen und Diensten, zum Beispiel Farbdisplay und eingebauter Kamera zum Versenden von Fotos, sich bereits erfolgreich verkaufen. Sie sorgten weltweit im vierten Quartal 2002 für ein Plus von 14 Prozent beim Handy-Absatz.

Zwar hat das erhoffte Zugpferd MMS - multimediale Kurznachrichten per Handy, die zusätzliche Umsätze bringen sollen - noch mit Kinderkrankheiten zu kämpfen: Einem Testbericht der Zeitschrift "connect" zufolge ist die Übertragungszeit von MMS derzeit "unberechenbar für den Nutzer". Das kann bedeuten, dass Fotos vom entscheidenden Tor der Lieblings- Fußballmannschaft erst Stunden nach Ende des Spiels aufs Handy übertragen werden. Doch beim UMTS-Start könnten solche Probleme behoben und die Preise für MMS (derzeit bis zu 1,29 Euro) bereits deutlich gesunken sein.

Hinzu kommt, dass UMTS aus Sicht der Unternehmen längst nicht mehr als einziger Rettungsanker der Branche gilt, sondern inzwischen Bestandteil der Vision von einer breitbandigen Telekom-Welt geworden ist. Der schnelle Internet-Zugang zum Herunterladen von Videos oder Spielen soll künftig überall möglich sein - zu Hause, im Büro oder im Café. UMTS, Wireless LAN, DSL und andere Breitband-Technologien mit komplizierten Abkürzungen, aber auch das Multimedia-fähige Fernsehkabel daheim im Wohnzimmer würden sich dann im Idealfall keine Konkurrenz mehr machen, sondern gegenseitig ergänzen.

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