UMTS-Zukunft
Hilferuf der Telekom-Branche aus Hannover

Aus Hannover kommt auch ein Hilferuf der Telekom-Branche. Wegen des ungewissen Erfolges der milliardenschweren Investitionen in das UMTS- Mobilfunkzeitalter erwarten die Unternehmen Beistand der Bundesregierung.

WiWo/dpa HANNOVER. "Es ist nicht hinnehmbar, dass die Politik 51 Milliarden Euro für Lizenzen einstreicht und die Branche beim Aufbau des Netzes allein lässt", rügte Peter Wagner, Vorstandsmitglied des Branchenverbands Bitkom, am Mittwoch auf der Cebit in Hannover. Die sechs UMTS-Lizenzinhaber und ihre Mutterkonzerne haben sich zum Teil hoch verschuldet und sind auf den Erfolg des mobilen Internets angewiesen. Nach Ansicht der Experten haben nur drei der sechs Anbieter eine Überlebenschance. Nach einer Umfrage von Mummert+Partner unter 100 Spitzenmanagern führender Telekommunikations-Unternehmen planen 54 Prozent bis 2004 überhaupt keine UMTS-Investitionen mehr. "Die Milliardenlast droht die ersten Lizenzinhaber aus dem Markt zu drängen", prognostiziert die Hamburger Unternehmensberatung. "Um Schlimmeres zu verhindern, müssen die staatlichen Restriktionen gelockert werden." Die Politik müsse Netzbetreiber, Hersteller, Anbieter von Diensten an einen Tisch rufen und Strategien entwickeln, wie der UMTS-Markt "mit Pioniergeist" angeschoben werden könne, sagte Wagner. Nach seiner Ansicht sind die Spielräume etwa für den Frequenzhandel und bei Kooperationsmöglichkeiten "noch nicht in aller Feinheit ausgelotet". Auch der Vorstandschef des Telekom-Neueinsteigers und UMTS- Lizenzinhabers Quam, Ernst-E. Folgmann, sprach sich für flexiblere Rahmenbedingungen aus. Sein Kollege Kai-Uwe Ricke vom Marktführer T-Mobile hatte bereits im Januar an die Politik appelliert, über eine Änderung der Lizenzbedingungen nachzudenken. Er wollte sich am Mittwoch jedoch nicht erneut zu dem Thema äußern. Die sechs Unternehmen T-Mobile, Vodafone, E-Plus, Viag Interkom (künftig O2), MobilCom und Quam wollen spätestens im nächsten Jahr ihre UMTS- Angebote starten. Wagner bezeichnete die Äußerungen von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vom Vorabend zu diesem Thema als "leider sehr vage". Der Kanzler hatte lediglich mögliche Kooperationen begrüßt, sich ansonsten aber nur zu den UMTS-Strahlengrenzwerten geäußert. Die Lizenzinhaber dürfen nach einer Entscheidung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) zwar beim Aufbau der Netze zusammenarbeiten, sich aber nicht untereinander zusammenschließen. In so einem Fall müsste eine der Lizenzen zurückgegeben und für weniger Geld verkauft werden. Noch gilt als völlig offen, ob die Handy-Kunden bereit sind, mehr Geld für neue multimediale Angebote auszugeben und damit das Geschäft für die Telekom-Unternehmen profitabel zu machen. Wagner forderte die öffentliche Hand auf, zum Beispiel durch neue interaktive Park- und Verkehrsleitsysteme, Informationen zu Nahverkehr und Tourismus sowie "virtuelle Rathäuser" den UMTS-Anwendungen einen Anschub zu geben. Nach Ansicht des Vorsitzenden des internationalen UMTS-Forums in London, Bernd Eylert, wird sich UMTS nicht schlagartig, sondern in einem "fließenden Prozess" entwickeln. Nach einer neuen Studie des Forums, in dem Hersteller, Netzbetreiber, Diensteanbieter und Regierungsorganisationen zusammengeschlossen sind, wird es 2005 weltweit 100 Millionen UMTS-Nutzer geben, bis 2010 sollen es 630 Millionen sein. Die Umsätze sollen von 70 Milliarden Dollar (80 Milliarden Euro) auf 560 Milliarden Dollar 2010 steigen.

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