UMTS-Zusammenarbeit spart Kosten in Milliardenhöhe
Mobilcom hat die größten Chancen

Die Möglichkeit, beim UMTS-Netzaufbau zusammenzuarbeiten, bringt Phantasie in die Aktienkurse der Telekom-Anbieter. Doch Analysten halten das Potenzial für begrenzt.

DÜSSELDORF. In der Börseneuphorie vor zwei Jahren wären die Kurse sicher explodiert. Denn die Möglichkeit, beim UMTS-Netzaufbau zusammenzuarbeiten, erspart den Netzanbietern viel Geld. Doch in der von Unsicherheit geprägten Börsensituation bleiben die positiven Reaktionen bislang aus. Anleger sind skeptisch, ob die hohen Investitionen für die UMTS-Lizenzen jemals eingespielt werden - trotz des nun preiswerteren Netzaufbaus. Auf längere Sicht sehen Analysten aber vor allem für die kleineren Anbieter wie Mobilcom Kurspotenzial.

Eine Frage der Software

Es ist eine Frage der Software, die über Ersparnisse in Milliardenhöhe entscheidet. Telekom-Netzausrüster arbeiten an Softwarebausteinen in einer einzigen Mobilfunksende- und-empfangsanlage, über die mehrere UMTS-Betreiber unabhängig voneinander funken können - und damit die vom Regulierer geforderten Auflagen erfüllen. Dieser technische Fortschritt und weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit macht das UMTS-Abenteuer für die Lizenznehmer je nach konservativer oder optimistischer Schätzung um 15 bis 40 % billiger als bisher gedacht. Das könnte den Aktienkursen der Unternehmen wieder auf die Sprünge helfen.

Das größte Potenzial sehen Analysten bei der Mobilcom AG, Büdelsdorf. "Rein fundamental betrachtet sind die angestrebten Ersparnisse gut für eine Kurssteigerung von 10 bis 15 %", sagt Frank Rothauge von Sal. Oppenheim. "Mobilcom ist auf Einsparungen angewiesen und wird die Möglichkeit zur Zusammenarbeit voll ausschöpfen", meint Theo Kitz von Merck Finck.

Bei den anderen Unternehmen, die Kooperationen beim Aufbau der UMTS-Netze planen, sind nach Meinung der meisten Experten die Ersparnisse zu klein, um den Aktienkurs mittelfristig zu bewegen. Dazu gehören British Telecom, die über ihre Tochter Viag Interkom eine UMTS-Lizenz in Deutschland ersteigert haben, die niederländische KPN mit ihrer Tochter E-Plus sowie Telefónica und Sonera, die das UMTS-Joint Group-Venture 3G in Deutschland gegründet haben. Die beiden Marktführer im deutschen Mobilfunk, T-Mobil und D2 Vodafone, werden von der gemeinsamen Nutzung der Übertragungstechnik nach Ansicht fast aller Analysten gar nicht profitieren. Sie wollen die neuen Netze im Alleingang hochziehen.

Finanzmärkte haben Konzerne abgestraft

Seitdem sechs Unternehmen im August die UMTS-Lizenzen in Deutschland für jeweils 8 Mrd. Euro ersteigerten, haben die Finanzmärkte die Konzerne abgestraft. Im Zuge des weltweiten Einbruchs bei Technologiewerten, aber auch vor dem Hintergrund der hohen Kosten für die neue Technik ist beispielsweise der Aktienkurs der Deutschen Telekom um gut 50 % gefallen. KPN und die finnische Sonera verloren über 70 %.

Um Geld zu sparen und den anstehenden Kraftakt des Netzaufbaus zu stemmen, haben sich die Kleinen unter den UMTS-Lizenznehmern - Viag Interkom und E-Plus, Mobilcom und Group 3G - für Kooperationen und das Teilen von Übertragungstechnik stark gemacht. Telekom-Regulierer Matthias Kurth gab nun in dieser Woche bekannt, welche Formen der Zusammenarbeit beim Netzaufbau mit den UMTS-Lizenzauflagen vereinbar sind: Demnach dürfen die Unternehmen Antennenstandorte, Masten und Kabel sowie die Empfangs- und Sendeanlagen gemeinsam nutzen.

Die Unternehmen beziffern die dadurch mögliche Ersparnis auf bis zu 2 Mrd. Euro bei den Infrastukturausgaben. Hinzu kommt ein dreistelliger Millionenbetrag, den sie bei den jährlichen Betriebskosten sparen können. "Das erleichtert vor allem den Kleinen unter den Lizenznehmern den Einstieg auf den UMTS-Markt", sagt David Wilkins, Telekom-Analyst bei dem Marktforschungsinstitut Analysys. Ob sich das Business Modell der Unternehmen auf Dauer auszahlt, da sind die Analysten skeptisch. Rothauge: "Ich bin nicht davon überzeugt, dass Unternehmen wie Group 3G längerfristig viel Freunde mit UMTS haben werden."

Nicht nur Vorteile in der nun möglichen Zusammenarbeit sieht auch Robert Vinall von der DG Bank: "Wenn alle Unternehmen in Teilen dieselbe Infrastruktur nutzen, besteht die Gefahr, dass die Kunden keine Qualitätsunterschiede erkennen und den Anbieter nur nach dem Preis auswählen. Das führt zu härterem Wettbewerb, der schlecht für die Anbieter ist."

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