Umwandlung in eine Aktiengesellschaft geplant
FC Bayern spricht mit Adidas über Kapitalbeteiligung

Der Sonderweg des FC Bayern München hat ein Ende gefunden. Der Klub folgt dem Beispiel der Konkurrenz und wandelt sich in eine Aktiengesellschaft um. Zudem will sich offenbar der Sportartikelhersteller Adidas-Salomon mit zehn Prozent an den Münchnern beteiligen.

mwb/thy/rtr/sid DÜSSELDORF. Der Sonderweg des FC Bayern München hat ein Ende gefunden. Der Klub folgt dem Beispiel der Konkurrenz und wandelt sich in eine Aktiengesellschaft um. Zudem will sich offenbar der Sportartikelhersteller Adidas-Salomon mit zehn Prozent an den Münchnern beteiligen. "Das Präsidium hat am Montag den Beirat informiert, dass wir beabsichtigen, den FC Bayern noch in diesem Jahr in eine Kapital- und Aktiengesellschaft umzuwandeln, wobei der FC Bayern hundertprozentiger Aktionär bleibt", sagte der Vizepräsident des Vereins, Fritz Scherer.

Einen Gang an die Börse schließt der Verein zur Zeit offenbar noch aus:"Es gibt Überlegungen, dass wir nicht an die Börse gehen, sondern zehn Prozent unserer Anteile einem strategischen Partner überlassen", so Scherer. "Auch Adidas ist im Gespräch. Diese Firma ist schon so lange unser Partner." Die "Bild-Zeitung" hatte zuvor gemeldet, dass Adidas für 150 Millionen Mark zehn Prozent der Anteile des FC Bayern übernimmt. Scherer erklärte hingegen, über eine Summe sei noch nicht gesprochen worden.

Beirat und Präsidium seien sich einig, dass die Umwandlung in eine Kapitalgesellschaft und die Aufnahme eines strategischen Partnern "der richtige Schritt in der heutigen Zeit ist", sagte der Vizepräsident. "Auf uns kommen enorme Summen zu. Wir müssen daran denken, dass wir in zwei Jahren ein Stadion finanzieren müssen. Darauf müssen wir vorbereitet sein."

Adidas wollte den möglichen Einstieg bei den Münchnern zunächst nicht bestätigen. "Das ist Spekulation. Und zu Spekulationen geben wir prinzipiell keinen Kommentar ab", sagte Firmensprecher Jan Runau gegenüber dem Handelsblatt. Adidas ist nicht nur Ausrüster der Bayern, auch im Merchandising arbeitet das Unternehmen aus Herzogenaurach mit dem Rekordmeister eng zusammen. Ein Einstieg beim FC Bayern hätte für Adidas vor allem strategische Bedeutung. Die Münchener zählen zu den bekanntesten Klubs in Europa mit immensem Werbewert. Zudem wird der Kampf um die Vermarktung der europäischen Spitzenklubs immer härter. Als Ausrüster kann es sich der Sportartikelhersteller kaum leisten, seinen Vorzeigeklub auf dem größten Markt Europas an einen Konkurrenten zu verlieren. Durch die Beteiligung mit Sitz im Aufsichtsrat könnte Adidas den FC Bayern langfristig an sich binden. Zudem würden die Herzogenauracher frühzeitig von einem möglichen Konkurrenzangebot erfahren. Auch die Vermarktung der Mannschaft und der einzelnen Spieler könnte auf ein ganz anderes Niveau gehoben werde, heißt es in Firmenkreisen.

Konkurrent Nike hatte im vergangenen Jahr eine Kooperation mit Manchester United, dem renommiertesten Klub weltweit, geschlossen. Die Amerikaner beteiligen sich zwar nicht am Verein, vermarkten ihn jedoch ab August 2002 für 13 Jahre. Dafür kassieren die Engländer insgesamt 438,5 Millionen US-Dollar.

Der FC Bayern hatte einen Gang an die Börse nach dem Vorbild des Bundesliga-Konkurrenten Borussia Dortmund bisher immer abgelehnt. Die Nachricht, dass aus dem Verein jetzt doch eine Kapitalgesellschaft werden soll, wurde zu einem für alle Beteiligten denkbar ungünstigen Zeitpunkt publik. Die Kicker befanden sich gerade in der Vorbereitung auf das Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid, und bei Adidas steht heute die Hauptversammlung an.

Die Aktie des Sportartikelherstellers lag gestern zum Börsenschluss mit 2,83% im Minus. Händler führten die Verluste allerdings auch auf Gewinnmitnahmen nach dem Kursanstieg vom Dienstag zurück. Da hatte das Papier um mehr als drei Prozent zugelegt.

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