Umwandlung von Vorzugs- in Stammaktien abgeblasen
Pro Sieben im Sog der Kirch-Pleite

Die TV-Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 Media AG kann sich den Auswirkungen der Insolvenz ihres Mehrheitsgesellschafters nicht entziehen. Die Unsicherheit, wie es mit dem Konzern weiter geht, ist groß.

jojo MÜNCHEN. Die Pro Sieben Sat 1 Media AG kann sich entgegen früherer Beteuerungen von ihrer Mutter nicht lösen: Gestern brach der Aktienkurs der im M-Dax notierten TV-Gruppe um rund 14 % auf knapp über 9 Euro ein. Auslöser des Kurssturzes war die Ankündigung, dass Mehrheitsgesellschafter Kirch Media eine Umwandlung der Vorzugs- in Stammaktien blockiert. Die Begründung: Während des Insolvenzverfahrens der Kirch Media könne keine Entscheidung über die Umwandlung der stimmrechtlosen Vorzugsaktien in Stammaktien getroffen werden. Dies könne die Interessen der Gläubigerbanken und Investoren verletzen, hieß es.

Analysten sehen den direkten Einfluss von Kirch auf den Fernsehsender schon seit Monaten negativ. Ursprünglich war geplant, Kirch Media mit Pro Sieben in diesem Frühjahr zu fusionieren. Dieses Vorhaben musste Kirch jedoch aufgeben, nachdem Kirch Media Anfang des Jahres in Zahlungsschwierigkeiten geraten war. Die Börsen honorierten damals die Absage mit einem Kurssprung - das Papier erholte sich seit Februar von unter fünf Euro auf bis zu 12 Euro. Im April musste Kirch Media, in der Leo Kirch sein Film- und Sportrechtegeschäft gebündelt hat, schließlich Insolvenz anmelden.

Der Zusammenschluss könnte bald wieder zum Thema werden, fürchtet die WestLB: "Eine Fusion könnte auf die Agenda zurückkehren - und wieder zu ungünstigen Bedingungen." Unterdessen hat Kirch Media seine Aufsichtsratsmitglieder bei Pro Sieben ausgetauscht. Kirch-Vize Dieter Hahn, der frühere Kirch-Geschäftsführer Jan Mojto, Kirch-Sohn Thomas sowie Klaus Piette verlassen das Gremium. Stattdessen rücken die Kirch-Geschäftsführer Wolfgang van Betteray, Fred Kogel und Norbert Deigner sowie Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann als Vertreter der Gläubigerbanken nach.

Der Wechsel stößt bei WestLB-Analyst Simon Wallis auf wenig Zustimmung: "Alte Leo-Kirch-Gefährten werden ersetzt durch neue Leute, die genau die gleiche Erblast mit sich herum tragen." Merrill Lynch reagierte prompt und stufte die Aktien gestern von "neutral" auf "verkaufen" herunter. Das hat auch wirtschaftliche Gründe: Der Fernsehkonzern mit den vier Sendern Pro Sieben, Sat 1 , Kabel 1 und N 24 leidet seit Monaten unter der schweren Werbekrise auf dem deutschen TV-Markt. Um nicht selbst in den Strudel der Kirch-Insolvenz gerissen zu werden, hatte Pro-Sieben-Chef Urs Rohner immer die Unabhängigkeit der Sendergruppe betont. Die Umwandlung in Stammaktien bleibe auf der Agenda, unterstrich gestern ein Unternehmens-Sprecher.

Unterdessen gehen in der Kirch-Gruppe die Aufräumarbeiten weiter. Die insolvente Kirch Pay GmbH hat jetzt ihre Beteiligung am Schweizer Bezahlfernsehen Teleclub verkauft. Darüber hinaus wurde bekannt, dass Leo Kirch und Dieter Hahn doch keine Beraterverträge für Kirch Media bekommen. Die Verträge sind offenbar daran gescheitert, dass Kirch und Hahn sich nicht auf ein Verbot einlassen wollten, gleichzeitig für andere Medien zu arbeiten.

Quelle: Handelsblatt

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