Umwelt-Aktien
Grüne Aktien: Die heimliche „New New Economy“

Es gibt die Grünen in den USA, doch sind sie nur eine Splitterpartei. Mülltrennung findet in manchen noblen Vororten statt, bei 95 % der Bevölkerung zwischen New York und Los Angeles wandern leere Marmeladengläser, Altpapier, Batterien und Bananenschalen allerdings in einen Abfallsack.

Umweltschutz im Allgemeinen ist seit Amtsantritt von Präsident George W. Bush auch politisch out, der Texaner will lieber die Wirtschaft fördern - über seine Verdienste kann man sich ja streiten.

Doch ist Bush vor allem ein Punkt völlig entgangen: Umweltschutz wird angesichts einer wirklich global angespannten Situation einen guten Teil der Wirtschaft ausmachen. Experten sprechen sogar von der "New New Economy", wenn sie Unternehmen analysieren, die sich der Energiegewinnung aus Wind- und Sonnenkraft oder der Reinigung von Wasser verschrieben haben.

Und sie erwarten von der "New New Economy" vor allem über lange Sicht mehr als von den Internet-Aktien, die der Börse einen kurzen aber endlichen Boom beschert hatten.

Der Umwelt-Aktivist und Bestseller-Autor Joel Makower kennt zahlreiche Gründe, die für ein Investment in den ultimativen Neuen Markt sprechen: Unternehmen bieten keine dubiosen Dienstleistungen, deren Nachfrage sich erst noch ergeben soll, sondern einen Service, von dem das Wohlbefinden - und dramatisch gesprochen: das Überleben - der Menschheit abhängt.

Außerdem bedienen Unternehmen in Umwelttechnologie einen wirklich globalen Markt, während zahlreiche Internet-Unternehmen überwiegend auf den US-Markt und andere industriell hoch entwickelte Staaten konzentriert waren.

Und aus Anlegersicht nennt Makower einen Aspekt, der den Internet-geschädigten Investor versöhnen dürfte: In Sachen Umwelttechnologie arbeiten neben innovativen Start-Ups auch einige der größten Konzerne der Branche, nicht zuletzt der Industrie-Multi General Electric.

Konservative Anleger am "Grünen Markt" fühlen sich bei deren Aktien wohler, deren Dividende allerdings nicht allein aus der Umweltsparte generiert wird, sondern aus dem ganzen Konglomerat, zu dem immerhin auch Flugzeugturbinen und Chemikalien gehören.

Rein umweltverträglich wird hingegen im New Alternatives Fund investiert, der sich schon seit 1982 anschickt "Amerikas grünster Fond" zu werden. Anlagen fließen ausschließlich in Unternehmen, die sich um Umwelttechnologie im Allgemeinen, um die Nutzung regenerierbarer Energie, Speichersysteme, Brennstoffzellen, um Recycling oder den Anbau von organischen Lebensmitteln kümmern.

Mit einem Minus von 12,4 % verzeichnete der Fond in 2001 zwar sein schwächstes Jahr (performte aber immer noch besser als die Nasdaq), was unter anderem eine Folge zweier Entscheidungen von Präsident Bush war: Der hatte die Emmissions-Grenzwerte für die Industrie heraufgesetzt und den Rücktritt aus dem Kyoto-Abkommen erklärt, was Interesse und Nachfrage nach Umwelt-Produkten zunächst abträglich war. Im Jahr zuvor hatten Anleger aber 51 % Gewinn gemacht und damit von einem der stärksten Fonds auf dem US-Markt profitiert.

Anleger, die Lust auf ein individuell gestaltetes Portfolio haben, müssen sich über die Vielseitigkeit des Marktes klar sein: Unter dem Überbegriff Umwelttechnologie wirken Firmen in höchst unterschiedlichen Sparten mit ebenso unterschiedlichen Wachstumsprognosen.

Die größten Nachfrage-, Umsatz- und ergo Gewinnsprünge trauen Experten den Unternehmen im Bereich Solar-Technologie zu. Um bis zu 20 % soll der Markt allein in den USA jährlich wachsen - und das 20 Jahre lang. Zu den interessanten Unternehmen gehört hier AstroPower, dessen Papiere an der Nasdaq gehandelt werden.

Der Solarriese arbeitet an der Integration von Silizium mit einem höheren Reinheitsgrad und notiert nach einem Kurseinbruch auf einem 18-Monats-Tief, bei den meisten Wall Street Analysten steht die Aktie auf "Kaufen".

Verzehnfachen soll sich die Nachfrage nach Windenergie bis 2010. Davon gehen die Analysten der Dresdner Kleinwort Wasserstein aus, die in den USA den zweitgrößten Markt nach Deutschland sehen. Die führenden Unternehmen des Sektors, darunter Pacific Hydro und Vestas Wind, notieren allerdings nicht an US-Börsen - sie müssen in Europa gekauft werden.

Zu den besten Performern der vergangenen Monate gehören die Unternehmen der Recyclingbranche und die Wasserreiniger. Aktien von American Water Works und Ameron International allerdings notieren an der New York Stock Exchange zur Zeit auf Allzeit-Hochs, Analysten wollen keine Kauf-Empfehlungen aussprechen.

Dabei gibt es in amerikanischen Brokerhäusern auch kaum Analysten, die sich mit dem Wachstumssektor beschäftigen. Ähnlich ist das beim Recycler Caraustar, der an der Nasdaq handelt. Seit Jahresbeginn hat die Aktie um mehr als 100 % zugelegt.

Potential haben "Grüne Aktien" also, und US-Anleger interessieren sich zunehmend für den Sektor - auch bedingt durch das wachsende Misstrauen in die Unternehmen der bisherigen "New Economy", deren goldene Zeiten bekanntlich vorbei sind. Die Aussichten für Öko-Papiere sind heute besser. Der richtige Einstiegszeitpunkt könnte spätestens in 2 Jahren kommen, dann wird in den USA wieder gewählt.

Solange vertrauen Investoren auf andere Indikatoren, zum Beispiel die Farbenlehre: Grün war schließlich schon immer die Farbe des Erfolges. Der Dollar ist grün und heißt sogar "Greenback", und was wollen Anleger an Wall Street und Nasdaq sehen: Grüne Pfeile, denn die zeigen nach oben.

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