Umweltgipfel
Mit einem Energiemix zu mehr Klimavorsorge

Anlässlich des Umweltgipfels in Johannesburg sind Forderungen nach einer radikalen Energiewende als Conditio sine qua non für das Überleben der Menschheit in einer gedeihlichen Umwelt erhoben worden. Selbst Organisationen wie die Weltbank oder die Internationale Energieagentur haben grundlegende energie- und umweltpolitische Reformen angemahnt, um eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung zu ermöglichen.

Zwei bis vier Prozent des Weltsozialprodukts müssen bereitgestellt werden, damit der Energiekonsum weltweit einigermaßen umweltverträglich befriedigt werden kann. In den letzten Jahren hat sich das Wachstum des weltweiten Primärenergieverbrauchs deutlich abgeflacht.

Dennoch kann von keiner Trendwende die Rede sein. Inwieweit die alte Faustformel - drei Prozent Zunahme des Weltsozialprodukts geht mit einem zweiprozentigen Anstieg des Energieverbrauchs einher - sich überlebt hat, lässt sich derzeit nicht verlässlich beantworten. Unstrittig ist dagegen, dass die fossilen Brennstoffe, bei deren Nutzung Treibhausgasemissionen anfallen, weiterhin das Rückgrat der Weltenergieversorgung bilden, und zwar mit Anteilswerten von knapp 80 bis 90 Prozent.

Der höhere Wert ergibt sich, wenn lediglich der kommerziell erfasste Weltenergieverbrauch zu Grunde gelegt wird. In den meisten Entwicklungsländern wird jedoch Biomasse wie Holz und Dung eingesetzt; diese Primärenergien werden unmittelbar genutzt und in der Regel weder kommerziell noch statistisch erfasst.

Ressourcenvergeudung mit Biomasse

Mit der Nutzung von Biomasse in der Dritten und Vierten Welt werden gewaltige ökologische Ressourcen vergeudet. Der Wirkungsgrad liegt außerordentlich niedrig. Aber auch die Effizienz beim Einsatz der fossilen Brennstoffe weicht global stark voneinander ab. Weltweit existiert in der Energiewirtschaft ein enormes Produktivitätsgefälle.

Würden die Abstände in den Wirkungsgraden vermindert und die Spielräume weiterer Innovationen nachhaltig wahrgenommen, so könnten relativ hohe Steigerungsraten beim Sozialprodukt mit wesentlich schwächerem Energiekonsum realisiert werden. Dass das Wirtschaftswachstum hoch bleiben muss, lässt sich kaum in Frage stellen:

Die Weltbevölkerung nimmt weiter zu, und die Einkommensunterschiede müssen zumindest begrenzt werden. Die Industrieländer werden für die ärmeren Regionen wiederum kaum massiven Verzicht leisten wollen und in ihrem Anspruch auf das Sozialprodukt zurückstecken.

Energiebedarf wird deutlich steigen

Deshalb wird der Weltenergieverbrauch nicht abnehmen, sondern künftig nach oben klettern. Bis zum Jahr 2020 rechnet das US-Department of Energy mit einem Anstieg der globalen Energienachfrage um 60 Prozent. Es wäre schon ein Erfolg, wenn sich dieses Wachstum dritteln bis halbieren ließe. Denn dann könnten auch die CO2-Emissionen auf Zuwächse von zehn Prozent und etwas mehr begrenzt werden. Dies würde aber voraussetzen, dass die CO2-freien Energiequellen aus Wasser, Wind und Sonne sowie auf Basis nuklearer Einsatzstoffe gleichzeitig überdurchschnittlich wachsen könnten.

In jedem Fall ist eine breit angelegte Innovationsoffensive in der Energiewirtschaft notwendig, damit dem Grundsatz der Nachhaltigkeit besser Rechnung getragen werden kann. Nicht Umbrüche, sondern Effizienzsteigerungen im installierten Energie-Kapitalstock sind das Gebot der Stunde. Die Energiewirtschaft verträgt keine Sprünge; es sei denn, getätigte Milliardeninvestitionen würden abrupt entwertet.

Bei der letzten Weltenergiekonferenz in Buenos Aires stimmte die Mehrzahl der Experten darin überein, dass bis zum Jahr 2020 die Energieversorgungsstrukturen weitgehend festgeschrieben sind. Das Öl bleibt mit einem Anteil von knapp 40 Prozent am kommerziell erfassten Primärenergieverbrauch die wichtigste Versorgungsquelle. Das Erdgas klettert von gut 20 auf 25 Prozent und verdrängt die Kohle mit knapp 25 Prozent von Rang zwei.

Weniger Kohlendioxid durch bessere Wirkungsgrade

Mit diesen fossilen Energieträgern werden aber auch klimarelevante Gase wie Kohlendioxid (CO2) oder Methan ausgestoßen. Wenn die Wirkungsgrade und die Ausscheidetechniken verbessert werden, lassen sich die Emissionen zumindest relativ zurückdrängen, und zwar trotz eines absolut steigenden Energieverbrauchs. In Deutschland, dem fünftgrößten Energienachfrager der Welt, liegt der spezifische Energieverbrauch nur halb so hoch wie im weltweiten Durchschnitt.

Pro verbrauchte Energieeinheit wird hier zu Lande doppelt so viel Sozialprodukt erzeugt wie im globalen Maßstab. Die Wirkungsgrade der deutschen Steinkohlekraftwerke erreichen beinahe 40 Prozent; sie können auf bis zu 55 Prozent gesteigert werden. Im weltweiten Durchschnitt machen die Wirkungsgrade heute gerade einmal 30 Prozent aus. Wenn deutsche Energie- und Kraftwerkstechniken global realisiert würden, ließen sich CO2-Emissionen in der Größenordnung der von den Entwicklungsländern verursachten Ausstoßmengen vermeiden. Und wenn Kraftwerksinnovationen bei der Nutzung von Stein- und Braunkohle zum Zuge kommen sollten, sind in den nächsten zehn bis 20 Jahren trotz eines kräftig steigenden Stromverbrauchs sogar globale Stagnationen bei den CO2-Emissionen in Sicht.

National wie weltweit muss der Energiemix diversifiziert werden, um die Risiken zu minimieren. Beim Umweltgipfel in Johannesburg sind bezahlbare Visionen zu konzipieren. Fromme Wünsche in der Energie- und Umweltpolitik sind kein Ersatz für standortverträgliche Lösungen, die auch rentable Arbeitsplätze ermöglichen.

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