Umweltkatastrophe riesigen Ausmaßes
Neuer Ölteppich bedroht Spanien

Aus dem vor Spanien gesunkenen Tanker "Prestige" ist am Mittwoch ein zweiter riesiger Ölteppich gequollen. Der Nordwest-Küste in der Provinz Galicien droht eine Umweltkatastrophe riesigen Ausmaßes.

Reuters LA CORUNA. Aufklärungsflugzeuge erkundeten die Stelle, an der die "Prestige" am Dienstag mit schätzungsweise 60 000 Tonnen Schweröl gesunken war. Große Mengen Öls seien an die Wasseroberfläche gelangt, teilten die Behörden mit. Die jetzt in 3,6 Kilometer Tiefe liegende "Prestige" stelle eine ökologische Zeitbombe dar, sagten Umweltschützer. Die "Prestige" liegt rund 210 Kilometer vor der Küste auf Grund.

Die Behörden erwarteten mehr Einzelheiten über den neuen Ölteppich, sobald genaue Berichte von den Aufklärungsflügen vorliegen. Bereits zuvor war ein 280 Kilometer langer und 28 Kilometer breiter Ölteppich aus der "Prestige" ins Meer gequollen. Westliche Winde trieben ihn auf die Küste zu. Seit Beginn der Katastrophe vor einer Woche wurde ein rund 80 Kilometer langer Streifen der Küste Galiciens mit Ölschmiere überzogen. Hunderte Marinesoldaten und Freiwillige rüsteten sich zum Kampf gegen die Umweltkatastrophe.

Experten befürchteten, dass die Kammern des Tankers beim Aufprall auf den Meeresboden oder durch den hohen Wasserdruck bersten und noch Tausende von Tonnen Öl freigeben könnten. Sollten die Kammern halten, könne das Öl dennoch im Laufe der Zeit freigegeben werden, wenn die Wände des Tankers durchrosteten. Andere Experten hofften, dass das Öl durch das kalte Wasser verklumpt. "Wenn der Tanker sein gesamtes Öl verliert, wenn alles aus dem Schiffsrumpf entweicht, dann wird diese Katastrophe doppelt so schlimme Folgen haben wie die der 'Exxon Valdez' vor Alaska 1989, und das war eine der schlimmsten bisher", sagte Christopher Hails von der Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF).

Die Umweltverschmutzung durch den havarierten Tanker wird bereits jetzt von Experten mit dem "Exxon-Valdez"-Unfall und der "Amoco Cadiz" vor der französischen Küste 1978 verglichen. Insgesamt hatte die "Prestige" 77.000 Tonnen Schweröl geladen - doppelt so viel wie bei der "Exxon Valdez" austrat.

"Sie versuchen, (den Strand) zu säubern, aber das Meer schwemmt immer mehr davon an", sagte der 72-jährige Jose Camano, ein ehemaliger Fischer, während er entmutigt auf den schwarzen Schlick am Strand starrte. "Es wird zehn Jahre dauern, bis sich die Küste davon erholt." Mit Schaufeln und Ölabsaug-Geräten sollte versucht werden, das angeschwemmte Schweröl zu entfernen.

Ölverschmierte Seevögel wurden zur Reinigung in eine Rettungsstelle in der Hauptstadt der Region Galicien, La Coruna, gebracht. Der Atlantik vor den Küsten Spaniens und Portugals ist ein wichtiges Überwinterungsgebiet für zahlreiche europäische Meeresvögel wie Baßtölpel, Papageientaucher, Tordalke sowie verschiedene Seetaucherarten. Spanien hat Teile des Meeres vor der galicischen Küste als ökologisch wertvolles Gebiet im Rahmen der europaweiten Schutzprogramms Natura 2000 an die Europäische Union gemeldet.

Aus ganz Europa rückten Schlepper, Reinigungsschiffe und Flugzeuge an, um das Öl aufzuhalten, das sich an der Stelle der gesunkenen "Prestige", rund 210 Kilometer von der Küste entfernt, ausbreitete. Fünf Meter hohe Wellen machten jedoch jeden Versuch zunichte. Starker Wind trieb das Öl auf die spanischen und portugiesischen Küsten zu. Damit ist einer der reichsten Fischgründe Europas bedroht.

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