Umweltminister Miliband
Stolpert Gordon Brown noch über Blairs Zögling?

Er ist die mysteriöseste Figur der britischen Politik: Über nichts zermartert sich die politische Klasse derzeit so den Kopf wie um die Frage, was David Miliband als nächstes tut. Denn der Umweltminister könnte dem Schatzkanzler die Führung der Labourpartei streitig machen.

LONDON. Ist der Hauch von Schwarz auf seiner Oberlippe ein kleines Schnurrbärtchen oder jugendlicher Flaum - oder ist der Herr einfach nur unrasiert? Rätselhaft wie sein Gesichtshaar sind auch die politischen Pläne des britischen Umweltministers. Eigentlich gilt der umgängliche, jugendfrische 41-jährige Sohn eines Philosophen, Ehemann einer Geigerin und Blair-Mitarbeiter seit er die Universität verließ als ein offenes Buch. Doch nun ist er die mysteriöseste Figur der britischen Politik. Über nichts zermartert sich die politische Klasse derzeit so den Kopf wie um die Frage, was David Miliband als nächstes tut.

Wird er es wagen, Gordon Brown die Krone der Labourpartei und damit das Amt des Premiers streitig zu machen? Der Mann selbst sagt kaum einen Ton dazu. "Wir haben in Gordon Brown einen Premierminister im Wartestand, der extrem gut qualifiziert ist für den Job." Da bleibt gerade genug offen, um die Spekulationen von Tag zu Tag heißer zu machen.

Am Donnerstag druckte der "Daily Telegraph" einen Artikel Milibands. Die Überschrift, flott übersetzt: "Ich bin ein Vertreter der ?Ich Kann?-Generation". In der Politik gehe es um Zukunft, nicht um "Dankbarkeit für die Vergangenheit". Die Zukunft gehöre denen, die im "Einklang mit ihrer Zeit" leben. War das schon die Kampfansage an den Schatzkanzler? Irgendwie klang es optimistischer als die Zahlenkolonnen und Steuertricks, mit denen Brown die Briten seit Jahren beeindruckt.

War EU-Kommissar Peter Mandelson also am letzten Sonntag nicht ganz umsonst nach London gekommen und hatte Fernsehzuschauern vom BBC-Sofa aus erklärt, dass eine "Krönung" ohne Debatte und Gegenkandidaten Gordon Brown zu einer "Figur der Vergangenheit" machen würde. Er selbst wolle dazu nichts sagen, so Mandelson spitzbübisch, schließlich sei die zukünftige Labourführung die Sache "einer neuen Generation".

Am nächsten Tag meldeten die Zeitungen, Tony Blair sei der festen Überzeugung, dass Miliband eine Kampfabstimmung gegen Brown gewinnen könne - "wenn er es nur stark genug wolle". Das kam natürlich von Mandelson, glaubten viele. Browns Leute waren wütend und sprachen von einem "gescheiterten Putsch".

Seite 1:

Stolpert Gordon Brown noch über Blairs Zögling?

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%