Umweltminister will Presserat anrufen
Jürgen Trittin reicht "Bild"-Entschuldigung nicht aus

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) will wegen eines falschen Textes in der "Bild"-Zeitung den Presserat anrufen. Der Chefredakteur der Zeitung wies Vorwürfe, es handele sich nicht um einen Fehler, sondern um Manipulation, zurück.

dpa/rtr BERLIN/HAMBURG. Trittins Sprecher Michael Schoreren sagte am Mittwoch in Berlin zur Begründung: "Es wurde mit Vorsatz gehandelt." Trittin warf der Redaktion am Mittwoch in Berlin Manipulation vor. Er habe zwar zur Kenntnis genommen, dass sich "Bild" zwischenzeitlich für den von der Zeitung so bezeichneten "Fehler" entschuldigt habe. Er wolle aber wissen, wer in der Redaktion dafür verantwortlich sei.
"Bild" hatte am Montag ein Foto von Trittin bei einer Demonstration 1994 in Göttingen veröffentlicht und mit zwei Hinweisbalken auf "Schlagstock" und "Bolzenschneider" in den Händen von schwarz vermummten Demonstranten hingewiesen. Der Artikel dazu trug die Überschrift "Was machte Minister Trittin auf dieser Gewalt- Demo?".

"Bild" will Trittin weiter angreifen

Am Mittwoch entschuldigte sich die Zeitung für den falschen Bildtext und stellte klar, dass es sich bei den Gegenständen tatsächlich um "ein Seil sowie einen Handschuh" handelte. Dies habe die Auswertung weiterer Fotos und Videobänder ergeben.

Chefredakteur Kai Diekmann wies den Vorwurf der Manipulation zurück. "Dieses Foto ist von uns nicht manipuliert worden, lediglich die Bildunterschrift ist falsch", sagte Diekmann. Allerdings, so sagte "Bild"-Chef Diekmann, bleibe die politische Frage, was Trittin auf der "Gewaltdemo" im Jahr 1994 gemacht habe. Dazu hätte die "Bild"-Zeitung gern noch eine Antwort.

"Trittin sagte " Spiegel Online ", er wolle eine Erklärung, "wer und mit welcher Absicht entschieden hat, das Bild mit dieser falschen Beschriftung zu drucken". Es handele sich offensichtlich "um einen willentlich produzierten Fehler", sagte Trittin nach Angaben von "Spiegel Online" weiter.Weil das Foto von 1994, das ihn auf einer Demonstration vor Vermummten zeigt, "bewusst stark beschnitten" worden sei, müsse sich der Deutsche Presserat als Selbstverwaltungsorgan der Medien mit dem Vorfall beschäftigen.

In der Ziffer 2 des Kodex des deutschen Presserates heißt es: "Zur Veröffentlichung bestimmte Nachrichten und Informationen in Wort und Bild sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden."

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