Umweltministerium lehnt Antrag auf Stilllegung ab
Castor-Transport kann nach Gorleben rollen

Kurz vor dem Castor-Transport nach Gorleben hat das niedersächsische Umweltministerium einen Antrag von Greenpeace auf Stilllegung des Zwischenlagers abgelehnt.

ap HANNOVER/LUDWIGSHAFEN. Nach Auffassung der Sicherheitsbehörden gebe es in Deutschland keinerlei Anhaltspunkte für Angriffe auf kerntechnische Einrichtungen, begründete das Ministerium am Freitag in Hannover seine Entscheidung.

Greenpeace hatte nach den Terroranschlägen in den USA wegen der nach Meinung der Umweltschutzorganisation unzureichenden Absicherung des Zwischenlagers gegen Flugzeugabstürze die Stilllegung verlangt. Unterdessen ist auch eine Eisenbahnbrücke bei Dannenberg für Castor-Transporte wieder befahrbar.

Transporte von Atommüllbehältern seien weiter ausreichend sicher, weil man keine Gefahr terroristischer Anschläge sehe, sagte am Freitag die Sprecherin des Umweltministeriums in Hannover, Jutta Kremer-Heye. Ob die Behälter solchen Angriffen standhielten, sei dabei nicht zu entscheiden gewesen. Man schließe sich der Auffassung der Polizeibehörden des Bundes und der Länder und des Bundesamtes für Strahlenschutz an, wonach keinerlei Gefährdungstatbestände in Hinblick auf kerntechnische Lagereinrichtungen in Deutschland vorlägen.

Nach Angaben der Deutschen Bahn AG ist eine bei einem Brandanschlag beschädigte Eisenbahnbrücke auf der Castor-Route repariert und wieder uneingeschränkt passierbar. Der Personenverkehr über die Brücke bei Dannenberg werde allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen, sagte ein Bahn-Sprecher in Hannover.

Die sechs Castor-Behälter mit Abfällen aus der französischen Wiederaufarbeitung sollen nach Angaben der Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg am frühen Montagmorgen La Hague in Richtung Deutschland verlassen. Zum Auftakt der Proteste erwarten die Atom-Gegner am Samstag (10.) bei einer Kundgebung in Lüneburg 10 000 Teilnehmer.

Auch in anderen Regionen entlang der Castor-Strecke rüsten sich Atomkraftgegner und Polizei für den bevorstehenden Transport. Das Bündnis südwestdeutscher Anti-Atominitiativen kündigte in Neckarwestheim Protestaktionen für das gesamte Wochenende an und rief für Samstag zu einer Demonstration in Karlsruhe auf. Die Sprecherin der Anti-Atominitiativen, Heidi Lindstedt, avisierte zusätzlich Mahnwachen sowie "witzige Aktionen", mit denen die Tauglichkeit der Bahnstrecke für den Atomtransport getestet werden solle.

Wegtragegebühr von bis zu 3000 Mark

Die Polizei warnte unterdessen die Atomkraftgegner vor Gleisblockaden. Der Sprecher des Polizeipräsidiums Ludwigshafen wies zudem auf die neue Rechtslage in Rheinland-Pfalz hin. Dort gelte wie in Baden-Württemberg seit dem 1. November bei Polizeieinsätzen eine Wegtragegebühr, die sich auf bis zu 3000 Mark summieren könne. Die Polizei sei mit starken Kräften vor Ort und werde im Falle von Behinderungen alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen.

Die PDS erklärte am Freitag ihre Unterstützung für die Proteste gegen den Atomzug. Angesichts der weltpolitischen Lage sei ein solcher Transport unverantwortlich, sagte die umweltpolitische Sprecherin der PDS im Bundestag, Eva Bulling-Schröter. Unterdessen haben Unbekannte in der Nacht zum Freitag einen Farbanschlag auf die Infobörse der Polizei in Dannenberg verübt. Nach Angaben der Polizei wurden insgesamt fünf Fenster und zwei große Glastüren der Info-Börse sowie drei Fenster eines angrenzenden Geschäftes mit Ölfarbe beschmiert. Die Ermittlungen dauern an.

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