"Umweltschutz ist wirtschaftlich"
Deutschlands erste "grüne Bank" geht an die Börse

Die Verantwortlichen der Nürnberger Umweltbank sind sich sicher: Umweltschutz ist ein rentables Geschäft. Seit 1997 mischt das Unternehmen im Kreditgeschäft für ökologische Projekte mit. Am kommenden Montag (25. Juni) geht die Umweltbank als erste "grüne Bank" in Deutschland an die Börse.

dpa NÜRNBERG/FRANKFURT. Mit insgesamt rund 4,8 Millionen Aktien will das Unternehmen in den Freihandel einsteigen. 3,9 Millionen davon wurden bereits in den vergangenen Jahren vorbörslich gehandelt. Die Wertpapiere erreichten dabei Kurse von bis zu 12 Euro.

Informationspolitik in der Kritik



"Wir glauben, dass im freien Handel in Zukunft Kurse von neun bis zwölf Euro und mehr möglich sind", sagt die Umweltbank-Sprecherin Gisela Böhm. Die Aktie eigne sich somit als langfristige Geldanlage.

Nach Ansicht der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) in Frankfurt ist eine Prognose für die Entwicklung der Aktie jedoch schwierig. "Die Informationspolitik der Umweltbank vor dem Börsengang lässt zu wünschen übrig", kritisiert Sprecherin Reinhild Keitel. So habe die Bank ihren Emissions-Prospekt mit den Informationen zum Börseneinstieg zu spät veröffentlicht.

Dem hält Gisela Böhm entgegen: "Wir haben unser Verkaufsprospekt rechtzeitig bei der Börse eingereicht. Außerdem können sich alle Kunden und Interessenten über unseren Newsletter über den Börsengang informieren."

Umweltbank vor allem im Bereich Immobilien aktiv



Die SdK rät Interessenten, sich die bisherige Markt- und Geschäftsentwicklung des Unternehmens anzuschauen. Diese lasse auf die Zukunft der Aktie schließen, sagte Keitel. Die Zahlen dürften bei den Anlegern für Optimismus sorgen: Im abgelaufenen Jahr konnte die Umweltbank ihren Bruttogewinn vor Steuern um 35 % auf rund 357,2 Mill. DM steigern, die Bilanzsumme wuchs um rund 26 % auf 415,6 Mill. DM.

Derzeit betreut die Bank rund 24 000 Kunden. Die Zukunftsaussichten für ökologische Projekte seien gut, sagt Böhm. "Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass sich der Markt dynamisch entwickelt."

Der Bau von ökologisch ausgerichteten Immobilien zum Beispiel lasse sich genauso wirtschaftlich durchführen wie herkömmliche Projekte. "Wenn die Bauplanungen gut sind, kann ein Niedrig-Energie- Haus sogar billiger sein als ein konventionelles." Der Bereich Immobilien mache bei der Umweltbank den Löwenanteil des Kreditvolumens aus. Auch die Gewinnung von Wind-, Wasser- und Sonnenenergie sowie die ökologische Landwirtschaft gehören zu den von der Bank finanzierten Projekten.

Öko-Bank geriet ins Trudeln



Damit sei der Markt aber nicht erschöpft. In Zukunft wolle das Unternehmen in neue Bereiche vorstoßen. "Wir planen die Ausweitung des Geschäfts auf Energiegewinnung aus Bio-Masse und Bio-Gas sowie auf die ökologische Altbausanierung", sagt Böhm.

Dass das Geschäft mit den Öko-Krediten aber keinesfalls ein wirtschaftliches "Schlaraffenland" ist, zeigt das Beispiel Ökobank. Das genossenschaftliche Frankfurter Kreditinstitut geriet ins Trudeln, nachdem in den vergangenen Jahren drei große Kredite mit einem Volumen von rund zwölf Mill. DM geplatzt waren.

Jetzt solle das Bankgeschäft von einem "Interessenten aus dem ethisch-ökologischen Bereich weiter geführt werden", heißt es bei der Ökobank. Ob als "Interessent" auch die Umweltbank in Frage kommt, ist unklar. Beide Kreditinstitute halten sich bedeckt.

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