UN-Bedingung für Wiederaufbauhilfe
Weitere Truppenentsendungen in Irak möglich

Nach dem Tod von sechs britischen Militärpolizisten im Südirak schließt Premierminister Tony Blair die Entsendung weiterer Truppen nicht aus.

HB/dpa LONDON/BAGDAD. Gegenwärtig hielten die Militärs die noch verbleibende Truppenstärke von 14 000 Mann für ausreichend, sagte Blair am Mittwoch im Unterhaus. "Aber falls mehr Soldaten gebraucht werden, stellen wir sie natürlich zur Verfügung." Verteidigungsminister Geoff Hoon hatte zuvor in einem Interview erklärt, eine Aufstockung des britischen Kontingents um etwa 5000 Soldaten sei "im Bereich des Möglichen".

Blairs Chefsprecher Alastair Campbell, der als einer der mächtigsten Männer der Regierung gilt, wurde am Mittwoch von einem Untersuchungsausschuss des britischen Parlaments vernommen. Der Ausschuss befasst sich mit der Frage, ob die Regierung die Bevölkerung vor dem Irak-Krieg mit irreführenden Erklärungen und Dossiers getäuscht hat. Campbell gab im Kreuzverhör der Abgeordneten zu, dass die Veröffentlichung des zweiten Irak-Dossiers ein "Fehler" gewesen sei. Das Dossier war in Teilen aus der Arbeit eines kalifornischen Studenten abgeschrieben worden. Campbell sagte, dass er dies bedaure. Das andere Dossier sei aber sehr gut gewesen.

Blair bestätigte unterdessen indirekt Zeugenaussagen aus dem Irak, wonach die Briten am Dienstag möglicherweise wegen als aggressiv empfundener Hausdurchsuchungen von aufgebrachten Irakern getötet worden waren. Dem Zwischenfall in El Madschar El Kabir, einer Kleinstadt nahe der süd-irakischen Stadt El-Amarah, waren nach britischen Presseberichten schwere Unruhen vorausgegangen. "Es gab Probleme, und es ist möglich, dass sie Teil des Hintergrunds der Geschehnisse sind", sagte Blair.

Während Protesten vier Iraker erschossen

Ein irakischer Polizist berichtete nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA, die Briten hätten während der Proteste vier Iraker erschossen. Zunächst seien Plastikgeschosse, dann sei echte Munition abgefeuert worden. Die aufgebrachte Menge habe dann zwei Briten erschossen. Weitere vier Militärpolizisten seien in die Polizeistation "gejagt" und im Verlauf eines zweistündigen Feuergefechts getötet worden. Der arabische Fernsehsender El Dschasira meldete unter Berufung auf Augenzeugen, neben den Briten seien sieben Iraker getötet und 19 verletzt worden.

Unterdessen gab es im Irak erneut eine Explosion an einer Pipeline. Saboteure zündeten nach Informationen von El Dschasira zum vierten Mal binnen zwei Wochen einen Sprengsatz an einer Pipeline. Mit dem Sabotageakt an der Ölleitung 250 Kilometer nordwestlich von Bagdad sollten Öl-Exporte nach Israel verhindert werden.

UN knüpfen Wiederaufbauhilfe an Bedingung

Die Vereinten Nationen wollen sich nur dann für den Wiederaufbau des Irak einsetzen, wenn eine Übergangsverwaltung aus Landesvertretern in Bagdad etabliert wird. Dieses Organ sei unabdingbar für ein weiteres Engagement im Irak, sagte der UN - Sonderbotschafter für den Irak, Ramiro Lopes da Silva, am Mittwoch in New York. Er sprach auf einer Pressekonferenz nach zweitägigen Verhandlungen zwischen Geberländern, der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds sowie den UN.

US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte unterdessen zum jüngsten US-Angriff auf einen Konvoi an der irakischen Grenze zu Syrien, er habe "keinen Anlass zu glauben", dass sich in der Kolonne führende Mitglieder des früheren irakischen Regimes befunden hätten. In Presseberichten über die Attacke am Mittwoch vergangener Woche hatte es geheißen, die USA hätten im Konvoi hochrangige Gefolgsleute des gestürzten Machthabers Saddam Hussein oder gar Saddam persönlich vermutet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%