Archiv
UN: Frauen droht verheerende AidskatastropheDPA-Datum: 2004-07-14 12:20:12

Bangkok (dpa) - Frauen droht eine verheerende Aidskatastrophe mit unabsehbaren Folgen für die ganze Gesellschaft. Ihr Anteil an den weltweit infizierten Menschen ist von 35 Prozent im Jahr 1985 auf 48 Prozent Ende 2003 gestiegen, warnten die Vereinten Nationen am Mittwoch in Bangkok.

Bangkok (dpa) - Frauen droht eine verheerende Aidskatastrophe mit unabsehbaren Folgen für die ganze Gesellschaft. Ihr Anteil an den weltweit infizierten Menschen ist von 35 Prozent im Jahr 1985 auf 48 Prozent Ende 2003 gestiegen, warnten die Vereinten Nationen am Mittwoch in Bangkok.

«Die Immunschwäche wird zunehmend feminisiert», sagte Thoraya Obaid, Chefin des UN-Bevölkerungsfonds (United Nations Population Fund). Ein Ende dieses Trends sei nicht abzusehen.

In der Gruppe der 15 bis 24 Jahre alten Infizierten machten Frauen 60 Prozent aus. Besonders schlimm sei die Situation im Süden Afrikas: Dort leben 77 Prozent aller HIV-positiven Frauen. Die einzige wirkliche Hilfe liege in der schnellen und nachhaltigen Stärkung der Rechte der Frauen, sagte Obaid bei der Weltaidskonferenz in der thailändischen Hauptstadt. «Bildung ist ein Muss für Mädchen», ergänzte sie und bekräftigte damit eine zentrale Forderung von UN - Generalsekretär Kofi Annan.

Die vielfach propagierten drei Konzepte Enthaltsamkeit, Treue und Kondome («ABC»: abstinece, being faithful, condoms) allein reichten jedenfalls nicht aus, ergänzte Obaid. «Enthaltsamkeit ist keine Option, wenn die Frau vom Mann abhängig ist. Treue nutzt nichts, wenn sich der Mann nicht auch daran hält. Und Kondome blieben wirkungslos, wenn die Frauen ihren Gebrauch nicht erzwingen können.» Überall auf der Welt hätten junge Frauen zudem vielfach Sex mit älteren Männern, die mehr Erfahrung und damit ein wesentlich höheres Infektionsrisiko tragen, ergänzte Thoraya Obaid.

Frauen werden bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr etwa doppelt so leicht infiziert wie Männer. Sie sind besonders in Afrika und Asien vielfach wirtschaftlich von ihren Ehemännern abhängig und können sich gegen sie daher oft nicht wehren. Je länger mit der Hilfe gewartet werde, um so höher werde der Preis, den Mädchen und Frauen dafür zahlen müssen, warnen die UN. Unterdessen drohe bereits eine neue Epidemie in Asien, wo zurzeit bereits 7,4 der weltweit insgesamt etwa 38 Millionen Aidsinfizierten leben. Dort sei die Lage der Frauen vielfach nicht besser als in Afrika.

Die Zahlen des in Bangkok vorgestellten Berichtes «Confronting the Crisis» weisen für Westeuropa einen vollständig anderen Trend aus: Hier sind 150 000 Frauen und 450 000 Männer mit HIV infiziert. Dort wird das Virus meist nicht beim Sex, sondern in Risikogruppen wie Schwulen und Drogenabhängigen weitergegeben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%