UN-Generalsekretär ergreift Partei
Annan fordert Ende "illegaler Besetzung"

Wenige Tage vor der Ankunft des US- Vermittlers Anthony Zinni im Nahen Osten hat UN-Generalsekretär Kofi Annan am Dienstag ein Ende der "illegalen Besetzung" der palästinensischen Gebiete durch Israel gefordert.

dpa NEW YORK/RAMALLAH/GAZA. Die Konfliktgegner rief Annan in einem eindringlichen Appell zur Beendigung der Gewalt auf. "Das Ausmaß des Gemetzels ist Schrecken erregend", sagte Annan in einer öffentlichen Debatte des Weltsicherheitsrates.

Zugleich beklagte er die "oft völlige Missachtung des Lebens von Zivilisten" auf beiden Seiten. Er rief sie zur Kooperation mit Zinni auf und betonte seine Unterstützung für die Friedensinitiative des saudischen Kronprinzen Abdullah. Annan verurteilte den Einsatz schwerer Waffen durch Israel in Gebieten, die von Zivilisten bewohnt werden.

Die israelische Armee besetzte bei ihrer größten Operation seit dem Libanonfeldzug von 1982 am Dienstag große Teile der palästinensischen Verwaltungsstadt Ramallah im Westjordanland. Bei der seit Tagen andauernden Großoffensive in den Palästinensergebieten wurden innerhalb von 24 Stunden mindestens 31 Palästinenser getötet. Die meisten Toten gab es im Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen, wo Soldaten in der Nacht 18 Bewohner erschossen, die der Armee Widerstand leisteten. An der Offensive sind nach Angaben der israelischen Nachrichtenagentur ITIM etwa 20 000 israelische Soldaten beteiligt.

Bei einem Angriff mutmaßlicher palästinensischer Extremisten auf einen israelischen Bus sowie einen Autofahrer nahe der libanesischen Grenze kamen mindestens sechs Israelis und zwei Angreifer ums Leben. Zu dem Anschlag bekannten sich die palästinensischen "Al-Aksa- Brigaden", der bewaffnete Arm der Fatah-Organisation von Jassir Arafat. Bei einem anderen Anschlag von Unbekannten an einer Straßensperre nahe Jerusalem wurde ein Israeli getötet.

Ungeachtet der Eskalation der Gewalt sagte der israelische Außenminister Schimon Peres, er hoffe, dass bis zum Wochenende eine Waffenruhe zwischen beiden Seiten ausgehandelt werden könne. Israel wolle eine Waffenruhe "mit einem politischen Horizont" sagte Peres seinem spanischen Kollegen Josep Piqué.

US-Vizepräsident Richard Cheney sagte, sein Land werde alles tun, um ein Ende der Gewalt zu erreichen. Nach seiner Ankunft in Amman lobte Cheney die Rolle Jordaniens als "eine Kraft für Frieden und gegen Gewalt in der Region".

Bei der Besetzung Ramallahs wurden in den Morgenstunden mindestens fünf Palästinenser getötet. Nach Angaben des palästinensischen Menschenrechtlers Mustafa Barguti drang die Armee kurz vor Mitternacht mit starken Panzerverbänden aus fünf Richtungen in die Stadt ein, die sie seither fast vollständig besetzt hält. Soldaten durchsuchten Häuser nach Waffen und mutmaßlichen Terroristen.

Im Flüchtlingslager al Amaris in Ramallah forderten Soldaten alle Männer zwischen 16 und 45 Jahren auf, ihre Waffen niederzulegen und sich auf Plätzen zu versammeln, wo sie vernommen werden sollten. Die Autonomiebehörde rief die Männer zunächst auf, Widerstand zu leisten. Nach Augenzeugenberichten wurde auch die christliche Stadt Beit Dschalla südlich von Jerusalem weitgehend besetzt. Für die meisten Ortsteile gelte eine Ausgangssperre, sagten Bewohner der dpa.

Beim Versuch der israelischen Armee, in das Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen einzurücken, waren in der Nacht zum Dienstag mindestens 18 Palästinenser getötet worden. Nach Angaben palästinensischer Ärzte wurden 75 Menschen verletzt. Die meisten Opfer seien Angehörige der palästinensischen Sicherheitsdienste. Vier Palästinenser wurden am Morgen getötet, nachdem sie Mörsergranaten auf die jüdische Siedlung Nezarim im Gazastreifen abgefeuert hatten.

Nach eigenen Angaben wollte die israelische Armee mit ihrer Dschabalia-Offensive vor allem palästinensische Extremisten festnehmen und Waffen aufspüren. Es seien mehrere von den palästinensischen Sicherheitsorganen genutzte Gebäude in Dschabalia zerstört worden. Die Panzer wurden am frühen Morgen zurückgezogen, stünden jedoch weiter vor dem Lager. Dschabalia ist mit 200 000 Bewohnern das größte Flüchtlingslager im Gazastreifen. Es soll nach israelischer Darstellung eine Hochburg von Extremisten sein.

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