UN-Inspekteure setzen Untersuchungen fort
Blair: Irak-Krieg ist nicht unvermeidbar

Ein Irak-Krieg ist dem britischen Premierminister Tony Blair zufolge nicht unvermeidbar. Blair schrieb am Montag in der "Financial Times", sein Land müsse sich jedoch auf eine Militäraktion vorbereiten, damit Iraks Präsident Saddam Hussein den Ernst der Lage erkenne.

Reuters LONDON/BAGDAD. Die Zeitung berichtete zudem, britische Experten hätten den von Irak vorgelegten Bericht über Massenvernichtungswaffen als "sehr enttäuschend" bewertet. Irakische Oppositionsgruppen einigten sich in London auf einen Entwurf zum Aufbau eines Staates nach einem Sturz Husseins.

"Manchmal ist der einzige Weg, einen Krieg zu verhindern, dass man bereit ist, Gewalt einzusetzen", schrieb Blair in seinem Beitrag für die "Financial Times". Ein militärischer Konflikt mit Irak sei nicht unvermeidlich. Sicher sei jedoch, Irak werde nicht mehr seine Nachbarn bedrohen oder der UNO trotzen können. Iraks Ölminister Amir Muhammad Rascheed hatte am Vortag erklärt, sein Land besitze keine Massenvernichtungswaffen und werde den USA keinen Vorwand für einen Krieg liefern.

Die "Financial Times" berichtete unter Berufung auf britische Regierungskreise, der vor einer Woche abgegebene irakische Bericht gehe nicht ausreichend auf britische Fragen zu atomaren, biologischen und chemischen Waffen ein. "Die Analyse ergibt, dass er sehr enttäuschend ist und dass er (Saddam) eine wichtige Chance vertan hat", verlautete der Zeitung zufolge aus den Kreisen. Ein Sprecher des britischen Außenministeriums sagte, das 12 000 Seiten lange Dokument werde noch untersucht. Zuvor waren auch aus Kreisen der USA und der UNO verlautet, der Bericht sei unzureichend. Es wurde erwartet, dass der Chef der Waffeninspekteure, Hans Blix, dem UNO-Sicherheitsrat am Donnerstag eine erste Bewertung abliefern würde.

Die mehr als 100 Inspekteure setzten am Montag ihre Inspektionen in Irak fort. Irakischen Behörden zufolge hatten sie am Sonntag mindestens vier Raketenanlagen besichtigt. Rascheed sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Inspekteure gingen professionell vor. "Wir haben nichts zu kritisieren", sagte er. Die Zusammenarbeit mit den Inspekteuren werde die USA und Großbritannien als Lügner entlarven. Die beiden Länder wüssten, dass Irak keine Massenvernichtungswaffen habe, wollten aber einen Militärschlag gegen Irak rechtfertigen.

Nach zweitägigen Gesprächen in London einigten sich irakische Oppositionelle auf eine Erklärung zu der Zukunft Iraks nach einem Sturz Saddams. In einem Textentwurf, der Reuters vorlag und am Montag offiziell vorgestellt werden sollte, hieß es, Irak solle eine föderale Demokratie mit Islam als Staatsreligion werden. Eine ausländische Verwaltung oder Besatzung des Landes komme nicht in Frage. Irak solle die Möglichkeit haben, so viel Öl zu prozieren, wie es Kapazitäten dazu habe. Die etwa 330 teilnehmenden Delegierten vertraten sechs Oppositionsgruppen. Unklar war, wie groß ihr Rückhalt in der irakischen Bevölkerung ist.

Die USA und Großbritannien haben mit einem Militärschlag gedroht, sollte Irak nicht mit den UNO-Inspektoren zusammenarbeiten. Diese sollen entsprechend den Vorgaben der Vereinten Nationen (UNO) feststellen, ob Irak über Massenvernichtungswaffen verfügt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%