UN-Sicherheitsrat verurteilt den "maßlosen Gebrauch von Gewalt" der israelischen Armee
Nahost-Friedensprozess droht zu scheitern

Der Nahost-Friedensprozess droht angesichts der Eskalation der Gewalt in den Palästinensergebieten und im Libanon zu scheitern. Der israelische Ministerpräsident Ehud Barak hielt am Sonntag an seinem Ultimatum an die Palästinenser fest, die Gewalt bis Montagabend zu beenden. Die israelische Armee verstärkte ihre Stellungen in den Palästinensergebieten.

afp JERUSALEM. Im Südlibanon überflogen israelische Kampfjets Stellungen der radikal-islamischen Hisbollah, die am Samstag drei israelische Soldaten entführt hatte. Israel erklärte Syrien zum Hauptverantwortlichen für alle "feindseligen Aktionen" im Grenzgebiet. Im Gazastreifen gab es indessen ein erstes Anzeichen für eine Entspannung: Israeli und Palästinenser schlossen ein Abkommen zur Beendigung der Kämpfe. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte den "maßlosen Gebrauch von Gewalt" der israelischen Armee.

Palästinenser wollen Drohungen nicht nachgeben

Barak sagte, die Palästinenser sollten die Kämpfe gegen die israelische Armee bis spätestens Montagabend einstellen. Ansonsten sei der Friedensprozess beendet und die Armee werde "alle Mittel" einsetzen, um ein Ende der Gewalt herbei zu führen. Die Palästinenser hatten bereits am Samstag bekannt gegeben, sie würden den "Drohungen" Baraks nicht nachgeben und versetzten ihre Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft. In der Nacht zum Sonntag kam es bei Nablus im Westjordanland zu neuen Kämpfen zwischen israelischer Armee und Palästinensern, bei denen ein palästinensischer Student erschossen wurde.

Bei Haifa in Nordisrael erschlug ein israelischer Araber einen jüdischen Autofahrer mit einem Stein. Die Zahl der Toten bei den jüngsten Unruhen erhöhte sich damit auf mehr als 90, die überwiegende Mehrheit von ihnen Palästinenser. Am Samstag hatten Palästinenser das Josefsgrab, eine für gläubige Juden heilige Stätte in Nablus im Westjordanland, verwüstet. Israel hatte den Palästinensern zuvor als Zugeständnis die Kontrolle über das Josefsgrab übergeben.

Syrien habe an einer Fortsetzung der Gewalt kein Interesse

Im Südlibanon waren die Straßen am Sonntag wie leer gefegt, während israelische Kampfjets Stellungen der Hisbollah überflogen. Auch über die Hauptstadt Beirut donnerten die Kampfflugzeuge hinweg. Die Hisbollah hatte am Samstag israelische Stellungen im Grenzgebiet angegriffen und drei israelische Soldaten entführt, um eigene Gefangene in Israel freizupressen. Israel beschuldigte Syrien daraufhin, als Ordnungsmacht im Libanon für die erneute Eskalation verantwortlich zu sein. Der syrische Außenminister Faruk el Schara erklärte hingegen in Damaskus, sein Land habe kein Interesse an einer Fortsetzung der Gewalt im Südlibanon und den Palästinensergebieten.

Erstes Anzeichen der Entspannung im Gazastreifen

Im bisher heftig umkämpften Gazastreifen gab es indessen einen ersten Hoffnungsschimmer. Ein Oberbefehlshaber der israelischen Armee gab bekannt, er habe sich mit dem palästinensischen Sicherheitschef auf ein sofortiges Ende der Gewalt im gesamten Gazastreifen geeinigt. Zuvor waren am Sonntagmorgen insgesamt sechs Palästinenser bei mehreren Zusammenstößen mit israelischen Soldaten im Gazastreifen verletzt worden, wie Krankenhäuser mitteilten.

UN-Sicherheitsrat verurteilt Vorgehen der israelischen Armee

Der UN-Sicherheitsrat hatte bereits am Samstag das Vorgehen der israelischen Armee gegen die Palästinenser scharf verurteilt. Unter Enthaltung der USA stimmten 14 der 15 Mitglieder für eine entsprechende Resolution. Darin verurteilte der Sicherheitsrat "Gewalttaten, besonders den maßlosen Gebrauch von Gewalt gegen Palästinenser", der seit Beginn der neuerlichen Unruhen am 28. September zu vielen Verletzten und Toten geführt habe. US-Präsident Clinton sagte wegen der Entwicklung in Nahost eine Reise nach Ohio ab. Der britische Außenminister Robin Cook ermahnte die israelische Regierung am Sonntag, das "Niveau der gegen die Palästinenser eingesetzten Gewalt" zu überdenken. Es sei sowohl für Israel als auch für die Palästinenser an der Zeit, die Gewalt zu beenden.

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