UN-Tribunal
Milosevic will prominente Politiker als Zeugen

Der als Kriegsverbrecher angeklagte jugoslawische Ex-Präsident Slobodan will in seinem Prozess prominente Politiker aus aller Welt als Zeugen auftreten lassen.

dpa DEN HAAG. Zu diesen Zeugen sollen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Alt-Kanzler Helmut Kohl, der frühere US-Präsident Bill Clinton und UN-Generalsekretär Kofi Annan sowie der britische Premierminister Tony Blair gehören, kündigte Milosevic am Freitag vor dem UN-Tribunal an. Dabei nannte er auch den früheren deutschen Außenminister Klaus Kinkel, Verteidigungsminister Rudolf Scharping, die einstige US-Außenministerin Madeleine Albright und Italiens Ex-Ministerpräsidenten Lamberto Dini. Er werde sein Recht auf Befragung und Kreuzverhör der Zeugen wahrnehmen, kündigte er an.

Am zweiten Tag seiner Erwiderung zu den Anklagen wegen Verbrechen im Kosovo, in Kroatien und Bosnien stellte Milosevic weiter in Aussicht, dass er auch "das amerikanische Team bei den Dayton- Verhandlungen" und alle, die bei der Unterzeichnung der Vereinbarung von Paris anwesend waren, laden wolle. Bereits am Vortag hatte Milosevic den französischen Präsidenten Jacques Chirac als Zeugen erwähnt. Wen er als Zeugen aus Jugoslawien aufrufen will, sagte der Angeklagte nicht. Damit wolle er warten, bis Chefanklägerin Carla Del Ponte ihre Zeugenliste vorlege.

Milosevic setzte den ganzen Tag über seine Anklagen gegen die NATO wegen ihrer Luftangriffe im Kosovo-Konflikt fort. Über einen Projektor ließ er Dutzende von Farbfotos zeigen, die verstümmelte und verkohlte Leichen sowie schwere Zerstörungen von Gebäuden zeigten. Die Aufnahmen sollten seine Vorwürfe gravierender Verbrechen der "kriminellen Aggressoren" verdeutlichen. "Was für ein Kriegsverbrechertribunal ist das, wenn Sie nicht solche Verbrechen verfolgen?", rief Milosevic mit erregter Stimme. Stattdessen stelle man ihn mit gefälschten Anklagen und Fabrikationen vor Gericht.

Vorwurf der Vertreibung

Wiederholt widersprach der Angeklagte dem Vorwurf der Vertreibung von Hunderttausenden Albanern aus dem Kosovo durch serbische Streitkräfte. Er machte ausschließlich "albanische Terroristen" und die Angriffe der NATO für die Flucht verantwortlich. Ethnische Albaner, die nach anfänglicher Flucht in ihre Dörfer zurückkehren wollten, seien gezielt bombardiert worden, meinte er. Ihre Rückkehr habe nicht in das Bild der Propaganda von serbischen Gräueln gepasst. Angriffe auf Flüchtlingstrecks auf einer Brücke und im Norden des Kosovo belegten nach seiner Auffassung diese Absicht.

Der NATO-Bombenangriff auf die chinesische Botschaft in Belgrad war nach seinen Worten weder ein Irrtum noch ein Fehler. "Clinton wollte in die Geschichte als der Mann eingehen, der als erster chinesisches Territorium bombardiert hat. Deshalb ließ er die Botschaft bombardieren", äußerte der Ex-Präsident.

Nach Beendigung der Luftangriffe habe sich im Kosovo in Anwesenheit der NATO-Schutztruppe KFOR ein Völkermord abgespielt, klagte Milosevic. Niemand versuche, dafür die Verantwortlichen zu ermitteln. Mehr als 3000 Menschen seien seither ermordet worden, zum größten Teil Serben. 360 000 Serben und andere Nicht-Albaner seien vertrieben worden, während mehrere hunderttausend Albaner und Mazedonier in das Kosovo zugelassen worden seien, sagte Milosevic.

Der Angeklagte kann seine Ausführungen am Montagvormittag für eineinhalb Stunden fortsetzen. Das entschied das Gericht, nachdem es ihm erst nur bis Freitagabend Zeit geben wollte, seine Sicht zu den Vorgängen im früheren Jugoslawien vorzutragen.

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