Unabhängige Aktienanalysten profitieren von neuem Rabattsystem
Softdollars werden an der Wall Street immer beliebter

Nach den Analystenskandalen bei einigen großen US-Investmentbanken an der Wall Street stehen institutsunabhängige Aktienanalysen bei den Anlegern wieder hoch im Kurs. Die Anwendung eines neuen Rückvergütungssystems, so genannte Softdollars, forciert diese Entwicklung.

CHICAGO. Ähnlich wie Kaufhäuser, Tankstellen oder Fluggesellschaften führen immer mehr Broker an der Wall Street Anreizsysteme ein, mit denen sie ihre Kundschaft an der Leine halten wollen. Dazu schreiben sie ihren Kunden ein Teil der Handelskommissionen in Form von Softdollars gut. Mit diesen Guthaben können diese Kunden dann bestimmte Dienstleistungen wie etwa Research-Reports oder andere Publikationen von Drittanbietern beziehen. Softdollars sind also in etwa vergleichbar den Bonusmeilen, die zahlreiche Airlines als eine Art Rabatt in Form von Sachprämien oder Freiflügen gewähren.

Allerdings profitieren von dem neuen Prämiensystem nicht nur die Bankkunden. Die steigende Nachfrage nach unabhängigen Analyse-Materialien versetzt auch den Anbietern dieser Informationen einen starken Schub. "Softdollars haben unserem Geschäft zweifellos sehr gut getan" , sagt Rafi Musher von Stax Research, einem bankunabhängigen Unternehmen für Aktienanalyse.

Angetrieben wurde der Gebrauch von Softdollars durch die Umstellung im Nasdaq-Handel vom so genannten Market-Maker-System zum Kommissionsgeschäft. Viele Nasdaq-Broker verdienten lange Zeit ihr Geld mit der klassischen Marktmacher-Funktion. Das heißt, sie stellten für ihre Handelspartner auf Anfrage verbindliche Handelskurse und sorgten auf diese Weise für Liquidität in den jeweiligen Werten. Ihre Marge erzielten sie dann in Form des Preisunterschieds zwischen Geld- und Briefkurs (Bid-Ask-Spread).

Seitdem jedoch die Handelsvolumina an den Börsen in den vergangenen Monaten drastisch eingebrochen sind, haben sich die meisten Broker vom Market Making verabschiedet. Sie verlangen von ihren Kunden eine Kommission für jede Transaktion - so wie etwa die Courtage, die die Makler an den deutschen Präsenzbörsen in Rechnung stellen.

Für die Broker-Kundschaft bedeutet dies zunächst einen Anstieg der Handelskosten. Dieser wird jedoch abgefedert durch die neuen Softdollars und lässt sich so einfacher verdauen. "Der Wechsel zum Kommissionshandel zeigt die Handelskosten explizit auf", erklärt John Feng, von Greenwich Associates, einem Beratungsunternehmen an der Wall Street. "In Form von Softdollars können die Investmentbanken dann einen Teil der Handelsgebühren an die Kundschaft zurückgeben." Das letztjährige Volumen an Softdollar-Transaktionen schätzt Greenwich immerhin auf knapp 1 Mrd. $.

Umstritten an der Anwendung des neuen Anreizsystems ist jedoch dessen Transparenz. So monieren Kritiker, dass die Rabattpunkte Fondsmanagern eine exzellente Möglichkeit bieten, die Handelskosten nach eigenen Kriterien zu manipulieren. Schließlich ist nicht klar geregelt, ob und in welcher Weise die Fondsanleger in den Genuss der Bonusprämien kommen, die faktisch nichts anderes als eine Rückvergütung darstellen. Das wird besonders in Kreisen der Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) ungern gesehen. "Sämtliche Handelsgebühren müssen den Fondsteilhabern klar und einfach dargelegt werden", kritisiert John Wheeler von American Century Investment Management, ein Gegner des Softdollarsystems. "Und Softdollars sind alles andere als klar und einfach."

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