Unabsehbare Folgen
Experten: Börsen dürften Bundeswehreinsatz momentan ignorieren

Ein Einsatz der Bundeswehr im Afghanistan-Konflikt wird sich nach Meinung von Marktexperten kurzfristig nicht negativ auf die deutschen Aktienmärkte auswirken, könnte die Stimmung langfristig aber unter Umständen belasten.

Reuters FRANKFURT. "Der Markt reagiert derzeit auf ganz andere Faktoren", sagte Ulf Moritzen, Fondsmanager bei Nordinvest, am Dienstag. Aktuell seien die möglicherweise bevorstehenden Zinssenkungen der US-Notenbank Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) wichtiger. "Ein Kurseinbruch gibt es höchstens bei einem tatsächlichen terroristischen Anschlag in Europa", sagte Moritzen. Einige Händler halten langfristig aber einen negativen Einfluss auf die Börsen schon aus dem Grund für möglich, dass Deutschland zum theoretischen Ziel für Anschläge werde.

Am Dienstag blieb eine mögliche Beteiligung der Bundeswehr nach Händlereinschätzung ohne Auswirkungen auf die Aktienmärkte. Sowohl der Dax wie auch der Neue Markt tendierten freundlich und reagierten damit unter anderem auf die besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen des US-Netzwerkausrüsters Cisco Systems, die am Montagabend veröffentlicht worden waren.

Die Börsen hätten sich an den Konflikt in Afghanistan mittlerweile gewöhnt. "Deswegen bewegen andere Faktoren den Markt. Das Geld sucht schließlich immer eine Anlage", sagte Guiseppe Amato, Analyst beim Handelshaus Lang & Schwarz. "Der Verdrängungsmechanismus funktioniert solange, bis tatsächlich etwas in Deutschland passiert." Außerdem sei es noch unklar, in welcher Form sich die Bundeswehr an der Seite der USA militärisch engagieren werde.

Kein kurzfristiger Einbruch erwartet

"Der Konflikt ist zu weit weg. Angst herrscht daher unter den Fondsmanagern nicht", sagte Fondsmanager Moritzen. Zugleich sei in den vergangenen Monaten die Liquidität wieder gestiegen. Und mit den zusätzlichen Zuflüssen dürfe man nicht den momentanen Aufschwung des Marktes verpassen. "Bei weiter steigenden Kursen können wir nicht raus aus dem Markt", sagte Moritzen.

Einige Aktienhändler sagten dagegen, ein Bundeswehreinsatz könnte langfristig einen Einfluss auf die Märkte haben. "Schließlich werden wir zum direkten Ziel des Terrorismus", sagte ein Händler. Wegen der unabsehbaren Folgen könnte dann die Unsicherheit in den Markt zurückkehren. Mit einem kurzfristigen Kurseinbruch sei jedoch nicht zu rechnen, aktuell ignoriere der Markt diese Tatsache noch.

Die USA haben nach Angaben der Bundesregierung die Unterstützung der Bundeswehr im Afghanistan-Konflikt angefordert. Nach Angaben aus informierten Kreisen bitten die USA um Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in Calw und ABC-Spürpanzer der Bundeswehr. Außerdem hätten sie einen Sanitäts-Airbus und Lufttransportkapazitäten angefordert. Der Bundestag solle voraussichtlich noch in dieser oder in der nächsten Woche darüber abstimmen, hieß es in den Kreisen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%