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UNAIDS-Chef Piot: «Brecht das Schweigen über Aids, Sex und Drogen»DPA-Datum: 2004-07-06 14:13:44

London (dpa) - Der aktuelle Weltaidsbericht soll die Aufmerksamkeit besonders auf die schnell wachsenden Epidemien in Osteuropa und Asien lenken. Das hofft der Chef des Aidsbekämpfungsprogramms der Vereinten Nationen (UNAIDS), Peter Piot. «Es gibt eine riesige Aidsepidemie an der Türschwelle zur Europäischen Union, in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion», unterstrich der welthöchste Aidsbekämpfer in einem dpa-Gespräch in London. «Der Mann auf der Straße muss wissen, dass ihn eine Aidsepidemie in einer globalisierten Welt selbst dann betrifft, wenn sie sich in tausenden Kilometern Entfernung zuträgt.»

London (dpa) - Der aktuelle Weltaidsbericht soll die Aufmerksamkeit besonders auf die schnell wachsenden Epidemien in Osteuropa und Asien lenken. Das hofft der Chef des Aidsbekämpfungsprogramms der Vereinten Nationen (UNAIDS), Peter Piot. «Es gibt eine riesige Aidsepidemie an der Türschwelle zur Europäischen Union, in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion», unterstrich der welthöchste Aidsbekämpfer in einem dpa-Gespräch in London. «Der Mann auf der Straße muss wissen, dass ihn eine Aidsepidemie in einer globalisierten Welt selbst dann betrifft, wenn sie sich in tausenden Kilometern Entfernung zuträgt.»

Mit Blick auf die Krisenregionen Asien ergänzte der Mikrobiologe: «Eine von vier neuen Infektionen gibt es inzwischen dort.» Vor allem die politische Führung der betroffenen Länder - zum Beispiel China - müsse das Problem erkennen und offen darüber sprechen, verlangte Piot zur Veröffentlichung des Aidsberichts und wenige Tage vor der Weltaidskonferenz in Bangkok (11. bis 16. Juli).

Der Kampf gegen die Immunschwäche sei nicht allein eine Frage der Solidarität, sondern eine des eigenen Interesses: «Geld kann wichtige Regionen der Welt stabilisieren. Und das ist auch für Westeuropa wichtig.» Allerdings tue kein reiches Land genug gegen Aids. «Wenn wir mit unserem 'Business a usual' weitermachen, könnte es bis 2010 rund 45 Millionen weitere Infektionen geben. Wenn wir genug Geld bekommen und Vorsorgeprogramme starten, können wir 30 Millionen davon verhindern», sagte der belgische Gesundheits-Diplomat. «Es hängt davon ab, wie die Welt und jeder einzelne handelt.» Aids sei eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit, sowohl was die Wirtschaft, als auch die Moral oder die Gerechtigkeit angehe.

Ein besonderes Problem im Kampf gegen Aids sieht Piot in der Ausgrenzung der Betroffenen. «Auch Sars war akut und hatte wirtschaftliche Folgen. Aber es gab kein Stigma für die Betroffenen, weil Sars mit der Luft übertragen wurde.» Anders als die Lungenkrankheit habe Aids aber mit Sex, Drogen und Scham zu tun: «Das ist in keinem Land ein populäres Thema.» Selbst im Westen habe es lange gedauert, bis das Problem erkannt und akzeptiert wurde. «Das macht den Kampf gegen Aids so viel schwerer.» Eine von Piots zentralen Forderungen lautet daher: «Brecht das Schweigen über Aids, Sex und Drogen.»

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