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Unaids: Spendenbereitschaft muss steigenDPA-Datum: 2004-07-12 12:31:59

Bangkok (dpa) - Ohne eine drastische Erhöhung der weltweiten Spenden droht allein im kommenden Jahr eine Lücke von 6 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) im Kampf gegen Aids. Davor hat das Aidsprogramm der Vereinten Nationen (Unaids) auf der Weltaidskonferenz in Bangkok gewarnt.

Bangkok (dpa) - Ohne eine drastische Erhöhung der weltweiten Spenden droht allein im kommenden Jahr eine Lücke von 6 Milliarden Dollar (4,8 Milliarden Euro) im Kampf gegen Aids. Davor hat das Aidsprogramm der Vereinten Nationen (Unaids) auf der Weltaidskonferenz in Bangkok gewarnt.

Angesichts von 2,9 Millionen Aidstoten und fast 5 Millionen neu Infizierten im vergangenen Jahr, spenden die reichen Staaten nach Aussagen von Unaids zu wenig.

In den nächsten Jahren könnte die Lücke zwischen den Zahlungen und dem Bedarf noch viel größer werden, als sie ohnehin schon sei, befürchtet Paul De Lay, Statistikexperte von Unaids. Ebenso wie die UN-Organisation beziffert auch der Globale Aidsfonds den weltweiten Finanzbedarf im Kampf gegen die Immunschwäche für 2005 auf insgesamt 12 Milliarden Dollar. Von 2007 an wird eine «umfassende Antwort auf Aids» sogar 20 Milliarden Dollar kosten. Unaids geht in seiner aktuellen Prognose zurzeit jedoch davon aus, dass 2007 nur 10 Milliarden zusammenkommen werden.

Die weltweiten Spenden gegen die Immunschwäche haben sich dem Unaids-Bericht zufolge zwar von 1,2 Milliarden Dollar im Jahr 2000 auf 6 Milliarden in diesem Jahr verfünffacht. Diese Zahlen hielten mit dem schnell steigenden Bedarf aber nicht Schritt. «Wir sind an keiner Stelle so weit, die Epidemie zu stoppen», sagte Catharine Hankins, die oberste wissenschaftliche Beraterin von Unaids. Wenn die Staaten jetzt nicht genug täten, infizierten sich immer mehr Menschen, was wiederum immer höhere Behandlungskosten nach sich ziehe.

Unterdessen klagten Demonstranten Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und weitere Regierungschefs auf der Aidskonferenz symbolisch an und beschuldigten sie, zu wenig Geld für den Kampf gegen die tödliche Immunschwäche zu zahlen. Unter lauten Rufen «Schande, Schande» übergossen Mitglieder der Gruppe Act Up-Paris Konterfeis der Regierungschefs der G7-Staaten mit blutroter Farbe.

Die Staaten halten sich laut Act Up-Paris nicht an ihr Versprechen, den Globalen Aidsfonds in jedem Jahr mit zehn Milliarden Dollar (acht Milliarden Euro) auszustatten. Als das drittreichste Land der Welt müsse Deutschland wenigstens 610 Millionen Dollar im Jahr beitragen. Deutschland hat bislang rund 100 Millionen Euro an den Aidsfonds überwiesen.

Momentan erhalten nach Angaben von Unaids nur sieben Prozent aller Bedürftigen Medikamente gegen HIV. Von den schwangeren Infizierten seien es nur drei Prozent. Von 73 befragten Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen hätten 24 ein Programm zum Schutz von Drogenabhängigen. Ein Tausch von Nadeln und Spritzen gebe es nur für etwa 150 000 Menschen, während es in diesen Regionen etwa 9 bis 10 Millionen Abhängige gebe. In den untersuchten Ländern gab es Präventionsmaßnahmen für 16 Prozent der Prostituierten, 10 Prozent der Homosexuellen, 53 Prozent der Häftlinge und 20 Prozent der Straßenkinder.

Alles in allem sei die Welt weit davon entfernt, die im Jahr 2000 auf dem Millenniums-Gipfel der UN vereinbarten Ziele zu erreichen, erklärte Unaids. Diese sehen unter anderem vor, die Aidsepidemie bis zum Jahr 2015 einzudämmen und zurückzudrängen.

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