Unattraktive Flughäfen, schlechter Service
Derzeit kaum Druck auf Lufthansa durch Billigflieger

Die Luftfahrtbranche befindet sich kräftig in Bewegung. Neben dem massiven Einbruch in Folge der Terroranschläge des vergangenen Jahres sind vor allem die Billigfluglinien dabei, die Branche aufzuwirbeln. Das belastet die Aktien der großen Fluglinien.

vwd FRANKFURT. Ob der größten deutschen Fluglinie, der Deutschen Lufthansa AG, aber mit den Billigfliegern eine ernsthafte Konkurrenz erwächst, darüber wird derzeit gerätselt und gestritten. Tenor der meisten Analysen: eine direkte Gefahr droht der Lufthansa derzeit nicht.

Vor allem die Ryanair plc, Dublin, sehen die Experten nicht als direkte Konkurrenz zur Lufthansa, auch wenn der irische Billigflieger sich in seinen Werbekampagnen aggressiv mit dem deutschen Platzhirsch misst. Von Ryanair würden vor allem Kundengruppen angesprochen, die sonst aus Kostengründen überhaupt nicht geflogen wären, sagt Ralf Hallmann, Luftfahrtanalyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Die unattraktiven Abflug- und Ankunftflughäfen und fehlender Service sind seiner Ansicht nach keine Alternative für die traditionellen Linienflugpassagiere und Geschäftsreisende.

Nicht ganz so sicher sind sich die Marktbeobachter dagegen darüber, was passieren wird, wenn die British Airways plc (BA), London, wie geplant Tochter Deutsche BA an die Billigfluglinie Easyjet plc, Luton, verkauft. Die Deutsche BA fliegt derzeit mit 16 Maschinen auf sieben Strecken in Deutschland sowie von München nach Malaga. Zu ganz anderen Erkenntnissen kommt eine Studie der Bonner Unternehmensberatung Simon, Kucher & Partners. Ihre Untersuchung ergab, dass Billigflieger auch in Deutschland etablierten Fluggesellschaften Kunden wegnehmen. In ihren Flugzeugen säßen 48 Prozent Fluggäste, die ansonsten Linie gebucht hätten, behauptet die Studie.

Branchenbeobachter befürchten zudem, dass sich Easyjet mit dem Kauf der Deutschen BA übernehmen könnte, denn der britische Billiganbieter erwirbt auch den Wettbewerber Go. Sollte das Geschäft mit Easyjet nicht zu Stande kommen, will BA die deutsche Tochter selbst zu einer Billigfluglinie umbauen. Die Deutsche BA macht der Lufthansa zwar seit zehn Jahren auf innerdeutschen Strecken Konkurrenz, war aber in dieser Zeit nicht profitabel. Analysten bezweifeln, dass die Restrukturierung daran etwas ändern kann. Die Fluglinie habe bereits angekündigt, bei der Restrukturierung im Service und in der Bestuhlung der Maschinen keine großen Änderungen vornehmen zu wollen.

Die große Frage sei, wo die Deutsche BA sparen wolle, meinte Hallmann. Es bleibe daher abzuwarten, wie das neue Konzept tatsächlich aussehe. Marktbeobachter gehen davon aus, dass die deutsche BA nach dem neuen Konzept vielleicht nur noch drei bis vier innerdeutsche Strecken anfliegen wird und primär von Deutschland heraus versuchen wird, europäische Destinationen anzusteuern. Der innerdeutsche Luftverkehr gilt als kaum profitabel. Auch ein solches Konzept, so Marktbeobachter, dürfte Lufthansa kaum beeinträchtigen.

Sie verweisen auf Erfahrungen in Holland. Im Nachbarland ist Easyjet als Wettbewerber von KLM erfolgreich. Die holländische Fluglinie habe zwar einige Passagiere an Easyjet verloren, die Billigfluglinie habe jedoch überwiegend zusätzliche Flugreisende an Land gezogen. Ein Grund dafür sei, dass die margenstarken Geschäftsreisenden zu Hauptverkehrszeiten befördert werden wollten und zu den großen europäischen Destinationen viele Verbindungen zu attraktiven Zeiten benötigten. Zu Rushhour-Zeiten biete jedoch auch Easyjet teurere Tarife an.

Auch die Ankündigung der TUI, in den Billigmarkt einsteigen zu wollen, müsse Lufthansa noch nicht beunruhigen, betonen Analysten. Spekulationen ranken sich hier vor allem um die Germania, die bislang auf einzelnen innerdeutschen Verbindungen den direkten Konkurrenzkampf mit Lufthansa aufgenommen hat. Um Lufthansa eine breitgefächerte Konkurrenz zu bieten, müssten die Preise deutlich sinken und viele Verbindungen zu attraktiven Zeiten angeboten werden. Bei identischem Flugmaterial, gleichen Wartungskosten und Flughafengebühren sowie Sprit- und Personalkosten dürfte das Kosteneinsparpotential eher gering sein.

Lufthansa verdiene ihr Geld überwiegend im Auslandsreiseverkehr und hier vor allem auf den Interkontinentalstrecken. Etwa 50 Prozent des innerdeutschen Verkehrs der Lufthansa sind Zubringerdienste für diese Interkontinentalstrecken. Der Rest wird überwiegend mit der kostenkünstigeren Lufthansa City Line, Eurowings, Team Lufthansa und anderen günstigeren Regionalfliegern, die zum Verbund der Lufthansa gehörten, bewältigt. Nach Ansicht von Analysten bietet der innerdeutsche Verkehr kein so großes Potenzial wie beispielsweise in England, wo die Idee der Billiganbieter geboren wurde.

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