Unbefugte im Besitz von Aktionärsadressen
Tippfehler hebelt Schweizer Bankgeheimnis aus

Wegen eines Tippfehlers in der E-Mail-Adresse sind die Anschriften der Namensaktionäre der Leica Geosystems AG in die unbefugten Hände Dritter geraten. Das Unternehmen will deshalb künftig darauf verzichten, diese Informationen elektronisch zu übermitteln.

ef ZÜRICH. Das Schweizer Bankgeheimnis gerät nicht nur durch ausländische Regierungen unter Druck. Auch technische Fehler können es aufweichen. So sind in den letzten Tagen die Adressen der Namensaktionäre der Leica Geosystems AG in unbefugte Hände geraten.

Wegen eines Tippfehlers bei der Sega Aktienregister AG in Olten gelangte das entsprechende E-Mail mit der Adressliste der Aktionäre des Vermessungstechnikunternehmens nicht an das Versandzentrum, das die Quartalsberichte versenden sollte, sondern an einen unbefugten Dritten. Dieser leitete die Liste an die "Sonntags-Zeitung" weiter. Diesen Vorgang bestätigte ein Sprecher von Leica-Geosystems. Glück im Unglück: Der Empfänger der Adresslisten versicherte, die erhaltenen Angaben nicht mißbräuchlich verwenden zu wollen. Denkbar wäre gewesen, dass eine solche Adressliste von Namensaktionären ausländischen Steuerverwaltungen zugänglich gemacht würde. Diese könnten sie mit ihren Unterlagen abgleichen, um auf die Spur von Steuerflüchtlingen zu gelangen.

Leica Geosystems AG hat aus dem Vorfall Konsequenzen gezogen. Im Sinne der Datensicherheit würden Adresslisten der Namensaktionäre künftig nicht mehr elektronisch übermittelt, teilte das Unternehmen mit.

Künftig will die Gesellschaft ihre Quartalsberichte auf traditionellem Wege nach Olten transportieren, wo sie von der Sega Aktienregister AG verpackt werden. Dadurch verzögere sich der Versand künftig um einen Tag. Andere Daten will Leica Geosystems künftig auf CD-Rom brennen und mit der Post versenden.

Die Kategorie der Namensaktien dominiert in der Schweiz eindeutig. Dies bedeutet, dass die Namen und Adressen der Aktionäre den Gesellschaften im Prinzip bekannt sind. Damit ihr Name nicht in einem Schweizer Aktienregistern auftaucht, verzichten ausländische Aktionäre häufig auf die Eintragung ihrer Aktien.

Gemäß Schweizer Aktienrecht besitzen nicht eingetragene Aktionäre trotzdem die vollen Vermögensrechte an ihren Anteilsscheinen. Sie erhalten in jedem Falle die Dividenden und die Bezugsrechte, die auf ihre Aktien entfallen. Allerdings sind sie nicht zur Teilnahme an der Generalversammlung berechtigt. Sie besitzen also kein Stimmrecht. Dies erklärt auch häufig den niedrigen Anteil der auf den Generalversammlungen vertretenen Aktien. Ein Zeichen für die Höhe der nicht eingetragenen Aktien ist der sogenannte Dispobestand. Dabei handelt es sich um den Anteil der Anteilsscheine, die zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht im Aktienregister eingetragen sind.

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