Unbefugte Tonbandaufzeichnung
Vorsicht vor versteckten Videokameras

Arbeitgeber, die an sicherheitsrelevanten Brennpunkten des Betriebes eine Videokamera laufen lassen, die gleichzeitig auch Töne aufzeichnet, sollten sich die mitgeschnittenen vertraulichen Gespräche unter Arbeitskollegen besser nicht anhören und das Mikrofon schnell wieder ausschalten.

crz BRÜHL. Der Grund: Das hessische Landesarbeitsgericht (LAG) hat klargestellt, dass es sich hierbei um eine erhebliche Straftat handelt. Die so gewonnenen Beweise sind zudem vor Gericht nichts wert, selbst wenn ein Mitarbeiter den Chef gegenüber einem Kollegen auf das Schlimmste beleidigt.

In dem Urteilsfall hatte die Inhaberin eines Backwaren-Shops zur Überwachung des Kassenbereichs eine Videokamera mit eingebautem Mikrofon installiert. In einem dabei aufgezeichneten vertraulichen Gespräch unter Kolleginnen machte die Kassiererin aus ihrer Abneigung gegenüber der Chefin und ihrem Ehemann keinen Hehl: "Der hat sie wohl nicht mehr alle, dieser faule Sack. Die Angie, so eine faule Sau." Als die Arbeitgeberin das Band abhörte, kündigte sie der Kassiererin fristlos.

Vergebens: Das Gericht attestierte der Beklagten und ihrem Prozessvertreter angesichts der mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren angedrohten unbefugten Tonbandaufzeichnung eine "bedenkliche Rechtsblindheit". Es gehe nicht an, sich über eine Straftat ein Beweismittel zu verschaffen, um so eine weniger schwer wiegende Straftat aufzudecken.

Aktenzeichen: LAG Hessen: 2 Sa 879/01

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