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Unbekannter Stahlriese China erlaubt nun Blick hinter Kulissen

Der weltgrößte Stahlproduzent China erlaubt erstmals einen Blick hinter die Kulissen. Während auch Experten bislang von dem rasanten Anstieg der chinesischen Stahlproduktion in den vergangenen Jahren weitgehend überraschend worden waren, verspricht sich die Fachwelt von der Aufnahme der fünf größten chinesischen Stahlproduzenten Baosteel, Anshan, Wuhan, Shougang und Benxi in den internationalen Stahlverband Iisi nun konkrete Zahlen. "Das ist ein erster Schritt", betonte der Präsident der deutschen Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dieter Ameling, am Rande der Weltstahlkonferenz in Istanbul.

dpa-afx ISTANBUL. Der weltgrößte Stahlproduzent China erlaubt erstmals einen Blick hinter die Kulissen. Während auch Experten bislang von dem rasanten Anstieg der chinesischen Stahlproduktion in den vergangenen Jahren weitgehend überraschend worden waren, verspricht sich die Fachwelt von der Aufnahme der fünf größten chinesischen Stahlproduzenten Baosteel, Anshan, Wuhan, Shougang und Benxi in den internationalen Stahlverband Iisi nun konkrete Zahlen. "Das ist ein erster Schritt", betonte der Präsident der deutschen Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dieter Ameling, am Rande der Weltstahlkonferenz in Istanbul.

"Wir haben uns gewaltig die Augen gerieben, weil wir einfach zu wenig über die Expansionspläne der Chinesen wussten", bekannte Ameling. Seit dem Jahr 2000 hat sich die chinesische Rohstahlproduktion von knapp 130 000 Tonnen auf für dieses Jahr geschätzte 260 000 Tonnen verdoppelt. Damit wird heute schon mehr als jede vierte Tonne der weltweiten Stahlproduktion von einer Milliarde Tonnen in China erzeugt. Bis 2010 soll sich die chinesische Stahlproduktion Schätzungen zufolge noch einmal auf rund 370 000 Tonnen kräftig erhöhen. "In den kommenden fünf oder sechs Jahren wird der China-Boom nicht umkippen", sagt Ameling, der im internationalen Weltstahlverband als Experte für das Thema China gilt.

BIS 2010 Steigt Produktion AUF 370 000 Tonnen

Während die fünf Neumitglieder des Iisi (International Iron and Steel Institute) es gerade einmal auf knapp ein Drittel der chinesischen Gesamtproduktion bringen, treiben vor allem kleine und mittleren Stahlerzeuger in chinesischen Provinzen wie Shanxi, Hebei und der Inneren Mongolei den Boom voran. Rund 100 000 Tonnen Stahl werden dabei nach einer Branchenschätzung in veralteten Anlagen unter teilweise extremer Umweltverschmutzung produziert.

Selbst bei einer Stilllegung dieser veralteten Kapazitäten in den kommenden Jahren rechnen Fachleute nicht mit einem Ende des Wachstums. Die Investitionen in die chinesische Stahlindustrie von 8,5 Mrd. Dollar im Jahr 2002 haben sich im vergangenen Jahr auf 17,5 Mrd. Dollar mehr als verdoppelt.

China Baut 80 MIO Tonnen Kokerei-Kapazitäten AUF

Bei Investitionskosten für neue Anlagen, die nur etwa bei der Hälfte des internationalen Niveaus liegen, müssten westliche Stahlkonzerne für einen vergleichbaren Ausbau nach Branchen-Berechnungen rund 37 Mrd. Dollar investieren. Um der wachsenden Knappheit an Vormaterial zu begegnen, würden in China zudem rund 80 Mill. Tonnen an neuen Kokerei-Kapazitäten aufgebaut, berichtete Ameling.

"Alle bisherigen Versuche der Zentralregierung, einer Überhitzung auf dem Stahlmarkt durch die Verordnung von Produktionsbeschränkungen vorzubeugen, sind gescheitert, weil die Provinzen und nicht Peking die Kontrolle über die Stahlerzeuger haben", heißt es dazu in einem zu der Konferenz in Istanbul vorgelegten Bericht.

Während der chinesische Stahl derzeit nicht nur für die Entwicklung der Industrie im eigenen Land, sondern auch im Vorfeld der Olympischen Spiele für einen Ausbau der Infrastruktur benötigt wird, wachsen Befürchtungen vor möglicherweise künftig steigenden chinesischen Stahlexporten. Trotz einer durch den chinesischen Boom weltweit angeheizten Stahlkonjunktur will sich die deutsche Stahlindustrie derzeit bei übervollen Auftragsbüchern mit Neuinvestitionen zurückhalten. "Der weltweite Zuwachs am Stahlbedarf wird nicht bei uns, sondern in Asien erwartet", sagte Ameling.

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