Unbekümmertheit bewahren
Das Aufbegehren hat drei Namen

Von Nervenflattern keine Spur: Die 17-jährige Teresa Rohmann und ihre zwei Jahre älteren Team-Kollegen Marco di Carli und Helge Meeuw fahren voller Selbstbewusstsein zu den Olympischen Schwimmwettbewerben nach Athen. Und wenn sich wirklich die Medaillenchance ergibt, wollen die drei sie auch nutzen.

HB PALMA DE MALLORCA. Eins ist klar: Die zwei "jungen Wilden" und das "Küken" wollen die Etablierten im Schwimmbecken von Athen ärgern. Rohmann, di Carli und Meeuw gehen ganz locker an ihre Olympia-Premiere ran. "Ich mache mir nicht in die Hosen vor großen Namen", sagt Meeuw, "auch der große Name muss erstmal den großen Namen verteidigen." Bei der Olympia-Qualifikation in Berlin hatte der Abiturient aus Wiesbaden über 200 m Schmetterling sensationell den haushohen Favoriten Thomas Rupprath in die Schranken verwiesen. Trotz Abi-Stress.

Das Bibbern auf dem Startblock, sagt er, "überlasse ich den anderen". Nervosität empfindet er vor seinen Starts über 100 und 200 m Schmetterling nicht. "Es dominiert die Freude. Die Freude, das raus zu lassen, was man kann. Ich freue mich darauf, schnell zu schwimmen." Für Meeuw steht der Spaß im Vordergrund, denn Schwimmen ist sein Hobby. "Ich verdiene nicht meinen Lebensunerhalt damit".

Marco di Carli, der bei den deutschen Meisterschaften den Etablierten Rupprath und Stev Theloke über 100 m Rücken ein Schnippchen geschlagen hat, plant schon bis Peking 2008. "Erst Mal Lehrgeld zahlen und schauen, was dann kommt", heißt sein Motto für Athen. Aber auch der in Hamburg trainierende Emsländer macht vor seinem Olympia-Debüt deutlich: "Ich bin nicht der Typ, der Angst hat." Eine Medaille anzukündigen, sei natürlich vermessen. Aber: "Wenn die Chance da ist, werde ich die auf jeden Fall nutzen und nach vorne schwimmen." Für Nervosität, sagt er, habe er keine Zeit.

Teresa Rohmann setzt auf Understatement - und muss als Zweite der Weltrangliste über 200 m Lagen doch zu den Medaillen-Kandidaten gezählt werden. Schneller als die nach Daniela Götz (Katzwang/16) Zweitjüngste im deutschen Schwimm-Team war in diesem Jahr nur die Amerikanerin Amanda Beard. "Es ist etwas Gewaltiges. Olympia ist das Größte, das man erreichen kann", sagt die Schülerin.

In Erlangen ist sie Trainingspartnerin der fünffachen Weltmeisterin Hannah Stockbauer. "Meine Position in der Weltrangliste sehe ich nicht als Druck für mich", sagt Teresa Rohmann, "über eine Medaille denke ich nicht nach. Immerhin bin ich das erste Mal bei einem riesengroßen Wettkampf dabei." In Athen gilt es, die Herausforderung anzunehmen, die Unbekümmertheit zu bewahren - und die Nerven zu behalten.

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