Undurchsichtige Veräußerungen
Metro erwartet turbulente Hauptversammlung

Auf der morgigen Hauptversammlung der Metro AG droht Konzernchef Hans-Joachim Körber Ungemach. Die Informationen über die Konzernbeteiligung an der Divaco, in der die Metro alle zum Verkauf stehende Filialketten wie Vobis, Reno oder Maxdata gebündelt hat, seien "irreführend, zum Teil sogar unrichtig", beklagt Hannjörg Hereth.

DÜSSELDORF. Der langjährige Chef-Justiziar der Schweizer MetroHolding, der 1994 im Streit aus dem Handelskonzern ausschied, hat deshalb den Aufsichtsräten ein siebenseitiges Schreiben zustellen lassen. Hierin fordert der 66-Jährige eine Sonderprüfung der Metro-Bilanz - und Schadenersatz durch die Altgesellschafter Beisheim, Haniel und Schmidt-Ruthenbeck, die nach dem Metro-Börsengang je 18,7 % des Aktienkapitals halten.

Der Verdacht des Kleinaktionärs: Mit Hilfe undurchsichtiger Veräußerungen über die Divaco sei Deutschlands größtem Handelskonzern ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe entstanden - und zwar mit Billigung von Vorstandschef Körber, der im Divaco-Aufsichtsrat sitzt.

Für eine Sonderprüfung müsste Hereth 10 % des Aktienkapitals hinter sich bringen. Ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz zweifelt, ob Hereth dies gelingen wird. Man werde sich die Argumente dennoch anhören und danach entscheiden, ob man den Antrag auf Sonderprüfung unterstützt. Alternativ kann Hereth auch den Rechtsweg beschreiten.

Gleich mehrere Ungereimtheiten gab es nach Ansicht des Ex-Managers beim Verkauf der Beteiligung am Mobilfunker Debitel. Besaß die Metro bei ihrem Börsengang noch einen Anteil von 10,05 %, den sie für 9,2 Mill. Euro an die Divaco weiterreichte, berichtete die Schweizer Swisscom sieben Monate später, sie habe 7,9 % an Debitel von der Divaco erworben. Von den restlichen 2,15 %, so Hereth, fehle jede Spur. Zudem sei die Beteiligung weit unter Wert an Divaco gegangen. Zum Vergleich: Wenig später trennten sich die Altgesellschafter von ihrer 35- Prozent-Beteiligung an Debitel und erhielten dafür 1,08 Mrd. Euro. Der hohe Wert von Debitel sei entstanden, glaubt Hereth, weil der Vertriebspartner, die Metro-Tochter Media-Markt, die Mobilfunkverträge zuvor massiv subventioniert habe. Diese Belastung müssten die Altgesellschafter, denen die hohe Bewertung zugute kam, erstatten.

Gleichzeitig wundert sich Hereth über den Verbleib eines Kredits über 51,3 Mill. Euro an Erich Kellerhals. Die Forderung gegenüber dem Media-Markt-Minderheitsgesellschafter hatte Divaco Ende 1998 von Metro übernommen, ließ sich dann aber in der Bilanz des Divaco-Geflechts (Grafik) nicht mehr finden.

"Das werden wir alles auf der Hauptversammlung klären können", sagt ein Metro-Sprecher. Auch zur kompletten Abschreibung der Divaco in der Metro-Bilanz, die den Konzern mit 330 Mill. Euro belastet hat, will sich Körber am Donnerstag äußern. Für den Konzern ist der Vorgang dennoch heikel: Obwohl er durchgerechnet nur 49 % an Divaco hält, scheint er allein das wirtschaftliche Risiko zu tragen. Den Mitgesellschaftern Deutsche Bank und Gerling stehe dagegen eine vertraglich gesicherte Verzinsung zu, sagt Hereth. Dass die Wirtschaftsprüfer von Fasselt & Partner die Metro nicht dazu gedrängt haben, Divaco zu konsolidieren, verwundert ihn nicht: Die Prüfer seien auch Berater von Otto Beisheim.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%