Uneinigkeit über Ankaras Rolle im Nordirak
Front zwischen USA und Türkei verhärtet

Die USA und die Türkei sind sich über die Rolle der türkischen Armee in den nordirakischen Kurdengebieten nach wie vor nicht einig. Der eigens nach Ankara gereiste US-Gesandte für die irakische Opposition, Zalmay Khalilzad, sagte am Dienstag nach zweistündigen Verhandlungen im türkischen Außenministerium, es gebe weiterhin Meinungsverschiedenheiten in der "schwierigen und komplizierten Materie". Der Dialog werde "in den kommenden Tagen" fortgesetzt.

vwd ANKARA. Der türkische Generalstabschef Hilmi Özkök inspizierte die Grenze zu Nordirak. Eine ursprünglich für Dienstag vorgesehene Pressekonferenz verschob er auf Mittwoch. Ein hochrangiger türkischer Diplomat sagte nach den Verhandlungen, über Ankaras Ziele bestehe Einigkeit, diskutiert werde über die "Modalitäten". Einer der Hauptstreitpunkte sei die Frage, ob Ankaras Truppen unter türkischem oder US-Kommando stehen sollten. Die türkische Regierung will mit einem Truppeneinmarsch der Gründung eines unabhängigen Kurdenstaates im erdölreichen Nordirak vorbeugen, der kurdischen Unabhängigkeitsbestrebungen im Südosten der Türkei Auftrieb geben könnte.

Mit der türkischen Militärpräsenz in Nordirak soll außerdem das Einsickern von Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in die Türkei, sowie eine Massenflucht auf türkisches Territorium wie im Golfkrieg 1991 verhindert werden. In Presseberichten vom Dienstag hieß es, die USA seien widerstrebend bereit, Ankara unter bestimmten Bedingungen die Stationierung einer begrenzten Zahl von Soldaten entlang der türkisch-irakischen Grenze zuzugestehen. Die mit den USA verbündeten Kurdenparteien in Nordirak lehnten dies jedoch ab.

Die türkischen Zeitungen "Milliyet" und "Radikal" berichteten übereinstimmend, Washington und Ankara hätten sich darauf geeinigt, dass 6000 türkische Soldaten bis zu zwanzig Kilometer weit in irakisches Gebiet hinein postiert werden dürften. Laut "Radikal" knüpft die US-Regierung dies jedoch an mehrere Bedingungen. So müsse die türkische Armee ihr Vorgehen mit den USA und den Kurdenparteien in Nordirak abstimmen und zusichern, dass sie nach Kriegsende wieder abziehe. Außerdem dürften türkische Soldaten erst nach dem Aufmarsch von US-Truppen in Nordirak einrücken und dort keine geschlossenen Militärzonen einrichten.

Die Türkei, mit gut 800 000 Soldaten nach den USA die zahlenmäßig zweitstärkste Armee innerhalb der NATO, hatte zuvor die Entsendung von bis zu 40 000 Soldaten in Nordirak ins Gespräch gebracht. Im Zuge ihrer "vorgeschobene Grenzsicherung" wurden bereits seit dem Golfkrieg 1991 tausende Soldaten in einem Streifen entlang der 330 km langen Grenze auf irakischem Gebiet stationiert. US-Außenminister Colin Powell warnte Ankara erneut vor einem Einmarsch in Nordirak. Es gebe "keinen Bedarf" für ein derartiges Vorgehen, sagte er im US-Fernsehsender Fox News.

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