Uneinigkeit über die Entwicklung des Marktes
Preisschub bei Weizen lässt auf sich warten

Rückläufige Ernten und ein kräftiger Zuwachs des Verbrauchs werden zwangsläufig schon bald zu kräftigen Preissteigerungen bei Weizen führen. Diese Erwartung wird bereits seit längerem an den Märkten in Chicago und London geäußert.

LONDON. Erst jetzt wieder sagt auch die Londoner Economist Intelligence Unit, EIU, einen scheinbar unaufhaltsamen Anstieg der Preise für das wichtige Nahrungsgetreide bis 2004 voraus. Der Prognose zufolge soll der Preis für die Richtqualität US Hart-Winterweizen (fob Gulf- Häfen) von knapp 130 Dollar je Tonne (t) im November 2001 auf 160 Dollar bis Ende 2002 und gar 200 Dollar bis Ende 2003 ansteigen.

Der US-Rohstoffspezialist Refco liefert dagegen eine einleuchtende Erklärung dafür, warum sich der Preisanstieg von bisher zehn Prozent im Jahr 2001 bis auf weiteres eher in Grenzen halten wird. "Da die Weltproduktion 2002/03 um etwa 25 Mill. t steigen wird, wird die Kaufbereitschaft an den Märkten weiterhin eher gering bleiben", glauben die Amerikaner. Über diese Kaufzurückhaltung der großen Weizenimportländer zeigten sich die EIU-Experten allerdings "überrascht". Sie haben beobachtet, dass sich die Länder trotz der Warnungen über sinkende Vorräte und steigende Preise zunehmend nur auf einer "just-in-time"-Basis, also gerade mit dem Nötigsten, eindeckten. Die zögernde Haltung der Importländer wird auch in den Preisen deutlich. Aus der Sicht des Weltweizenrates in London, IGC, treten die Notierungen seit etwa zwei Monaten auf der Stelle.

Auch der letzte Monatsbericht des US-Agrarministeriums scheint nicht dazu beizutragen, die Spekulation auf höhere Preise zu stützen. Das Ministerium reduziert seine Schätzung über den Weltweizenverbrauch 2001/02 (Juli/Juni) von 596 Mill. auf 588 Mill. t, erhöhte den Wert für die erwartete Produktion aber geringfügig auf 578 Mill. t. Die Bestände würden gegen Ende der Saison daher nicht auf 144 Mill. t schrumpfen wie ursprünglich angenommen, sondern auf lediglich 153 Mill. t. Die Mitteilung, dass die Anbaufläche für die nächste Ernte von Winterweizen in den USA weiter zurückgegangen sei und dem niedrigsten Stand seit 1971 entspreche, hatte kaum Auswirkungen auf den Markt.

Doch die Experten der Londoner Economist Intelligence Unit halten unbeirrt an ihrer mittelfristigen Prognose kräftig steigender Preise bis 2004 fest. Die Notierungen seien in der zweiten Hälfte 2001 noch durch das reichliche und billige Angebot aus Ost- und Mitteleuropa "zurück gehalten" worden. Sobald das Angebot von dort knapper ausfallen sollte, würde dieses gleich auf den Preis durchschlagen.

Die Ernte- und Verbrauchsschätzungen der EIU liegen geringfügig über denen des US-Landwirtschaftsministeriums. Sie sind mit diesen zeitlich aber nicht deckungsgleich und daher nur bedingt vergleichbar. Nach ihnen soll die Weltweizenernte von 577 Mill. t 2001/02 zwar kräftig auf 607 Mill. t 2002/03 und auf immerhin 628 Mill. t 2003/04 steigen. Diese Mengen werden der Prognose zufolge aber weiter hinter den Verbrauchszuwächsen zurückbleiben. Die Weltvorräte werden laut EIU von etwa 157 Mill. t, die sie zum Ende des Wirtschaftsjahres 2000/01 erreichten, auf 122 Mill. t 2001/02 schrumpfen und 2002/03 nur noch bei 106 Mill. t liegen.

Die Bestände in den fünf führenden Exportländern bzw. -Regionen - Argentinien, Australien, Kanada, EU und USA - sollen sich bis 2002/03 von 51 Mill. auf nur noch 34 Mill. t verringern. Zudem könnte China seinen Weizenimport im Rahmen der Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation auf dann 7 Mill. t im Jahr steigern und damit mehr als verdoppeln.

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