Unerfahrener Anleger hatte geklagt
Falscher Rat kostet Steuerberater Geld

Anleger können unter gewissen Umständen Schadensersatz geltend mache, so ein Urteil des Landgerichts Coburg.

rrl DÜSSELDORF. Steuerberater müssen für falsche Anlageempfehlungen Schadensersatz leisten. Das geht aus einem Urteil des Landgerichts Coburg hervor, das einen Steuerberater verurteilte, rund 560 000 Euro Verlust seines Mandanten aus Termingeschäften zu erstatten (Az.: 23 O 696/00 v. 27.3.02).

Ein in Gelddingen unerfahrener Anleger hatte nach Darstellung seines Anwalts Peter Mattil von der Münchener Kanzlei Mattil, Kärner & Kollegen einen unverlangten Anruf der Düsseldorfer IBB GmbH erhalten. Die Gesellschaft bot ihm ein Termingeschäft an. Er leitete das Angebot an seinen Steuerberater zur Prüfung weiter, der sich für das Geschäft aussprach. Die IBB unterschlug jedoch das angelegte Geld. "Schon bei näherem Hinsehen hätte der Steuerberater leicht feststellen können, dass die Gesellschaft mit Sitz auf den British Virgin Islands ein absurd hohes Agio vom Kapital abzog und hohe Kommissionsbelastungen einen Gewinn ausschlossen", sagt der Anwalt. Das Urteil wurde jetzt rechtskräftig, weil der Steuerberater seine Berufung zurückzog. Die Berufshaftpflichtversicherung des Steuerberaters übernahm Mattil zufolge nun den Schaden in voller Höhe.

Das Urteil hat über Termingeschäfte hinaus Bedeutung. Häufig vertreiben Anbieter geschlossener Fonds ihre Angebote über Steuerberater. Manche Investoren folgen zudem dem Rat von Fondsanbietern und lassen Prospekte durch Steuerberater prüfen. "Wenn dieser eine Kapitalanlage empfiehlt, muss er auf Risiken hinweisen, zum Beispiel auf die Gefahr des Totalverlustes und ganz besonders auf das einer persönlichen Haftung des Anlegers", erläutert Mattil.

Das Steuerberatungsgesetz schreibt Steuerberatern vor, eine Berufshaftpflicht über mindestens 250 000 Euro abzuschließen. "Mitgliedern, die besonders schadenträchtige Tätigkeiten ausüben wie etwa Vermögensverwaltung, empfehlen wir, höhere Summen zu vereinbaren", sagt Stefan Ruppert von der Bundessteuerberaterkammer.

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