Unerwartet hoher Gewinn
Nokia baut Position weiter aus

Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia hat im dritten Quartal in einem schwierigen Branchenumfeld dank neuer Handy-Modelle den Gewinn überraschend deutlich gesteigert und seine führende Marktposition weiter ausgebaut.

Reuters HELSINKI. Der finnische Konzern kündigte heute zudem für das traditionell umsatzstarke vierte Quartal Ergebnisse in etwa auf Vorjahresniveau an. Nokia verzichtete auf einen Ausblick für 2003. Analysten werteten die vorgelegten Zahlen angesichts der seit rund 18 Monaten anhaltenden Branchenflaute als beachtlich.

Nokia-Aktien stiegen an der Börse in Helsinki in der Spitze um rund elf Prozent auf 16,67 Euro. Die europäischen Börsen reagierten ebenfalls positiv und weiteten ihre Gewinne aus. Auch die Aktien des schwedischen Konkurrenten Ericsson, der am Freitag seine Quartalszahlen vorlegen wird, stiegen im Sog der Nachrichten von Nokia kräftig.

Der Pro-Forma-Gewinn vor Steuern sei im abgelaufenen dritten Quartal zum Vorjahr um fast 17 Prozent auf 1,245 Milliarden Euro gestiegen, teilte Nokia in Helsinki weiter mit. Je Aktie stieg der Gewinn auf 0,18 Euro von 0,16 Euro im Vorjahr. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn von 0,17 Euro je Aktie gerechnet, während Nokia selbst zuletzt einen Gewinn in der Spanne von 0,15 bis 0,17 Euro je Aktie prognostiziert hatte. Der Umsatz stieg auf 7,224 Milliarden Euro von 7,05 Milliarden Euro und damit etwas schwächer als von Analysten mit 7,273 Milliarden Euro erwartet. Das Wachstum verdankt Nokia vor allem seinem starken Handy-Geschäft.

Neue Handys fürs Weihnachtsgeschäft

Für das vierte Quartal mit dem wichtigen Weihnachtsgeschäft prognostizierte Nokia einen Gewinn je Aktie von 0,23 bis 0,25 Euro. Der Umsatz soll mit Hilfe neuer Handys mit Farb-Bildschirmen auf 8,9 bis 9,2 Milliarden Euro von 8,79 Milliarden Euro im Vorjahr steigen. "Im Handy-Markt beginnt eine neue Wachstumsphase, die von der Einführung immer mehr neuer Produkte in großen Stückzahlen mit Farb- und Multimedia-Messaging-Fähigkeit angekurbelt wird", sagte Nokia-Chef Jorma Ollila. Das Unternehmen hat jüngst eine Reihe neuer Modelle herausgebracht, von denen ein Großteil passend zum Weihnachtsgeschäft erhältlich sein wird. Für eine Jahresprognose für 2003 ist es Nokia zufolge aber noch zu früh.

Die wegen der gesunkenen Nachfrage nach Mobiltelefonen arg gebeutelte Branche hofft auf eine Geschäftsbelebung durch die Einführung neuer Handy-Modelle, die fortgeschrittene Text- und Bild-Nachrichtenfunktionen haben, was unter das Schlagwort Multimedia-Messaging (MMS) fällt.

Der Weltmarktführer Nokia bekräftigte zudem anders als am Vortag sein US-Konkurrent Motorola seine Prognose für den weltweiten Handy-Absatz für 2002 mit 400 Millionen Mobiltelefonen. Motorola hatte seine Prognose um zehn Millionen Stück auf 390 Millionen Handys gesenkt und dies mit der schwachen Nachfrage nach neuen Geräten vor allem in Europa und Asien begründet. Nokia geht davon aus, seinen Marktanteil bei Handys, der bereits doppelt so groß ist wie der von Motorola, in diesem Jahr über die 37 Prozent von 2001 zu steigern. "In allen Regionen wird das Wachstum voraussichtlich mindestens fünf Prozent in 2002 betragen", teilte Nokia mit. Allerdings sei der Marktanteil in Amerika geschrumpft.

Umsatzrückgang in der Netzwerksparte

In der Netzwerksparte ging der Umsatz im dritten Quartal indes um sieben Prozent auf 1,55 Milliarden Euro zurück. Ollila rechnet dort auch nicht mit einer baldigen Geschäftsbelebung. In der Sparte Mobilfunktelefone stieg der Umsatz dagegen um sieben Prozent auf 5,63 Milliarden Euro. Nokia erzielt dabei mit 22,2 Prozent eine der höchsten Gewinnmargen der gesamten Branche. Die Margen sollen auch im vierten Quartal in etwa auf diesem Niveau bleiben.

Analysten werteten die Zahlen als beachtlich, wenngleich Experten insbesondere die Umsatzentwicklung als Enttäuschung bezeichneten. Experten zeigten sich aber insgesamt zufrieden, zumal es in der Netzwerksparte nach ihrer Einschätzung keine "böse Überraschung" gab. "Die Netzwerksparte ist zwar etwas schwach, aber dafür ist der Bereich Mobiltelefone etwas stärker als erwartet", sagte ein Fondsmanager, der auch Nokia-Aktien hält. Das wichtige vierte Quartal werde zudem offenbar besser als angenommen ausfallen. "Nokia dominiert weiterhin den Mobilfunkmarkt", sagte Jussi Uskola von Nordea Securities. Motorola hatte am Mittwoch wegen der anhaltend niedrigen Nachfrage in einer Reihe seiner Geschäftsbereiche die Geschäftsprognosen für das vierte Quartal und für das Gesamtjahr 2003 gesenkt.

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