Unerwartet hohes Wachstum
T-Mobile legt in den USA zu

Die US-Mobilfunktochter der Deutsche Telekom hat nach Angaben aus Branchenkreisen im dritten Quartal ein unerwartet hohes Wachstum von rund 850 000 Kunden verzeichnet und seit Jahresbeginn damit die meisten Neukunden aller sechs Anbieter vor Ort gewonnen.

Reuters FRANKFURT/LONDON. Aus den Branchenkreisen verlautete am Donnerstag, die bislang unter VoiceStream firmierende T-Mobile US habe mit knapp 1,9 Millionen neuen Kunden seit Januar das von der Telekom für das Jahresende angestrebte Ziel von neun Millionen Kunden bereits nahezu erreicht. Dieses starke Wachstum sei nicht zu Lasten der Profitabilität gegangen. Der Umsatz pro Kunde liege stabil bei rund 50 Dollar, die Wechselbereitschaft sinke weiter.

Ein T-Mobile-Sprecher wollte vor der für den 14. November erwarteten offiziellen Bekanntgabe der Telekom-Quartalszahlen keine Stellungnahme dazu abgeben. Das gute Quartalsergebnis macht es nach Angaben der Branchenexperten "wahrscheinlicher", dass T-Mobile in den USA nicht in absehbarer Zeit verkauft oder mit einem Partner zusammengelegt wird. Gegen Fusionspläne spricht nach Meinung von mit der Situation vertrauten Kreisen auch, dass eine kostensparende Verschmelzung zu zeitraubend ist.

An der Börse verstärkten die Telekom-Aktien bis zum Abend ihren Abwärtstrend im schwächeren Gesamtmarkt auf mehr als sieben Prozent und fielen auf elf Euro. Da Branchenexperten nun ebenso wie Analysten zunehmend damit rechnen, dass die Telekom T-Mobile in den USA allein weiter führt, wurden an der Börse Befürchtungen über einen schleppenden Schuldenabbau laut.

"Die Hinweise verdichten sich, dass die Telekom an T-Mobile US festhält", verlautete aus Londoner Investmentbanken. Auch in am Donnerstag veröffentlichten Analysen hieß es übereinstimmend, die Anzeichen gegen eine mögliche Fusion mit den US-Konkurrenten AT&T Wireless oder Cingular mehrten sich. Commerzbank Securities schrieb, "angesichts der Marktgegebenheiten besteht bei einem Verkauf von Voicestream die Gefahr für die Telekom, einen schlechten Preis zu erzielen, was sich auch negativ auf die Bewertung der Aktien auswirken wird". Die Telekom könne die jetzige T-Mobile US zunächst allein weiterführen und eventuell zu einem späteren Zeitpunkt veräußern.

Telekom-Analyst Frank Rothauge von Sal Oppenheim sieht ebenso "Indikationen des Telekom-Vorstands, dass eine Trennung von Voicestream mehr und mehr unwahrscheinlich wird". Zum einen würde damit die vom langjährigen Vorstandschef Ron Sommer verfolgte Strategie in den USA nahtlos fortgesetzt. Zum anderen würde damit auch die Position des Chefs der internationalen Mobilfunkholding T-Mobile, Kai-Uwe Ricke, gestärkt, der wiederholt als möglicher Sommer-Nachfolger genannt worden ist.

Seit der Trennung von Konzernlenker Sommer im Streit mit der Bundesregierung Mitte Juli steht die Zukunft der noch defizitär wirtschaftenden Tochter T-Mobile US auf dem Prüfstand. Im Konzern werden Einsparmöglichkeiten geprüft, um die Verschuldung von zuletzt rund 64 Milliarden Euro senken zu können. In der kommenden Woche will die Telekom die Eckpunkte ihre künftigen Konzernstrategie vorstellen.

Ein Börsengang der Mobilfunksparte scheidet wegen des schlechten Marktumfeldes aus, der komplette Verkauf von T-Mobile US könnte der Telekom bis zu 15 Milliarden Euro einbringen - sofern sich ein Käufer findet. Bei einer Fusion mit einem Konkurrenten könnte die Telekom Milliarden-Schulden der einst für rund 40 Milliarden Dollar übernommenen Tochter dekonsolidieren und beim Netzausbau einsparen. T-Mobile US und das weltweite Systemhausgeschäft stellen jedoch die beiden Wachstumsmotoren des Konzerns dar.

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