Unerwartete Risikovorsorge
Bankgesellschaft kündigt Dividendenausfall an

Reuters BERLIN. Die Bankgesellschaft Berlin wird für das Geschäftsjahr 2000 keine Dividende ausschütten. Der Bank-Konzern teilte am Dienstagabend in einer Ad-hoc-Mitteilung mit, bei der Tochtergesellschaft Landesbank Berlin (LBB) müsse die Risikovorsorge auf voraussichtlich rund 360 Millionen Euro von bislang erwarteten 180 Millionen Euro aufgestockt werden. Die im Zusammenhang mit den personellen Veränderungen im Vorstand der LBB eingeleitete erweiterte Jahresabschlussprüfung lasse erheblichen zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf erkennen, hieß es in der Mitteilung. Bei der LBB und der Hypothekenbanktochter Berlin Hyp waren im Zuammenhang mit Sonderprüfungen fünf von zehn Vorständen ausgeschieden.

Das bisher bekannte Volumen der Wertberichtigungen bei der LBB von 180 Millionen Euro werde sich voraussichtlich verdoppeln, teilte der Bankkonzern mit. Da die LBB deshalb keinen Gewinn an die Bankgesellschaft ausschütten werde, stehe bereits vor den Prüfungen bei anderen Tochtergesellschaften fest, dass der Vorstand der Bankgesellschaft dem Aufsichtsrat keine Dividendenausschüttung vorschlagen werde. Der Bank-Konzernchef und LBB-Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Rupf erklärte, dass weiter personelle Konsequenzen in den Leitungsebenen der LBB nicht ausgeschlossen seien.

Mehrheitsaktionär der Bankgesellschaft ist das Land Berlin mit knapp 57 Prozent der Anteile. Aufsichtsratsmitglied, Berlins Finanzsenator Peter Kurth, hatte bereits im Zusammenhang mit der Sonderprüfung der Immobiliengeschäfte der Bank durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen die im Landeshaushalt eingestellte Dividende von 135 Millionen Mark als zweifelhaft bezeichnet. Für 1999 hatte die Bank 0,60 Euro je Aktie ausgeschüttet, noch zur Jahreswende schien eine unveränderte Dividende erneut möglich.

Dem Vorstand der Bankgesellschaft und dem Arbeitsausschuss des Aufsichtsrats der LBB sei die Entwicklung und Größenordnung vom Rest-Vorstand der Landesbank Berlin dargelegt worden, hieß es weiter. Der Aufsichtsratsvorsitzende, Bank-Konzernchef Rupf, erklärte, dass weitere personelle Konsequenzen in den Leitungsebenen der LBB nicht ausgeschlossen seien. "Die Aufsichtsräte des Konzerns werden die erforderlichen Entscheidungen noch in diesem Monat treffen."

Zum neuen LBB-Chef war erst vergangene Woche der Controlling-Experte des Konzern-Vorstands Norbert Pawlowski für eine Amtszeit von fünf Jahren berufen worden. Er löst Ulf-Wilhelm Decken ab, der sein Amt auf eigenen Wunsch niedergelegt hatte

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Rupf hatte zuletzt den gesamten Wertberichtigungsbedarf für 2000 im Konzern mit knapp 600 (Vorjahr 504) Millionen Euro beziffert. Das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge war mit 762 Millionen Euro angegeben worden. Ein Sprecher der Bankgesellschaft sagte, es sei noch offen wie sich der gesamte Wertberichtigungsbedarf letztlich zeigen werde. Dieser könne auch über die 600 Millionen Euro hinausgehen. Die Aktien der Bankgesellschaft waren kurz vor der Pflichtveröffentlichung vom Handel ausgesetzt worden und hatten bis dahin mit 1,71 Prozent im Plus gelegen bei 10,68 Euro.

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