Unerwartete Rückschläge
Ruderer verteidigen Weltcup

Den deutschen Ruderern bleibt bis zu den Weltmeisterschaften viel Arbeit. Sechs Wochen vor dem Saisonhöhepunkt glückte ihnen beim Weltcup-Finale auf dem Luzerner Rotsee zwar eine erfolgreiche Titelverteidigung, doch mussten sie auch Rückschläge hinnehmen.

dpa LUZERN. Nach drei Siegen in den 14 olympischen Klassen war den Deutschen die Gesamtführung allerdings nicht mehr zu nehmen. "Wir haben uns in einem Weltklassefeld behauptet. Aber die Ergebnisse fangen an, rückläufig zu werden", warnte DRV-Sportdirektor Michael Müller vor weiteren Einbrüchen.

Ausgerechnet bei der bisher wichtigsten Regatta des Jahres ging die Erfolgsserie des Deutschland-Achters zu Ende. Wie schon beim WM-Finale vor einem Jahr in Sevilla zeigten die Kanadier der im bisherigen Saisonverlauf ungeschlagene Crew um Schlagmann Michael Ruhe (Hameln) die Grenzen auf und kamen mit über zwei Sekunden Vorsprung ins Ziel. Trainer Dieter Grahn zog dennoch ein positives Fazit: "Mit dieser Niederlage kann ich leben, wenn wir daraus die richtigen Schlüsse ziehen." Schlagmann Ruhe tröstete sich auf seine Weise: "Wer in Luzern gewinnt, wird nicht Weltmeister. Das zeigen die Erfahrungen."

Auch wenn der erste deutsche Achter-Triumph auf dem Rotsee seit 1998 weiter auf sich warten lässt, gab es auch reichlich Grund zur Freude. Dafür sorgte vor allem Marcel Hacker, der das Einer-Finale einmal mehr zu einer One-Man-Show machte. Der seit August 2001 ungeschlagene Einer-Weltmeister aus Kassel fuhr der Konkurrenz auch auf der dritten und letzten Weltcup-Regatta des Jahres auf und davon. Mit einem Vorsprung von einer Bootslänge verwies Hacker den Vize-Weltmeister Iztok Cop (Slowenien) und den Tschechen Vaclav Chalupa auf die Plätze. Euphorisch ließ er seinen 39. Erfolg in Serie Revue passieren: "Der Rotsee ist eine Kultregatta, hier zu gewinnen ist einfach genial." Von einer Favoritenrolle für die WM wollte er nach seinem Start-Ziel-Sieg jedoch nicht sprechen: "Das sah von außen einfacher aus, als es in Wirklichkeit war. Ich war am Ende froh, als ich im Ziel war."

"Stehvermögen verloren gegangen"

Ähnlich eindrucksvoll gewann Katrin Rutschow-Stomporowski (Berlin) ihren Endlauf. Zwei Jahre nach ihrem WM-Triumph an gleicher Stätte verwies die Berlinerin selbst die favorisierte Olympiasiegerin Ekaterina Karsten (Weißrussland) mit einem beachtlichen Schlusspurt auf Rang zwei. Grund zur Freude gab es darüber hinaus im Männer-Doppelvierer, der sich rechtzeitig zum Weltcup-Finale in glänzender Verfassung präsentierte und den Crews aus den Niederlanden und Russland nicht den Hauch einer Chance ließ.

Lehrgeld bezahlte hingegen das Team im Vierer ohne Steuermann. Zwei Tage nach der überraschenden Vorlauf-Schlappe gegen Kanada mussten sich die Weltmeister im Finale sogar mit einem dritten Rang hinter Kanada und Italien zufrieden geben. Aus seiner Enttäuschung machte Schlagmann Bernd Heidicker (Wanne-Eickel) keinen Hehl. "In der Hitze ist uns offenbar das Stehvermögen verloren gegangen. Aber wir dürfen uns jetzt nicht verrückt machen lassen. Viele große Teams haben schon Rennen vor einer WM verloren", sagte er voller Hoffnung auf eine erfolgreiche "Therapie" im nun folgenden Höhen-Trainingslager in Österreich. Nicht minder ernüchternd war der Auftritt des Frauen-Doppelvierers. Der einstige DRV-Erfolgsgarant fand in Australien seinen Meister.

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