Unfall-Management fürs Auto
Gratis-Service kostet die Kontrolle

Es hat gekracht. Jetzt soll die Versicherung des Unfall-Verursachers möglichst schnell für die Auto-Reparatur zahlen. Die HUK-Coburg bietet jetzt an, nichts weniger als alles zu regeln: Vom Abschleppen bis zur Rückgabe des reparierten Autos. Weder für den Versicherten noch für den Geschädigten kostet der Service extra. Trotzdem sind solche Angebote nicht unumstritten.

DÜSSELDORF. Für den Versicherten bleibt alles gleich. Er schließt wie gewohnt eine Haftpflicht- oder Kasko-Versicherung ab. Im Schadensfall bietet die Versicherung des Unfall-Verursachers dann an, nicht einfach nur für den entstandenen Schaden zu zahlen, sondern die gesamte Abwicklung zu übernehmen.

In der Praxis sieht das dann so aus: Wenn der Geschädigte seinen KfZ-Haftpflicht- oder Kasko-Schaden meldet, wird ihm ein Angebot gemacht. Nimmt er es an, organisiert ein Mitarbeiter der Versicherung die komplette Schadensabwicklung: Das Auto wird abgeholt und - wenn gewünscht - ein Ersatzwagen zur Verfügung gestellt. Nach der Reparatur erhält der Fahrer sein Auto gereinigt zurück und gibt den Mietwagen gleich wieder mit.

So soll es ab sofort bei der HUK-Coburg ablaufen. "Schadenservice PLUS" heißt das und soll "neue Maßstäbe in der Regulierung von Kfz-Schäden" setzen. Einzigartig sei aber nicht das Angebot an sich, sondern vor allem der Umfang der Services, räumte Sprecher Alois Schnitzer auf Nachfrage von DMEuro.com ein. Bei allen Versicherern gehe der Trend hin zu Schaden-Management, wie solche Angebote in der Branche genannt werden.

"Wir versprechen uns ein großes Einspar-Potenzial"

Zusätzliche Einnahmen bringt so ein Service den Versicherern nicht - weder der Versicherte, noch der - im Haftpflichtfall - Geschädigte zahlen extra dafür. Das Schaden-Management soll vielmehr die Ausgaben für Unfallschäden drücken. "Wir versprechen uns ein großes Einspar-Potenzial", erklärt HUK-Sprecher Schnitzer das eigentliche Ziel.

Durchschnittlich 20 Prozent weniger Kosten pro Schadenfall erwartet die HUK von der zentralen Abwicklung. "Dagegen ist nichts zu sagen", meint Gabriele Franke von der Verbraucherzentrale Berlin. Schließlich gäbe es bei Leistungen für die Schadensregulierung - vom Abschleppdienst bis zur Reparatur - große Preisgefälle, und gerade unerfahrene Verbraucher würden da schon mal zu viel zahlen.

Das Problem sieht die Verbraucher-Schützerin anderswo: "In eindeutigen Fällen kann das eine Erleichterung für den Geschädigten sein, aber leider sind die in der Minderzahl", meint Franke. "Nicht ohne Grund dauert die Schadensregulierung meistens so lange". Der Schaden müsse geeignet sein, räumt auch Versicherer HUK ein. Klassisches Beispiel: ein leichter bis mittelschwerer Blechschaden, bei dem die Haftungsfrage klar ist. 60 bis 70 Prozent der Fälle seien daher von vornherein ungeeignet, schätzt HUK-Sprecher Schnitzer.

Der Teufel liegt im Detail

Dass der Fall geeignet ist, muss allerdings schon klar sein, bevor das Angebot erstellt wird. Häufig stelle sich aber die erste Einschätzung später als falsch heraus, meint Paul Kuhn, Rechtsexperte vom ADAC. "Sofern es keine entsprechende Vereinbarung mit der Versicherung der Gegenseite gibt, sind Konflikten programmiert."

Gefahren sehen ADAC und Verbraucher-Zentrale außerdem darin, dass der Geschädigte die Zügel völlig aus der Hand gibt. Das beginnt schon beim Feststellen des Schadens. Üblicherweise schaltet der Geschädigte einen neutralen Gutachter ein oder bekommt einen von der eigenen Versicherung gestellt. Im gemanagten Fall gibt die - im Haftpflichtfall gegnerische - Versicherung das Gutachten in Auftrag.

Auch die einzelnen Leistungen - ob es sich bei der Werkstatt um eine Vertragswerkstatt handelt zum Beispiel, oder wie groß der Mietwagen ist - sollte man vorher genau prüfen, rät ADAC-Mann Kuhn. "Das beste ist, das Angebot einem Anwalt oder rechtskundigen Berater vorzulegen", meint Kuhn. Denn: "Der Service klingt hervorragend und kann im Einzelfall auch für den Geschädigten von Vorteil sein", aber die Fälle seien zu individuell, um ihn pauschal anzunehmen". "Das Angebot genau zu prüfen", lautet auch der Rat von Gabriele Franke - "der Teufel liegt im Detail".

Auf Skepsis und Zurückhaltung ist Anbieter HUK denn auch eingestellt - besonders bei den Haftpflicht-Fällen. "Die Skepsis gegenüber der Versicherung des Gegners ist groß; sie ist in erster Linie Gegner", erklärt Sprecher Schnitzer das Problem. Man müsse "Überzeugungs-Arbeit" leisten. Noch sei die Angst groß, man werde vom Gegner "über den Tisch gezogen".

DMEuro-Analyse:

Schnelle und bequeme Reparatur, bei der man sich um nichts kümmern muss - das klingt verlockend. Allein von der Bequemlichkeit sollten Sie sich jedoch nicht leiten lassen. Einmal unterschrieben, geben Sie schließlich die Kontrolle über die Abwicklung aus der Hand.

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