Unfallschutz durch Früherkennungssysteme
Elektronische Heinzelmännchen sorgen für Sicherheit

Der Siegeszug der Elektronik im Auto soll neue Sicherheitssysteme ermöglichen. Der neue 7er versucht mit dem sogenannten "iDrive" innovative Maßstäbe im puncto Sicherheit zu setzen. Und auch Mercedes präsentiert neue Früherkennungssysteme, die das Autofahren noch sicherer machen.

Reuters FRANKFURT. Im Auto der Zukunft fangen Sicherheitseinrichtungen möglicherweise bereits zu arbeiten an, bevor sich ein Unfall überhaupt ereignet hat. Alarmiert über Sensoren könnte dann die vordere Stoßstange ein Stück ausfahren, die Sitze stellen sich aufrecht, sich selbsttätig straffende Gurte halten die Insassen in den Sitzen, und aus den Türen und vom Armaturenbrett legen sich Polster an Oberschenkel und Knie, um vor Verletzungen zu schützen. Bis jetzt sind solche Konzepte zwar noch Zukunftsmusik, doch stellen einige Autokonzerne auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) ihre Forschungsergebnisse vor.

Ermöglicht werden die neuen Sicherheitssysteme durch den Siegeszug der Elektronik im Auto. Die Unternehmensberatung Mercer Management Consulting kam zuletzt in einer Studie für die Hypovereinsbank zu dem Schluss, dass der Anteil von Elektronik und Software an den Herstellungskosten bis 2010 auf rund 35 % von bislang 22 % zunehmen wird. Was einst zu voneinander getrennten Bauteilen wie der elektronischen Motorsteuerung, Airbags oder Antiblockiersystem (ABS) geführt hat, wird mittlerweile vernetzt und ermöglicht dadurch, dass Fahrer vielfach entlastet werden. So könnte ein Regensensor, der sonst nur den Scheibenwischer startet, mit dem Bremssystem verknüpft werden. Dort wiederum könnten dann regelmäßig die Beläge an die Scheiben angelegt werden, um diese trocken und den Bremsweg kürzer zu halten.

Sicherheitsvorschläge aus dem Hause BMW

BMW präsentiert auf der IAA mit seiner neuen 7er-Reihe ein neues Bedienungskonzept mit dem Namen "iDrive", wodurch nach Angaben des Unternehmens das Auto gewissermaßen intuitiv steuerbar gemacht werden soll. Dabei sind alle Schalter und Hebel für die zentralen Funktionen wie das Getriebe am oder um das Lenkrad angeordnet. Über einen Drehknopf auf der Mittelkonsole an Stelle des Schalthebels sind im Zusammenspiel mit einem großen Computerdisplay die Komfortfunktionen wie etwa das Navigationssystem zu bedienen. Außerdem ist das Auto unter anderem etwa für Autobahnfahrten mit einem Temporegler ausgestattet, der das Fahrzeug selbsttätig abbremst, falls der Abstand zu einem voraus fahrenden Auto zu gering wird.

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In einem Studienfahrzeug des Geländewagenmodells X5 präsentiert BMW weitere Lösungen für die Zukunft: So sind Lichtsysteme möglich, die bei Kurvenfahrten in die Kurve hineinleuchten, oder Systeme, die bei stockendem Verkehr selbst Gas geben oder bremsen, wenn der Verkehr wieder steht. Denkbar seien auch Gaspedale, die gestützt von Daten von Sensoren und aus dem Navigationssystem durch einen stärkeren Gegendruck einen Fahrer zum Bremsen auffordern, falls er zu schnell auf eine Kurve zufährt oder sich einer Ortschaft nähert.

Mercedes stellt auf der IAA mit dem Cabriolet SL nach eigenen Angaben das erste Fahrzeug der Welt mit elektronischer Bremse vor, bei der die Elektronik die hydraulische Verbindung vom Pedal zu den Rädern ersetzt. Das System ergänzt im Prinzip das ABS und die Spurkontrolle ESP und kann anders als sonst übliche Bremsen die Bremswirkung jedes Rades steuern. Außerdem kann es nach Firmenangaben eine Vollbremsung vorbereiten, sobald ein Fahrer ruckartig seinen Fuß vom Gaspedal nimmt.

Früherkennungssysteme auf Vormarsch

Die Forschungen an Früherkennungssystemen, die etwa Polster im Innenraum ausfahren lassen könnten, begründet Daimler-Chrysler damit, dass sich rund 60 % der Fahrzeuge bei Unfällen zuvor in einem Grenzbereich bewegten - also schleuderten oder ähnliches. Dadurch werde der Aufprall gewissermaßen angekündigt. Die Forscher des Konzerns vergleichen solche Techniken mit den Reflexen von Tieren: Müsse etwa eine Katze aus großer Höhe springen, strecke sie instinktiv alle Gelenke bis hin zu den Krallen, um den Sprung möglichst gut abfedern zu können.

Der Zulieferer Delphi hat eine Studie entwickelt, die die Straßenbedingungen, den Verkehr und sogar den Zustand des Fahrers beobachten können soll. So würden Atmung, Augen und Blinzelbewegungen registriert, um den Fahrer vor Übermüdung warnen zu können. Andere Systeme unterstützten den Fahrer bei Gefahrensituationen. Sollten sich Drive-by-wire-Funktionen wie auch eine elektronische Lenkung ohne Lenksäule durchsetzen, sei auch ein automatisches Lenken oder Bremsen denkbar. Eine solche elektronische Lenkung, die auch die Fertigung von Rechts- und Linkslenker-Versionen der Fahrzeuge viel einfacher machen würde, ist nach Branchenangaben in Europa aber noch nicht zugelassen.

Der deutsche Hersteller Opel hat in seiner Fahrzeugstudie "Signum 2" eine Lenkung eingebaut, deren Lenkrad eher an den Steuerknüppel eines Flugzeugs erinnert. Die Besonderheit sei, dass bei extremen Richtungsänderungen die Räder stärker einschlagen als bei leichten Bewegungen. Dadurch müsse der Fahrer etwa beim Einparken nicht mehr mühsam kurbeln, sondern könne die Hände am Lenkrad lassen.

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