Unfreiwilliger Kniefall
Kommentar: Börsenstar verlor an Glanz

Einst Börsenstar - doch jetzt hat das Image der Deutschen Telekom als Anlegerliebling unschöne Kratzer bekommen. Nach einem steilen Höhenflug im Frühjahr 2000 bis auf einen Stand von 105,00 Euro, ging es für die Aktie steil bergab.

dpa FRANKFURT/MAIN. Am Mittwoch zog das Papier des Bonner Unternehmens erneut den Deutschen Aktienindex Dax in die Tiefe und fiel bis zum Nachmittag auf 28,00 Euro. Erst am Vortag hatte die T-Aktie ihr 52-Wochen-Tief von 31,00 Euro unterschritten und damit für Sorgenfalten auf den Gesichtern vieler Frankfurter Händler gesorgt.

Der unfreiwillige Kniefall der Telekom ist jedoch beileibe kein Einzelschicksal: Der verhaltene Börsenstart der Mobilfunk-Aktie Orange am Dienstag scheint fast so etwas wie einen Dominoeffekt an den Kapitalmärkten ausgelöst zu haben: Europaweit purzelten die Aktienkurse der einstmals so beliebten Telekomkonzerne.

Furcht vor T-Mobil-Börsengang

Der Börsengang von Orange, der Mobilfunk-Tochter des Telekom - Konkurrenten France Telecom, war alles andere als gut gelaufen. Der französische Staatskonzern hatte wegen des derzeit ungünstigen Börsenklimas Schwierigkeiten, die Aktie am Markt zu platzieren. Dabei galt der Börsengang vielen als wichtiger Test für das Interesse der Investoren an Mobilfunk-Titeln. Bei manchen Anlegern könne nun die Furcht vor dem Börsengang der Deutschen Telekom- Tochter T-Mobil wachsen, kommentierte ein Händler der Vereins und Westbank - den verpatzten Orange-Debüt.

Trotzt massiver Verluste kein Schnäppchen

Zurückhaltung könne angesichts der brodelnden Gerüchteküche nicht falsch sein, empfiehlt Robert Halver von Delbrück Asset Management. Nach Ansicht des Analysten ist "die T-Aktie trotz der massiven Kursverluste der letzten Zeit kein Schnäppchen". Am Mittwoch jagte in Frankfurt dann eine Spekulation die nächste: Am Mittag wurde sogar kurzzeitig über einen bevorstehenden Rücktritt von Telekom - Chef Ron Sommer gemunkelt.

Kaum hatten die Bonner dementiert, kursierten neue Gerüchte über gezielte Verkäufe durch Hedge-Fonds-Manager. Diese hätten Interesse, das Papier auf einen Stand von 25 bis 26 Euro zu drücken, um die geplante Voicestream-Übernahme zu gefährden, sagte ein Frankfurter Händler. Viele Analysten beschwichtigten jedoch. "Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Aktionäre von Voicestream den Deal ablehnen", sagte etwa Wolfgang Specht von der DG Bank. Eine bleibende Verunsicherung des Marktes ist jedoch laut Experten Gift für die ehemalige Volksaktie.

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