Ungeachtet internationaler Appelle wurden Kunstschätze zerstört
Afghanische Taliban zerstören Weltkulturerbe

ap KABUL. Ungeachtet aller internationalen Appelle haben afghanische Taliban-Soldaten mit Raketen, Panzern und Sprengstoff die beiden weltberühmten Buddha-Statuen von Bamian sowie zahlreiche andere Kunstschätze zerstört. Wie Augenzeugen am Sonntag berichteten, begann die Vernichtung der 36 und 53 Meter hohen Monumentalwerke bereits am Donnerstag. Der indische Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee verurteilte das Vorgehen der Taliban als unmenschlichen Akt.

Informationsminister Kuatradullah Dschamal teilte der Nachrichtenagentur AP in Kabul mit, dass zwei Drittel aller Buddha-Darstellungen bereits zerstört worden seien. Bis Montag sollten alle Statuen vernichtet sein. Bei den Monumentalstatuen in Bamian seien Kopf und Beine zerstört worden, sagte Dschamal am Samstag. "Unsere Soldaten arbeiten hart daran, die verbliebenen Teile zu zerstören. Sie werden bald fallen." Einwohner von Bamian berichteten am Sonntag, die Soldaten hätten Flugabwehrraketen auf die Denkmäler gefeuert.

Die beiden in den Fels geschlagenen Buddha-Darstellungen stammen aus dem dritten und fünften Jahrhundert. Die höhere davon gilt als die größte stehende Buddha-Statue der Welt. Internationale Appelle zur Rettung der einmaligen Kunstwerke, auch aus der islamischen Welt, blieben unbeachtet. "Die in Afghanistan Herrschenden scheinen keine Moslems zu sein und wollen, dass die ganze Welt ein Schlachtfeld wird", sagte Vajpayee am Sonntag. Moslems würden anderen Religionen gegenüber Respekt erweisen, betonte der indische Regierungschef.

Auch China schloss sich der weltweiten Kritik an. Das Vorgehen beleidige zutiefst die Gefühle der Buddhisten, hieß es in einer von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua verbreiteten Erklärung der Buddhistischen Vereinigung Chinas.

"Wir glauben nicht an diese Dinge"

Der Außenminister der Taliban, Wakil Achmed Muttawakil, wies die Vorwürfe zurück. "Wir sind nicht gegen Kultur, aber wir glauben nicht an diese Dinge. Sie sind gegen den Islam gerichtet", sagte Muttawakil in einem Interview mit AP. Er sollte sich noch im Lauf des Sonntags mit dem Sondergesandten der UN-Kulturorganisation Unesco, Pierre Lafrance, treffen. "Ich werde unseren Standpunkt und unsere Situation erläutern", sagte Muttawakil.

Lafrance hatte am Samstag vergeblich versucht, beim Taliban-Botschafter in Pakistan einen Aufschub für die Zerstörung der Kunstschätze zu erwirken. Abdul Salam Saif erklärte jedoch, es handle sich um eine Anordnung der höchsten geistlichen Führung, die von der Regierung nicht gestoppt werden könne.

Die Anordnung geht auf den Führer der fundamentalistischen Taliban-Regierung, Mullah Mohammed Omar, zurück. Dieser hatte die Vernichtung aller bildlichen Darstellungen in Afghanistan angeordnet, da sie mit dem Islam unvereinbar seien. Die beiden Buddha-Statuen in Bamian, 125 Kilometer westlich von Kabul, gehörten zu einer Klosteranlage, die bis zum achten Jahrhundert existierte. Die Gegend wurde erst im elften Jahrhundert islamisiert. Im afghanischen Bürgerkrieg waren die Statuen bereits von Artilleriefeuer beschädigt worden.

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