Ungebrochener Trend zu Fusionen
Volksbanken erwarten sinkende Erträge

Die genossenschaftlichen Institute rechnen mit einem Rückgang der Erträge aus Zinsen und Provisionen im laufenden Jahr. Dank sinkender Risikovorsorge hoffen sie aber dennoch das Ergebnis des Vorjahres zu erreichen. Die Pläne der EU-Kommission zur Senkung der Auslandsgebühren lehnen die Institute ab.

huh BERLIN. Die rund 1 700 Volks- und Raiffeisenbanken erwarten für dieses Jahr ein deutlich schlechteres Ergebnis. Ursache seien vor allem geringere Provisionsüberschüsse, sagte der Präsident des Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), Christopher Pleister, gestern in Berlin. Sie würden gegenüber dem vergangenen Jahr voraussichtlich um 10 % auf 0,61 % der Bilanzsumme zurückgehen. Diese betrug Ende Juni bei derzeit 1 738 Instituten 1 042 Mrd. DM.

Auch der Zinsüberschuss der Volks- und Raiffeisenbanken bezogen auf die Bilanzsumme werde in diesem Jahr leicht rückläufig sein, sagte Pleister. Insgesamt rechnet der BVR mit Erträgen aus Zinsen und Provisionen von 31,6 Mrd. DM nach 32,1 Mrd DM im vergangenen Jahr.

Dennoch gab Pleister einen optimistischen Ausblick. Das Betriebsergebnis des Vorjahres könne gehalten werden. Ursache seien geringere Aufwendungen für die Risikovorsorge. Laut dem BVR-Präsidenten haben die Volks- und Raiffeisenbanken die Risiken aus der zweiten Hälfte der neunziger Jahre besonders wegen Bauherrenmodellen in den neuen Bundesländern weitgehend "ausgeschwitzt". Auch die Probleme bei der Berliner Volksbank seien abgearbeitet.

Pleister erwartet einen ungebrochenen Trend zu Fusionen unter den Volks- und Raiffeisenbanken. Die Zielmarke des BVR von nur noch 800 bis 1 000 Instituten in sieben Jahren sei realistisch. Eine Fusion der WGZ-Bank mit der neu formierten DZ-Bank hält der BVR-Chef für sinnvoll. Auf Sicht sei es richtig, wenn die Genossenschaftsbanken nur ein Spitzeninstitut hätten. Allerdings gebe es hier gegenteilige Meinungen - besonders bei der WGZ-Bank.

EU-Plan in der Kritik

Unzufrieden sind die Volks- und Raiffeisenbanken mit der Politik. So äußerte der BVR scharfe Kritik an dem Plan der EU-Kommission, die Banken zu zwingen, für Auslandsüberweisungen innerhalb der EU keine höheren Gebühren als für Transaktionen im Inland zu verlangen. Dies sei ein Angriff auf die unternehmerische Freiheit, sagte BVR-Vorstandsmitglied Bernd Rodewald. Gleiche Preise für Inlands- und Auslandszahlungen seien unrealistisch. Rodewald: "Komplexere Vorgänge verursachen nun mal höhere Kosten".

Die EU-Kommission will die europäischen Banken per Verordnung zur Gebührensenkung auf Inlandsniveau zwingen. Die neue Regelung soll ab 1. Januar 2002 zunächst für Bargeldabhebungen und Kreditkartenüberweisungen gelten, ein Jahr später auch für Auslandsüberweisungen und Zahlungen per Scheck. Auch die privaten Banken laufen gegen diese Pläne Sturm.

Bei der geplanten Reform der Eigenkapitalregeln für das Kreditgewerbe (Basel II) sehen die Volks- und Raiffeisenbanken "enormen Änderungsbedarf". Besonders die geplanten höheren Risikozuschläge bei Krediten mit langer Laufzeit lehnen die genossenschaftlichen Institute ab. Es gebe keine empirischen Beweise, dass das Ausfallrisiko mit der Kreditlaufzeit steige. Im Vergleich zu US-Firmen würden deutsche Unternehmen durch diese Reglung aber stark benachteiligt, da sie ihren Fremdkapitalbedarf wesentlich stärker über Kredite deckten.

Widerstand kündigte der BVR auch gegen das Vorhaben an, erwartete Verluste in die Eigenkapitalunterlegung einzubeziehen. Sie würden von den Banken bereits über ihre Risikoprämien abgedeckt.

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