Ungeliebte Beteiligung belastet Bilanz
Babcock ist für Tui ein Klotz am Bein

Gerade erst hat sich die Preussag AG symbolträchtig in Tui umgetauft, da holt den Reisekonzern seine Industrievergangenheit ein.

stw HANNOVER. Die Beteiligung an dem Oberhausener Maschinenbaukonzern Babcock Borsig verliert stündlich an Wert. Nie gewollt und doch teuer erworben, erweist sich Babcock einmal mehr als Millionengrab für Preussag. Die Beteiligung hätte ein kurzes Gastspiel werden sollen. Vorstandschef Michael Frenzel hatte schon beim Einstieg den Verkauf nach Ablauf der zweijährigen Haltefrist angekündigt.

Das wäre fast geglückt, aber eben nur fast. Nach dem Verkauf zweier Pakete an die Deutsche Bank und die Credit Agricole Lazard Financial Products Bank liegen immer noch 8,9 % der Babcock-Aktien bei der Tui. Angesichts der Katastrophenmeldungen aus Oberhausen hat man hier schon mal den größtmöglichen Schaden berechnet.

In der Bilanz 2001 finden sich bereits 70 Mill. Euro Abschreibungen auf das Babcock-Paket. Sollte das Unternehmen Insolvenz anmelden, müsse Tui weitere knapp 100 Mill. Euro abschreiben, sagt eine Konzernsprecherin. Der Betrag setzt sich zusammen aus dem Wert der Aktien beim Kurs von 9 Euro am Bilanzstichtag Ende 2001 und Wertgarantien für bereits verkaufte Anteile. Hinzu kommen 70 bis 80 Mill. Euro aus Garantien für einzelne Projekte, die bei einer Insolvenz aber nicht automatisch fällig würden.

Der Verlust wäre für Tui gerade in der aktuellen Reiseflaute schmerzhaft. Er würde den Großteil der für dieses Jahr geplanten Einsparungen fressen. Der Nettogewinn des vergangenen Jahres von 411 Mill. Euro wird laut Frenzel ohnehin nicht zu wiederholen sein.

Den Retter will Tui bei Babcock jedenfalls nicht spielen. Finanzvorstand Rainer Feuerhake hat zwar Hilfsbereitschaft signalisiert, knüpft sie aber an zwei Bedingungen: Der Sanierungsplan der Unternehmensberatung Roland Berger müsse Perspektiven bieten und Tui werde den Anteil nicht erhöhen. Das heißt, dass alle Banken bei der Rettung mitziehen müssten - doch danach sieht es nicht aus.

Beim Einstieg in den Babcock-Konzern war es Frenzel vor allem darauf angekommen, dem Anlagenbau im eigenen Haus ein Ende zu bereiten. Die zersplitterte Firmensammlung mit Noell an der Spitze machte hartnäckige Verluste. Allein 1997/98, im letzten Geschäftsjahr unter Preussag-Regie, waren es 220 Mill. Euro bei 2 Mrd. Euro Umsatz. Über die Jahre habe der Anlagenbau mehr als eine halbe Mrd. Euro verschlungen, schätzt ein Analyst. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn der Konzern griff in die Reserven und sparte sich detaillierte Segmentberichte.

Eine Lösung bot, wie schon so oft, der Großaktionär WestLB. In dessen Portefeuille fand sich neben der Preussag- auch eine Babcock-Beteiligung, und so entstand 1999 ein einigermaßen unübersichtliches Geschäft: Preussag übertrug den Anlagenbau und 25 % der Werft HDW an Babcock. Das war die Sacheinlage für eine Kapitalerhöhung, nach der Preussag ein Drittel des Babcock-Konzerns gehörte. Bewertet wurde dieses Paket mit 210 Mill. Euro. Man hatte sich auf einen Mindestpreis von 60 Euro je Aktie geeinigt - immerhin ein Aufschlag von 20 % für eine Beteiligung, die niemand wollte. Obendrein musste Preussag seine Töchter noch mit 115 Mill. Euro Bareinlage und 77 Mill. Euro Garantien ausstatten. Einziger Trost: Für weitere 25 % an HDW zahlte Babcock 166 Mill. Euro in bar.

Frenzel schickte mit Feuerhake und dem Controlling-Vorstand Helmut Stodieck Hochkaräter in den Aufsichtsrat der chronisch kranken Babcock Borsig AG. Später rückte mit Reinhard Kayser sogar ein Preussag-Mann vorübergehend zum Finanzvorstand auf. Doch die Top-Manager verhinderten weder die akute Krise noch sicherten sie den rechtzeitigen Ausstieg.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%